Di., 26.01.2016

Gunther Schendel über die EKD-Studie Mehr Engagierte, aber auch mehr Zuschauer

Tecklenburg - 

Im Rahmen der ökumenischen Veranstaltungsreihe der „Tecklenburger Gespräche“ referierte der für Theologie, Kirchen- und Religionssoziologie zuständige Mitarbeiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) Hannover, Dr. Gunther Schendel. Er stellte die Ergebnisse der EKD-Erhebung zur Kirchenmitgliedschaft „Engagement und Indifferenz – Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis“ von 2012 zur Diskussion.

Gegenüber der Studie von 2002, in der die Mehrzahl der evangelischen Christen von einer Art „distanzierten Kirchlichkeit“ bestimmt war, stellt die neue Studie fest: Sowohl die Gruppe der kirchlich Engagierten als auch die Gruppe der sogenannten Indifferenten ist in den vergangenen zehn Jahren größer geworden. Der Referent sprach von einer gewissen Polarisierung der evangelischen Bevölkerung in Bezug auf ihre bewusste Verbindung zum Gemeindeleben vor Ort. Während sich die einen am kirchlichen Leben mit hohem Engagement einbringen, scheint anderen kirchliches Leben relativ gleichgültig zu sein.

Auf die Frage, ob die Menschen eher innerhalb der Kirche oder eher außerhalb der Kirche auf der Suche nach einer glaubwürdigen Religiosität sind, ergibt die Studie Überraschendes: Wenn überhaupt, dann sind es 14 Prozent der Kirchenmitglieder, die sich auf der Suche sehen. Nur drei Prozent der Menschen ohne Konfession betrachten sich als Suchende und 92 Prozent von ihnen lehnen jegliche religiöse Suche für sich ab. Ein hoher Prozentsatz der Kirchenmitglieder (76 Prozent) ist nicht auf der Suche.

Die Zustimmung zur Frage der religiösen Selbsteinschätzung („Ich halte mich für religiös“) ist stark altersabhängig. 24 Prozent der 14-29-Jährigen, aber 81 Prozent der über 66-Jährigen sehen sich mit einem christlichen Glauben unterwegs. Wenn man nach dem Gottesbild fragt, dann meinen immerhin 40 Prozent der jüngeren und 75 Prozent der älteren Generation, dass Gott und Jesus Christus derselbe ist. Eine „Religion haben“ hängt zu 85 Prozent an der Erziehung, die man erfahren hat. Eltern und Großeltern, so das wenig überraschende Ergebnis der Studie, bleiben dabei die wichtigsten Bezugspersonen für die Vermittlung von christlichen Einstellungen.

Mit Blick auf die Zukunft der Kirche sei besorgniserregend, dass sich die jüngeren Generationen kaum für eine religiöse Erziehung ihrer späteren Kinder engagieren wollen.

Der Referent betonte insbesondere die Arbeit der Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft. Sie haben eine starke Brückenfunktion für die Weitergabe des Glaubens.

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3760871?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F