Mo., 17.07.2017

Blick in die Vergangenheit Dramatische Rettungsaktion

Der 60 Meter tiefe Brunnen eines Ledder Bauern wurde im März 1965 einer Pute beinahe zum Verhängnis. Erst nach sieben Wochen wurde das Tier wieder herausgezogen.

Der 60 Meter tiefe Brunnen eines Ledder Bauern wurde im März 1965 einer Pute beinahe zum Verhängnis. Erst nach sieben Wochen wurde das Tier wieder herausgezogen. Foto: TEcklenburger Landbote

Tecklenburg-Ledde - 

Die Aufregung muss groß gewesen sein 1965 in Ledde. In der März-Ausgabe einer damaligen Zeitung ist von einem „sagenumwobenen Brunnen vor dem Heuerhaus des Bauern Hermann Kipp“ die Rede, der „mit seinen 60 Metern Tiefe zu den ergiebigsten Brunnen im Kreis Tecklenburg“ gezählt haben soll. Was für sich gesehen zwar bemerkenswert, aber doch keine solche Sensation gewesen wäre, dass groß darüber geschrieben hätte werden müssen. So war denn auch nicht der Brunnen, sondern „eine schon recht fleischig gewordene Pute“ zum Gegenstand der Nachricht geworden.

Von Sigmar Teuber

Jener Vogel, schreibt der damalige Berichterstatter, „hob sich auf den Brunnenrand, tat einen Fehltritt und stürzte mit lautem Geflatter und immer schwächer werdenden Geschrei in den tiefen Brunnen“. Zwar seien die Bewohner des Hauses sofort hinzugelaufen, „doch zu retten gab es nichts mehr“. Pfenniggroß habe sich das Tageslicht im tiefen Wasser gespiegelt. „Dort klatschte die Pute hinein und war verschollen.“

Was sollten die Menschen tun? In den Brunnen steigen? Das schien zu gefährlich und wegen der vermeintlich toten Pute nicht lohnend. Diese Aktion wäre bestenfalls notwendig gewesen, um eine drohenden Verseuchung des Brunnens zu verhindern. So lief nach Tagen nur der zurückgebliebene Puter auf dem Hof des Heuerhauses klagend herum. „Ihm wollte das Futter gar nicht mehr schmecken“, berichtet die Zeitung. „Den ganzen Tag über waren seine Lockrufe zu hören, die dem verschwundenen Putenweib galten.“

So auch an einem windstillen Nachmittag. Die Bewohner des Hauses standen vor der Tür. Plötzlich hörten sie „wie aus weiter Ferne“ einen Klageruf und entdeckten, „dass dem Puter tief unten aus dem Brunnen vom Putenweib geantwortet wurde“. Eine Lampe wurde hinabgelassen und siehe da: die Pute hatte sich auf einem Mauervorsprung gerettet, der dicht über dem Wasserspiegel lag.

Ein Korb wurde mit Futter gefüllt und hinuntergelassen. Die Pute fraß, stieg aber nicht in den Korb. Die Aktion wurde täglich wiederholt. Ohne Erfolg. Viele Neugierige kamen und sahen zu. Die Pute blieb auf dem Vorsprung sitzen.

Schließlich wurde doch eine Rettungsaktion eingeleitet. „Eine Zugmaschine mit Haspel“ wurde bestellt, und „nach genau sieben Wochen“ ließ sich ein Mann, „auf einer starken Bohle stehend und mit Seilen gut gesichert“ in den Brunnen hinab. Er holte die Pute heraus, die stark abgemagert war.

„Mit rührender Sorgfalt bemühten sich die Bewohner des Hofes um das geschwächte Tier“, schreibt die Zeitung. Sogar „eine Lagerstatt hinter dem Herd auf der Vordiele“ wurde für den Vogel eingerichtet, der sich zunächst zu erholen schien. Doch: „Der ungewöhnliche Aufenthalt und die tausend ausgestandenen Ängste, das alles war zuviel für die Pute“, bedauert der Berichterstatter. „Sie ging nach einigen Tagen ein.“

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