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So., 02.07.2017

Abend der Diakonie Der Wille zum Mitgestalten

Beim Abend der Diakonie freuten sich (von links) Superintendent André Ost, Sozialdezernent Tilmann Fuchs, Maria Loheide (Sozialpolitischer Vorstand Diakonie der EKD), Pfarrer Jürgen Nass und Stefan Zimmermann (beide Vorstand des Diakonischen Werks) über das rege Interesse am Vortrag.

Beim Abend der Diakonie freuten sich (von links) Superintendent André Ost, Sozialdezernent Tilmann Fuchs, Maria Loheide (Sozialpolitischer Vorstand Diakonie der EKD), Pfarrer Jürgen Nass und Stefan Zimmermann (beide Vorstand des Diakonischen Werks) über das rege Interesse am Vortrag. Foto: Christine Fernkorn

Tecklenburg - 

Eine nachhaltige, generationengerechte und sozial gerechte Gestaltung des Gemeinwesens – bei der Bewältigung dieser Aufgaben sei das Diakonische Werk auf Unterstützung von vielen Seiten angewiesen. Das machte Maria Loheide vom sozialpolitischen Vorstand Diakonie der EKD deutlich.

„Wenn wir uns für die Zukunftsfähigkeit unseres sozialen Miteinanders einsetzen, sind Bündnisse gefragt“ so Maria Loheide, sozialpolitischer Vorstand des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Im Rahmen der Festwoche zum 50-jährigen Bestehen des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Tecklenburg referierte sie beim Abend der Diakonie auf Haus Marck.

„Ein Diakonisches Werk braucht Partner in der Politik, Verwaltung, bei anderen Verbänden der freien Wohlfahrt und in der Zivilgesellschaft“, führte sie aus. „Auf dem Weg sein“ ist das eine, „gemeinsam auf dem Weg zu sein ist das Bessere“ unterstrich sie. Es gehe um eine nachhaltige, generationengerechte und sozial gerechte Gestaltung des Gemeinwesens. Für zukünftige Handlungsspielräume der diakonischen Arbeit und die Durchsetzungsfähigkeit der Diakonie sei es wichtig, dass sie Partner an ihrer Seite weiß, so Loheide weiter.

In einem Überblick über politische und ökonomische Entwicklungen in den vergangenen 50 Jahren verdeutlichte die Referentin, dass die Diakonie den Wandel mitgestaltet und mitgeprägt hat. Politik und Diakonie hätten in gewisser Weise etwas gemeinsam, so Loheide: Beide wollen den Wandlungen des Sozialen nicht einfach nur zuschauen, sondern wollen gestalten.

Auch der Sozialstaat sei einem starken Wandel unterlegen gewesen. In den 1960er und 1970er Jahren seien die gesetzlichen Grundlagen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen öffentlicher und privater Fürsorge geschaffen worden. Neue Angebote wie beispielsweise Hilfen für Menschen mit psychischer Behinderung oder für Drogenabhängige kamen hinzu.

„Ein gravierender Paradigmenwechsel fand in den 90er Jahren statt“, so die Referentin. Einen Einschnitt bedeutete die Einführung der Pflegeversicherung 1995, mit der wettbewerbspolitische Vorstellungen in die Organisation des Sozialstaats eingezogen seien.

Eine weitere Zäsur stellte die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 1992 dar, in der die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben gefordert wird. „Die Frage, wie unser Sozialstaat, die Sozialgesetzgebung und letztlich die Nachbarschaften vor Ort gestaltet sein müssen, damit sie Inklusion ermöglichen, wird uns noch einige Zeit beschäftigen“, betonte Maria Loheide.

„Wenn ich mir heute den gesellschaftlichen, politischen und kirchlich-diakonischen Kontext der Gründung des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Tecklenburg in Erinnerung rufe, so empfinde ich größten Respekt vor dem mutigen Schritt, den so eine Vereinsgründung bedeutet“, so Loheide. Die Gründer hätten den Grundstein dafür gelegt, dass das Diakonische Werk seit fünf Jahrzehnten erfolgreich für ein solidarisches und gerechtes Gemeinwesen in Tecklenburg eintrete und mit immer neuen Ideen und unter sich verändernden Bedingungen das soziale Miteinander mitgestaltet.

„Die Diakonie ist durch den gesellschaftlichen Wandel in unterschiedlichen Themenfeldern herausgefordert: Wir sind mit einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft konfrontiert, die Armut nimmt zu“ unterstrich die Referentin. „Wir müssen uns mit den Folgen des demografischen Wandels auseinandersetzen, Familienstrukturen verändern sich“.

Bei der Gestaltung der Integration dürfe nicht zugelassen werden, dass Flüchtlinge und Menschen, die auf Hilfe und Begleitung angewiesen sind, gegeneinander ausgespielt werden.

„Wir brauchen mehr Menschen in den Pflegeberufen“, stellte sie fest. „Wir wollen in diesem Sozialstaat nicht nur Dienstleister des Staats sein, sondern den Sozialstaat, das Gemeinwesen in unserem eigenen Auftrag, im Auftrag des Evangeliums, verantwortlich mitgestalten“, appellierte sie an die Zuhörenden.

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