Steinfurt
Di., 20.01.2009
Nein zur Hähnchenmast
Borghorst. Günter Schulze Düding darf keine Hähnchenmastställe am Drostenesch bauen. Zumindest nicht nach seinen bisherigen Vorstellungen. „Wir werden ihm nahelegen, den Antrag zurückzuziehen“, erklärte gestern Thomas Drewitz...
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Borghorst. Günter Schulze Düding darf keine Hähnchenmastställe am Drostenesch bauen. Zumindest nicht nach seinen bisherigen Vorstellungen. „Wir werden ihm nahelegen, den Antrag zurückzuziehen“, erklärte gestern Thomas Drewitz, Sprecher der münsterischen Bezirksregierung. Die Behörde begründet ihre Entscheidung damit, dass die Erweiterung des landwirtschaftlichen Betriebes (Schulze Düding will zeitgleich 80 000 Tiere in zwei Ställen unterbringen) der gemeindlichen Bauleitplanung entgegenstehe – und deshalb nicht umgesetzt werden dürfe.
Baudezernent Reinhard Niewerth erfuhr gestern Mittag im Telefonat mit den Westfälischen Nachrichten von der Neuigkeit aus Münster: „Natürlich freue ich mich, dass unsere rechtliche Einschätzung von der Bezirksregierung geteilt wird.“ Niewerth war es, der im Frühjahr vergangenen Jahr an einer „Verhinderungsstrategie“ festgehalten hat, wobei er vom Rat unterstützt wurde. Die Politiker hatten nämlich die Fläche zwischen der Hofstelle Schulze Düding und dem zukünftigen Baugebiet Frahlings Kamp nach einigen Überlegungen kurzerhand zum sogenannten Sondergebiet erklärt. In diesem Bereich ist nur normale Landwirtschaft erlaubt und keine gewerbliche Tierhaltung. Also auch keine Hähnchenmast. Wie Niewerth schon damals gehofft hatte, erweist sich die Sondergebietsausweisung im Nachhinein als geschickter Schachzug: „Das ist genau der Grund für die Ablehnung“, erklärte der Sprecher der Bezirksregierung.
Jetzt ist Günter Schulze Düding am Zuge. Er muss auf den Behördenbeschluss reagieren. Der Landwirt selbst war gestern telefonisch nicht zu erreichen. Thomas Drewitz: „Es besteht die Möglichkeit eines Normenkontrollverfahrens.“ Mit der Klage soll die Gültigkeit einer Rechtsnorm überprüft werden. Allerdings kostet dies Geld – und mindestens eineinhalb Jahre Zeit. „Um Kosten zu sparen, raten wir Herrn Schulze Düding davon ab“, gibt der Bezirksregierungssprecher die Meinung seiner Behörde weiter.
Das monatelange Warten (der öffentliche Erörterungstermin war im vergangenen Februar) hat Ehefrau Bärbel Schulze Düding genutzt, um ebenfalls einen Antrag zu stellen. Demnach will sie eine Mastanlage für 40 000 Hähnchen auf dem Anwesen der Familie bauen. Doch das ist Sache des Kreises Steinfurt. Dessen Sprecherin Kirsten Wessling erklärte gestern auf Anfrage der WN, dass von Seiten der Antragstellerin noch einige Ergänzungen notwendig sind: „Deshalb rechnen wir auch nicht mit einer Entscheidung in diesem Monat.“
Dass die Stadt Steinfurt den Schulze Düdings bei ihrem wirtschaftlichen Expansionskurs nicht im Weg stehen will, betonte gestern noch einmal der Technische Beigeordnete Reinhard Niewerth: „Wenn gewünscht, werden wir gemeinsam eine Lösung finden.“
Dafür müsste der Landwirt aber von seiner Position im wahrsten Sinne des Wortes abrücken und sich nach einem anderen Standort für die Mastställe umschauen. Und auch die Zuwegung, die vor allem den Anwohnern von Drostenesch und Haselstiege ein Dorn im Auge ist, steht weiter zur Diskussion: „Es kann nur über die Emsdettener Straße gehen“, gibt’s für Niewerth keine Alternative. Doch selbst das Angebot, die Stadt würde 50 Prozent der Ausbaukosten übernehmen, habe Schulze Düding bislang immer abgelehnt. Der Baudezernent zeigt sich dennoch gesprächsbereit: „Wir lassen mit uns reden.“
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