Dr. René Krawczynski: Füchse und Marder fressen Aas
So., 05.02.2012
Tote Weidetiere und was nun?
Dr. René Krawczynski.
Tecklenburg -
Ein totes Tier in freier Wildbahn. Das ist für Füchse, Marder und Kolkraben ein gefundenes Fressen. Das berichtete Dr. René Krawczynski. Selbst Rotkehlchen und Kohlmeisen picken gelegentlich Aas.
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Ein verendetes Tier: In der ordnungsliebenden Gesellschaft ist dies ein Stein des Anstoßes, in der Natur jedoch stellt ein Tierkörper die Nahrungsgrundlage einer Vielzahl anderer Lebewesen dar. Wer hätte vermutet, dass selbst Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen ihren Eiweiß- und Fettbedarf gelegentlich am Körper verendeter Großtiere decken?
In einem lebendigen Vortrag schilderte der Ökologe Dr. René Krawczynski von der Universität Cottbus im Naturschutzzentrum Sägemühle der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL), wer vom Tod eines Rehs oder Wildschweins profitiert. In der Lieberose, einem ehemaligen riesigen Truppenübungsgelände im Südosten Berlins, gelangen mit Hilfe von Kameras eindrucksvolle Naturaufnahmen.
Füchse, Baummarder und Marderhund, sowie Fischadler, Milane und Kolkraben konnten bei ihrer Nahrungsaufnahme am toten Tier beobachtet werden. Innerhalb kurzer Zeit war ein verendetes Tier bis auf das Skelett verschwunden. Aber auch für eine Vielzahl von Insekten und deren Larven ist der Tod eines größeren Tieres ein gefundenes Fressen. Fliegen legen ihre Eier ab, deren Larven die Nahrungsgrundlage für bestimmte Käfer darstellen. Selbst Schmetterlinge wie Trauermantel und Schillerfalter finden sich ein, wenn Blütenpflanzen nicht genügend Nektar liefern. Wer nicht direkt vom Aas profitiert, nutzt die Ansammlung von Kleingetier zum Jagen.
Bei den von Dr. Krawczynski durchgeführten Untersuchungen trat so manche Überraschung auf, die Anlass zu weiteren Untersuchungen auf dem Gebiet der Aas-Ökologie gibt.
In Deutschland kommt es gelegentlich zu Einflügen von Geiern spanischer Herkunft. Vermutlich ist es Futtermangel, der die Tiere bis nach Mecklenburg-Vorpommern führt. Vielfach sind in Spanien die so genannten Schindanger, Flächen außerhalb der Wohnorte, auf denen tote Tiere abgelegt werden konnten, geschlossen worden und die Geier leiden Hunger. Dr. Krawczynski wies darauf hin, dass es nach einer neuen EU-Richtlinie wieder erlaubt sei, Tierkörper in der Natur zu belassen, wenn dies gefährdeten Tier- und Vogelarten dient so beispielsweise dem Rotmilan. Diese EU-Richtlinie habe bisher in Deutschland keine Umsetzung gefunden.
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