Minister Karl-Josef Laumann besucht Gemeinschaftspraxis
Werben für den „Familienarzt“

Tecklenburg-Leeden -

Der schönste Job, den ein Mediziner haben kann, ist der des Hausarztes – oder, wie ihn Dr. Birgit Schilling-Maßmann nennt, der des Familienarztes. „Er ist so vielfältig und man begleitet die Patienten ein Leben lang.“ Diese Werbung für den Beruf gefällt einem ganz besonders: Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Gestern Nachmittag war er zu Gast in der Leedener Gemeinschaftspraxis, um sich vor Ort ein Bild zu machen von der Arbeit der Hausärzte im ländlichen Raum.

Donnerstag, 12.04.2018, 21:04 Uhr

Karl-Josef Laumann möchte mehr Ärzte für Praxen im ländlichen Bereich gewinnen. Denn diese würden sich nicht unterscheiden von denjenigen in Städten wie Düsseldorf oder Münster.
Karl-Josef Laumann möchte mehr Ärzte für Praxen im ländlichen Bereich gewinnen. Denn diese würden sich nicht unterscheiden von denjenigen in Städten wie Düsseldorf oder Münster. Foto: dpa

Dass Regionen des Landes mit Ärzten unterversorgt sind, sei ein Problem, das über Jahre hinweg entstanden sei, so der Minister. In Nordrhein-Westfalen würden jedes Jahr 400 Mediziner in Rente gehen. 2000 würden ausgebildet – aber nur 200 von ihnen würden Allgemeinmediziner.

Das Image des Landarztes sei schlecht. Dabei sehe es in der Praxis eines Familienarztes auf dem Land nicht anders aus als in einer Praxis in Düsseldorf oder Münster. Hier wie dort gehe es um anspruchsvolle Medizin. Und auf dem Land gebe es eher interessante Fälle, weil erste Anlaufstation eines Patienten eben der Hausarzt und nicht der Facharzt sei. Laumann wirbt: „Wenn man Medizin studiert, ist der Familienarzt ein vernünftiges Ziel.“

Ein Ungleichgewicht sieht der Minister zwischen dem Rheinland und Westfalen. 70 Prozent der Studienplätze seien im Rheinland. Und es gebe den „Klebe-Effekt“: Man bleibe in der Region, in der man studiere. Nun soll eine neue Fakultät mit dem Schwerpunkt Allgemeinmedizin aufgebaut werden – und zwar im westfälischen Bielefeld.

Zudem wolle man eine „Landarztquote“ einrichten: Zehn Prozent der Studienplätze sollen nur vergeben werden an Studenten, die sich bereit erklären, später in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten.

Der Minister erläuterte verschiedene Maßnahmen, mit denen die Landesregierung die hausärztliche Versorgung sichern will. Und er führte ein langes Gespräch mit Dr. Birgit Schilling Maßmann und Dr. Volker Maßmann. Beide sind begeistert von ihrem „schönsten Job“, doch sie sehen auch die Probleme. Und die liegen unter anderem in der Budgetierung. Gerade auf dem Land gebe es viele ältere Patienten mit oft chronischen Erkrankungen und entsprechend regelmäßigen Arztbesuchen. Ist die Grenze des Budgets erreicht, müsse die letzten Wochen des Quartals zu einem Honorarsatz von 17 Prozent gearbeitet werden, wobei Lohn- und Unterhaltungskosten einer Praxis gleichbleibend seien. Das wiederum sei ein Problem, das die Selbstverwaltung und nicht das Ministerium lösen muss.

Warum Karl-Josef Laumann sich die Leedener Praxis für seinen Besuch ausgewählt hat? „Ich wollte eine normale, moderne Praxis auf dem Land, in der positiv gesprochen wird vom Beruf.“ Denn damit lässt sich werben um junge Mediziner.

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