Fr., 20.10.2017

Lesung mit Modersohn-Briefen Einblicke in eine innige Beziehung

Das Künstler-Ehepaar Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker ließen Verena Güntner und Robert Levin bei der Lesung in der Remise von Haus Marck lebendig werden.

Das Künstler-Ehepaar Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker ließen Verena Güntner und Robert Levin bei der Lesung in der Remise von Haus Marck lebendig werden. Foto: Nicole Degutsch

Tecklenburg - 

Neue Einblicke in die Beziehung zwischen Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker ermöglichen erst kürzlich veröffentlichte Briefe. Verena Güntner und Robert Levin zogen damit das Publikum bei einer Lesung in Bann.

Neu entdeckte Briefe von Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn sind vor Kurzem unter dem Titel „Wir gehören uns ja“ erschienen. Herausgeberin ist Otto Modersohns Enkelin, Antje Modersohn. Aus diesem Werk lasen in der stimmungsvoll beleuchteten Remise des Haus Marck die Schauspieler Verena Güntner und Robert Levin. Sie ließen das Künstler-Ehepaar an diesem Abend lebendig werden. Beide liehen unter anderem in Carlo Modersohns Dokumentation „So weit und groß – die Natur des Otto Modersohn“ Paula und Otto ihre Stimmen.

Uta Jenschke, Geschäftsführerin des Otto Modersohn Museums Tecklenburg, freute sich über rund 90 Zuschauer. „Wir nutzen die Remise heute zum ersten Mal für eine Veranstaltung, und ich finde den Ort sehr passend“, merkte sie an.

Antje Modersohn gab zur Einführung noch einige Informationen und beschrieb ihr Abwägen, „ob ihr Großvater mit der Veröffentlichung der Briefe und Tagebucheinträge wohl einverstanden gewesen wäre“. Sie entschied sich für ein klares „Ja“. Denn vieles über den Großvater Erschienene lese sie mit gespitztem Bleistift, möchte manches korrigieren.

Mit dem aktuellen Werk gibt Antje Modersohn neue Einblicke in das Gefühlsleben von Otto Modersohn und seiner Frau Paula, die sich 1899 kennenlernten. Er ist ein etablierter Künstler, sie eine junge, ehrgeizige Künstlerin, die es nach Berlin und Paris zieht. Von dort aus schreibt sie wunderschöne Briefe nach Worpswede, wo Modersohn in der von ihm gegründeten Künstlerkolonie lebt, die auch Paulas Zuhause werden soll. Die Briefe zeigen die große Zuneigung der beiden, aber auch ihre tiefe Verbundenheit in ihrer künstlerischen Arbeit und den gegenseitigen Ansporn zu neuen Werken.

So schreibt Otto begeistert in einem Tagebucheintrag vom 26. Juli 1900, wie sehr er von Paulas „frischem, gesunden Äußeren“ angetan ist, sie sei „voller Einfälle und liebt das Pittoreske“

1900 werden sie ein Paar, Höhen und Tiefen der Ehe werden im Briefwechsel deutlich. Robert Levin ist perfekt in der Rolle des Liebenden „roten Rex,“ wie Paula ihn in Briefen zärtlich nennt. Mal schreibt Modersohn wild und ungestüm, mal melancholisch. Ebenso scheint Verena Güntner die Rolle der Paula wie auf den Leib geschneidert zu sein. Sie ist die ungestüme Künstlerin, die sich in einer „Sturm- und Drangphase“ befindet, die es vom einsamen, „philisterhaften Leben“ in Worpswede immer wieder nach Paris zieht. Es kriselt, als sie 1906 für Monate nach Paris geht, um dort zu arbeiten und sich ihrer selbst und ihrer Gefühle zu Otto klar zu werden. Otto fleht in seinen Briefen, sie möge sich doch ihrer gemeinsamen, schönen Zeit erinnern, sich auf ihre Liebe besinnen und die Kunst, die sie zusammenhalte.

Er besucht sie in Paris und sie verbringen eine wundervolle Zeit der Versöhnung und des künstlerischen Austauschs und Schaffens. 1907 kommt das tragische Ende: Nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Mathilde stirbt Paula an einer Embolie. Der letzte Brief, den die Zuhörer hören, verfasst an einen Freund, ist geprägt von der großen Trauer, die Otto Modersohn nach diesem Verlust durchlebt.

Nach 90 Minuten endet die gelungene Lesung an einem romantisch anmutenden Ort. Vom sehr persönlichen, menschlichen Bild der beiden Künstler sind die Zuhörer sichtlich berührt.

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