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Di., 12.10.2010

Tecklenburg Angriff auf die Lachmuskeln

Von Axel Engels

Tecklenburg - Kaum angekündigt, war ihr Auftritt ganz schnell ausverkauft. Das Ensemble „Dietutnix“ wurden seinem Ruf gerecht und ließ es im Kulturhaus richtig krachen. Die Klippen des Chaos umschifften die Gruppe mit selbstverachtender Eleganz, ihr sekundenschneller Angriff auf die Lachmuskulatur ließ niemanden im Saal zur Ruhe kommen.

Mit ihrem an Wahnsinn grenzenden Programm „Gut durchgelüftet“ haben sich die fünf Frauen in die Riege der qualitativ hochwertigen Entertainer mit kabarettistischem Anspruch katapultiert. An diesem Abend konnte sich niemand der geballten Frauenpower entziehen.

„Dietutnix“ entführte die 300 Besucher in gar himmlische Regionen, besetzte als weiß gekleidete Göttinnen gleich den Olymp. Die Sterne holten sie an diesem Abend vielleicht nicht vom Himmel, aber die Herzen des begeisterten Publikums eroberten sie im Sturm.

Leicht berauscht von Ambrosia glänzte Ingrid Helmer als Hera ganz in Weiß, zeigte sich Steffi Windhoff von göttlich-bürokratischer Seite. Susanne Anders ließ mit französischem Akzent ihren Charme spielen und Heike Knief entdeckte sogar ihre Sinnlichkeit bei wollüstigen Gedanken an Herkules, den Prototyp des Mannes.

Wer Sabine Hollefeld als Hammer schwingende nordische Gottheit Freya erlebt hat, für den bekommt der Begriff Mythologie eine ganz andere Bedeutung. Susanne Anders suchte ihren Märchenprinz im alltäglichen Wahnsinn zwischen Karriere und Haushalt, wobei sie sich dann ihre Wunden leckend im Morgenmantel für die entspannte Welt zwischen beiden Extremen entschied.

Ganze Heerscharen von Märchenfiguren bevölkerten die Bühne im Kulturhaus. Dornröschen hatte in Sabine Hollefeld eine süffisante Protagonistin gefunden, die ihre Fans mit Grazie und Esprit um den Finger wickelte. Als Schneewittchen klagte Ingrid Helmer von den Widrigkeiten im Zusammenleben mit den Zwergen. Da konnte man sogar Mitleid entwickeln für solch ausgebeutete Grazie. Irgendwann war es aber der Märchen zu viel, musste sogar Ingrid Helmers mit dieser Fabelwelt abrechnen. Wortgewandt machte sie dies mit einem markanten „Märchen, nein danke!“.

Einzigartig in ihrer Verwandlungskunst traf man auf Sabine Hollefeld und Steffi Windhoff als Jean Pütz und Assistentin Eva, die sich neben den Löchern im Strumpf gleich auch mit dem Ozonloch und den A-Löchern der Politik beschäftigten. Trainiert, vermutlich im Tanzstudio, haben die fünf Frauen wohl unzählige Stunden. Als Ergebnis gab es bei „Rum and Coca Cola“ Stepptanz in Vollendung. In ihren blauen Matrosenanzügen machten sie dabei eine perfekte Figur, bevor Heike Knief sich als Frau Antje im blauen Matrosenanzug die vermeintlichen Sorgen von der Seele plauderte.

Die Mischung von Ensemble und Solonummern stimmte, Regisseurin Ruth Schiffer hatte ganze Arbeit geleistet hat. Hinter jedem noch so kleinen Wortwitz versteckten sich bitterbös verpackte Wahrheiten. Mitdenken musste man, mit offenen Sinnen und wachem Verstand alles verfolgen.

„Speeddating 80+“ und der „Zickenkrieg“ erntete fulminanten Applaus. Solch ein zu Herzen gehendes Chanson wie „Überall kneift die Hose“ von Sabine Hollefeld hätte selbst Gilbert Becaud zu Tränen gerührt. Aber auch die schönsten Dinge gehen einmal zu Ende und so war es leider auch mit diesem Abend. „Akropolis Adieu“ hätte auch Mirelle Mathieu nicht inniger singen können.

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