Mo., 04.01.2016

Freilichtspiele: Broschüre aus dem Jahr 1925 Atemlos lauscht die Menge

Tecklenburg - 

Schon vor 90 Jahren konnten Tickets für die Freilichtbühne per Telefon bestellt werden. Nicht das einzig Ungewöhnliche, das in einer Broschüre aus dem Jahr 1925 nachzulesen ist.

Von Ruth Jacobus

Eigentlich hat sich in den vergangenen neun Jahrzehnten bei der Freilichtbühne nicht arg viel verändert. Es werden zwar keine Klassiker der Literatur mehr gespielt, sondern Musicals, aber einige grundlegende Dinge sind gleich geblieben. Schon anno 1925 konnten Karten bei der „Verwaltung der Heimatspiele“ per Fernsprecher bestellt werden. Die Nummern lauteten damals Tecklenburg 62 und 63. Und etwas zu essen wurde den Bühnen-Besuchern auch geboten. Zwar nicht Bratwurst und Brezel wie heute, dafür aber Erbsen-, Bohnen- oder Reissuppen mit Fleisch oder Wurst – und Kaffee.

Jürgen Wesselmann ist im Besitz alter Unterlagen, unter anderem einer Broschüre aus dem Jahr 1925, die anlässlich der Aufführung der „Nibelungen“ herausgegeben worden war. Die teuerste Eintrittskarte kostete damals fünf Reichsmark.

Der „Ehrenausschuss“ blickte im Vorwort zurück auf die erste Aufführung 1924 (Wilhelm Tell), als „die Heimatspiele Tecklenburg in den weitesten Kreisen der Bevölkerung die freudigste Aufnahme gefunden“ hätten. „An 33 Spieltagen haben Tausende und aber Tausende in tiefer Ergriffenheit die Darbietungen in sich aufgenommen.“ Die dem Tell innewohnenden, starken volkserzieherischen Kräfte seien frei gemacht worden und hätten „mit Gewalt die atemlos lauschende Menge ergriffen“.

Dem „Wilhelm Tell“ folgten 1925 „Die Nibelungen“. „Die Überschüsse der Veranstaltung verbleiben ungekürzt der Stadt Tecklenburg“, heißt es in den damaligen Richtlinien. „Diese wird die Mittel für die Jugendpflege (Sportplatz, Turnhalle, Jugendherberge) verwenden.“

Wie begeisterte Besucher früher die Stadt empfunden haben, ist in der Broschüre ebenfalls festgehalten: „Dies Tecklenburg ist ewig sonntäglich aufgeräumt, ewig atmende Frische von Rosen und Linden. Man könnte Tische und Stühle auf die Straße stellen und eine Lampe auf den Tisch, so sauber, heimelich und so geborgen ist dieses Gewinkel.“

Begeistert äußerte sich auch der Schriftsteller und Kritiker Julius Hart: „Etwas wie in ein Klein-Bayreuth, in ein Oberammergau hat sich Tecklenburg verwandelt. Das ganze Städtchen ist eine einzige Kunst- und Theatergemeinschaft geworden, kaum ein Haus, eine Familie am Orte, die nicht mit einem, meist mehreren Mitgliedern am Spiele beteiligt wäre.“ Weiter heißt es in der Broschüre zu „Wilhelm Tell“: „Alles spielte mit rührender Hingebung, vom kleinsten, dreijährigen Mädchen bis zum 81 Jahre alten Großmütterchen.“

Als zweites Stück der Heimatspiele sollten nun „Die Nibelungen“ aufgeführt werden. Die Wahl des Stückes sei bestimmt worden von den Grundsätzen, die bei der Einrichtung der Heimatspiele bestimmend gewesen seien. So ist es dem Schriftstück zu entnehmen. Demnach sollte ein Werk dargeboten werden zur Stärkung der inneren Gemeinschaft und zur Besinnung auf seine kulturellen Eigenwerte.

Nach 120 000 Besuchern bei „Wilhelm Tell“ kamen zu den „Nibelungen“ nur 80 000. Respektabel, aber nicht genug für eine neue Spielzeit im Jahr 1926. Erst 1934 geht es weiter – mit „Wilhelm Tell“.

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