Schülerinnen als Juristen
Mi., 08.02.2012
Spiel mit realem Hintergrund
Ada Goedecke, Kirsten Fischer, Johanna Osterbrink, Sophie Storch, Eva Nickel, Laura Wiethaup und ihre Lehrerin Monika Höhl waren jetzt eine Woche in Polen.
Tecklenburg -
Eine Woche lang schlüpften sechs Schülerinnen des Graf-Adolf-Gymnasiums in Polen in die Rolle von Juristen. Sie beteiligten sich am „Model International Criminal Court“.
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Sie müssen ein besonderes Engagement für Menschenrechtsfragen nachweisen und zudem Interesse haben an juristischen Verhandlungen – in englischer Sprache. Das sind Voraussetzungen für Schulen, die am „MICC“ teilnehmen wollen. Das Graf-Adolf-Gymnasium gehört dazu.
„MICC“ steht für Model International Criminal Court und findet seit 2006 für jeweils eine Woche im polnischen Krzyzowa (der historischen Gedenkstätte Kreisau) statt. Es ist ein internationales Seminar für Schülerinnen und Schüler aus Oberstufenjahrgängen, die sich intensiv mit Rechtsurteilen des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag auseinandersetzen möchten. Die Teilnahme bedeutet wie in jedem Jahr eine Auszeichnung für das GAG.
Jetzt hatten 84 Schülerinnen und Schülern aus Polen, Deutschland, Ungarn, Portugal und der Türkei die Gelegenheit, sich innerhalb simulierter Gerichtsverhandlungen über Fragen einer modernen internationalen Rechtsprechung auszutauschen.
Bereits seit 2004 arbeitet das GAG unter Betreuung von Englisch- und Geschichtslehrerin Dr. Monika Höhl mit der Kreisau-Initiative Berlin in Projekten zusammen, in denen sozialpolitisches Interesse und Verständigungswille in internationalen Begegnungen gefördert werden, ein Oberstufen-Baustein des GAG als UNESCO-Projektschule.
Das „MICC“ simuliert modellhaft internationale Strafgerichtsprozesse, die tatsächlich vor internationalen Strafgerichten verhandelt worden sind. Es gibt den Jugendlichen die Möglichkeit, sich nach Einarbeitung in zentrale Rechtsfragen und Rechtsprobleme über ihre Sichtweisen einer „gerechten“ Bestrafung von Taten zu verständigen, die auch für Gegenwart und Zukunft modellhaft sind.
Bereits Monate vor der Veranstaltung erhalten die Teilnehmer Rollen als Ankläger, Verteidiger oder Richter zugewiesen sowie Information zu vier historischen Fällen, die vor internationalen Strafgerichtshöfen verhandelt wurden und bei denen im Wesentlichen Kriegsrechtsvergehen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Volksverhetzung eine Rolle spielten.
Pädagogen der Kreisau-Initiative und junge Juristen vermitteln den Schülerinnen und Schülern in intensiven Kleingruppen-Seminaren Einblicke in das internationale Strafrecht. Auch die Ebene der Presseberichterstattung wird beim „MICC“ simuliert, indem ein zehnköpfiges Schülerteam das interne Geschehen und die Rechtsentscheidungen der simulierten Verhandlungen dokumentiert.
Für Ada Goedecke, Kirsten Fischer, Johanna Osterbrink, Sophie Storch, Eva Nickel und Laura Wiethaup war das „MICC“ eine Erfahrung, die ihnen Einsichten auf vielen Ebenen vermittelt hat. Einsichten, die sie zum Umdenken über viele Aspekte des Rechtswesens und die Arbeit von Juristen bewogen hat. Vor dem Hintergrund der Diskussion mit ungarischen Jugendlichen kam es unter anderem zu einer höheren Wertschätzung der Rechtssicherheit und der Wahrung der Grundrechte in Deutschland.
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