Krokodiltheater
Der Flug in ein erfülltes Leben

Tecklenburg -

Bereits zum fünften Mal hatte das Krokodiltheater am Sonntag in die Remise des Wasserschloss Haus Marck eingeladen, und natürlich wollten sich die kleinen und großen Theaterliebhaber das nicht entgehen lassen. In der besonderen Atmosphäre des Wasserschlosses konnte man sich bei sommerlichen Temperaturen nach einem Spaziergang bei „Frau Meier, Die Amsel“ in eine fantastische Welt entführen lassen, bei der Hendrikje Winter gleich mehrere Charaktere brillant zum Leben erweckte.

Montag, 16.04.2018, 19:04 Uhr

Frau Meier (Hendrikje Winter) sperrt die Angst in einen Vogelkäfig. Die Amsel hat ihr dabei geholfen, ihre Einschränkungen zu überwinden.
Frau Meier (Hendrikje Winter) sperrt die Angst in einen Vogelkäfig. Die Amsel hat ihr dabei geholfen, ihre Einschränkungen zu überwinden. Foto: Axel Engels

Dieses Stück über die Angst und ihre Überwindung war wie ein Lehrstück, wie sensibel ein anspruchsvolles Thema mit den Ausdrucksmitteln des Figurentheater in Szene gesetzt werden kann. Hendrikje Winter brauchte keine großen Effekte, um von der ersten Sekunde an das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Ihre liebevolle und natürlich Art, verbunden mit einer starken Bühnenpräsenz, reichten aus, um dem begeistert mitfiebernden Publikum ein zu Herzen gehendes Theatererlebnis zu schenken.

Mit großer Schauspielkunst wusste sie die von Sorgen und Angst beherrschte Frau Meier darzustellen, mit kleinsten humoristischen Prisen würzte sie dabei das Bild einer Person, die wie aus dem wahren Leben gegriffen erschien. Auch Herr Meier, eine kleine Handpuppe mit Halbglatze und Brille ganz einem in sich ruhenden Menschen nachempfunden, agierte unter ihrer Ausführung mit liebevollem Ausdruck. Als ruhender Pol der Gemeinschaft wusste er mit seiner von übertriebenen Sorgen an der Lebensfreude gehinderten Gattin immer wieder Zuversicht zu geben, sie sogar mit einem kleinen Tänzchen aus dem Alltag herauszureißen.

Die Angst erlebte man am Anfang in ein überlebensgroßes rotes Gewand gekleidet, aber das änderte sich dann im Verlauf dieser zu Herzen gehenden Geschichte. Denn der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Frau Meier fand in ihrem kleinen Garten eine aus dem Nest gefallene kleine Amsel. Die nahm sie mit in ihre Wohnung und versorgte sie mit aller Liebe. Dabei musste sie sogar bei der Fütterung als Vorbild und Elternersatz kleine Würmer verspeisen. Dass ihre Angst immer kleiner wurde, zeigte sich auch daran, dass das rote Gewand zu groß wurde. Frau Meier ließ sich nicht mehr von ihr beherrschen und entdeckte mit dem Heranwachsen der kleinen Amsel ihre Lebensfreude wieder.

Die nunmehr geschrumpfte Angst sperrte sie in einen kleinen Vogelkäfig. Denn obwohl die Angst wie bei jedem anderen Menschen noch vorhanden war, zum Leben auch dazugehört, wusste Frau Meier nunmehr mit ihr umzugehen. Als dann die kleine Amsel flügge wurde, überwand sie die restlichen seit ihrer Kindheit vorhandenen Einschränkungen und man erlebte sie am Ende in einem kleinen Schattenspiel beim Flug durch die Nacht auf dem Weg in ein erfülltes Leben.

Diese mit fantastischen Ideen wie dem kleinen Garten als Bauchladen in Szene gesetzte Botschaft kam an, erreichte die Herzen und dies ohne den oftmals „üblichen“ erhobenen Zeigefinger. Die eigene Angst zu beherrschen, Grenzen zu überwinden und das Leben in all seiner Schönheit zu genießen war für Frau Meier am Ende möglich, und dieser Gedanke übertrug sich auf das begeisterte Publikum.

Da muss man sich den Samstag, 12. Mai, schon jetzt im Kalender ankreuzen. Denn dann gibt es vom Krokodiltheater um 20 Uhr „Vom Himmel, Ein Stück“ in der Remise von Wasserschloss Haus Marck.

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