Mo., 11.01.2016

Hilfe aus der Natur Quellwasser lindert die Qual

Das Umfeld der „Augenquelle“: Das Wasser wurde früher genutzt, um gereizte Augen zu waschen.

Das Umfeld der „Augenquelle“: Das Wasser wurde früher genutzt, um gereizte Augen zu waschen. Foto: Heinrich Langebrake

Tecklenburg-Ledde - 

Die „Augenquelle“ – Sage oder historische Realität? Die Quelle entspringt unterhalb des Freibades, 120 Meter über Normalnull. Nach der Überlieferung holten Tecklenburger (und Ledder) Bürger dort Wasser zum Spülen der Augen und zum Trinken. Auch Pilger auf dem Jakobsweg, der 170 Meter östlich vorbeiführte, werden vor dem Steilanstieg zur Burgstadt ihre Flaschen gefüllt haben.

Von Heinrich Langebrake

Die Menschen arbeiteten früher bei Wind und Wetter draußen, saßen abends am offenen, qualmenden Herdfeuer. Da waren brennende Augen sicher ein Problem.

Im September 1965 untersuchte der Analytiker Dr. Werner das Wasser der Augenquelle. Seine Resultate (in mg/l): Natrium (Na) 6, Magnesium (Mg) 10, Kalzium (Ca) 95, Chlorid (Cl) 21, Sulfat (SO4) 99, Hydrogencarbonat (HCO3) 177; Gesamtionensumme 412, pH-Wert 7,5. Hydrogeologen sprechen auf Grund der signifikanten Bestandteile von einem Ca-(Mg)-HCO3-SO4-(Cl)-Typ (A. Thiermann, Erl. zur geol. Karte Tecklenburg 1970). Zur Anerkennung als Mineralwasser mit „heilender Wirkung“ müsste die Augenquelle 1000 mg/l gelöster Stoffe enthalten, wie etwa der Quellteich bei Bad Holthausen mit 1331 mg Gesamtionen/l. Die Sundernquelle erreicht immerhin den Status einer „Schwefelquelle“; dazu bedarf es nur 1 mg/l Schwefel (zum Beispiel im Sulfat). Solch ein Wasser ist für Trinkkuren, Bäder und Inhalationen geeignet, die sich entsprechend der sonstigen chemischen Zusammensetzung sehr vielfältig auswirken. Natrium und Chlor bilden eine auch in Tränen enthaltene Kochsalzlösung, und sogar der pH-Wert passt: 7,35 in Tränen, 7,5 in der Augenquelle! Magnesiumverbindungen lindern zudem Hornhautentzündungen, Lidzucken und Muskelkrämpfe.

Augenquellen gab es nicht nur in Tecklenburg. So wird aus Trier von einer Felsenquelle berichtet, die „noch in der Neuzeit als heilkräftig gegen Augenleiden galt“. Schon der römische Naturforscher Plinius unterschied um 50 nach Christus die Wirkung verschiedener Quelltypen, zum Beispiel sulphur (Schwefel) oder sales (Salz). Archäologen vermuten, dass bereits die Steinzeitmenschen ihre Augen mit Quellwasser spülten. Fazit: Die Tecklenburger Augenquelle spendete gutes Trinkwasser, das in der Volksheilkunde auch zum Waschen gereizter Augen geschätzt wurde.

In den Quellkalken finden sich Pflanzenreste sowie Schalen kleiner Schnecken und Muschelkrebse. Oldenburger Ökologiestudenten untersuchen die hier entspringende Wame auf ihre Chemie und Weichtierfauna.

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