Mo., 22.02.2016

Tecklenburger Gespräche Bei allem Verständnis gibt es auch kritische Fragen

Tecklenburg - 

Das Thema der jüngsten Veranstaltung der „Tecklenburger Gespräche“ – Mit welchem Islam können wir leben? – stieß auf große Resonanz. Die zahlreichen Zuhörer kamen nicht nur aus Tecklenburg, sondern auch aus Lengerich, Lienen, Ladbergen, Ibbenbüren und sogar Emsdetten. Es wurde ein denkwürdiger Abend, heißt es in einem Bericht der Veranstalter.

Zum Auftakt erfuhren die Zuhörer, dass der Referent, Dr. Ibrahim Salama, in Ägypten geboren, 1999 erstmals für einen Sprachkursus in Deutschland war, 2006 wiederkam, promovierte, dann nach Kairo ging, um seit 2012 endgültig als Dozent am Islamischen Institut Osnabrück sesshaft zu werden. Seine Frau ist katholisch. Er selbst bezeichnet sich als Deutscher und Europäer.

Er wolle versuchen, in seinem Vortrag neutral zu bleiben, was die Dynamik des Abends jedoch nicht wirklich zuließ. „Der Koran: Eine Quelle des Übels?“ lautete die erste, provozierende, vom Referenten gestellte Frage. Als Antwort wurden Auszüge aus verschiedenen Suren eingeblendet, die von Gewalt, Kämpfen und Töten handelten. Salama ergänzte die aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze, die häufig Terrorgruppen für sich als Handlungsanleitungen nähmen, durch den Kontext und erläuterte, dass Allah dann Barmherzigkeit empfehle, wenn die Angreifer ihre Kampfhandlungen einstellten. Außerdem ließe sich vieles aus der Geschichte erklären, in der diese Texte entstanden. Mohammed sei zwar Prophet, aber auch Staatsmann, Politiker und Herrscher gewesen, was die kämpferischen Töne erkläre.

Zu einer weiteren Frage: „Gewalt im Islam oder muslimische Gewalt?“ wurde die Sure eingeblendet, wo Frauen nach mehrfacher Ermahnung geschlagen werden dürfen, wenn sie sich ihren Pflichten oder dem Willen des Mannes widersetzen. Sollten jedoch Männer falsches Verhalten an den Tag legen, ist von Bestrafung kaum die Rede, was nicht nachhaltig einsichtig gemacht werden konnte. Erste Zuhörer meldeten sich kritisch zu Wort. Nicht nur zu dieser Frage verwies der Referent auf die Koran-Kommentatoren, die zu einer Zeit lebten, als Frauen keinerlei Rechte hatten.

Die Notwendigkeit einer Aufklärung, wie sie das christliche Abendland erfahren hat, sah der Referent als kritisch an, solange sie von außen für den Islam eingefordert wird. Dies mag auch erklären, warum der Referent zurückhaltend auf die Forderung nach Dialogen zwischen den Religionen reagierte.

Die zahlreichen Wortbeiträge zeigten einerseits Verständnis für die Ausführungen, waren andererseits durchaus kritisch. Eine der Fragen bezog sich zum Beispiel darauf, dass alle Nicht-Muslime im Koran Ungläubige genannt werden. Es wäre ein gutes Schlusswort gewesen, als ein Zuhörer formulierte: „Wir leben hier in einem Rechtsstaat, in dem alle Religionen nebeneinander existieren dürfen, solange sie nicht gegen diesen Rechtsstaat verstoßen. Das gilt auch uneingeschränkt für den Islam.“

Doch die Fragen und Beiträge wollten nicht abreißen.

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