Schwerpunktaktion „Sekundenschlaf“ auf der A 1
Wenn die Augen kurz zufallen

Tecklenburg-Leeden -

Der Mann ist noch nicht lange auf der A 1 unterwegs. In Bremen ist er am Morgen mit seinem Sattelschlepper gestartet, er transportiert sieben Mercedes. Zielpunkt: Ginsheim in der Nähe von Wiesbaden. Bei Tecklenburg wird er von Stefan Wolzenburg und Frank Momien aufgefordert, ihnen zu folgen. Die beiden Beamten der Schwerlastgruppe der Polizei leiten ihn zum Parkplatz der Raststätte Tecklenburger Land West: Routinekontrolle – eigentlich.

Donnerstag, 17.05.2018, 17:05 Uhr

Dirk Mond ist unterwegs von Hamburg nach Krombach. An der Raststätte Tecklenburger Land West macht er Pause und unterhält sich mit Martina Habeck und Christoph Becker (rechts) über die Schwerpunktaktion der Polizei
Dirk Mond ist unterwegs von Hamburg nach Krombach. An der Raststätte Tecklenburger Land West macht er Pause und unterhält sich mit Martina Habeck und Christoph Becker (rechts) über die Schwerpunktaktion der Polizei Foto: Ruth Jacobus

Drei Wochen lang läuft die Schwerpunkt-Aktion „Vorsicht Sekundenschlaf!“ des Polizeipräsidiums Münster (zuständig für 335 Autobahn-Kilometer). Am Dienstag machen die Beamten Station an der Raststätte Tecklenburger Land. Sie wollen aufklären, warnen – und kontrollieren. Dabei geht es speziell bei Lkw-Fahrern um die Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhezeiten.

Der Mann aus Bremen hat alles richtig gemacht. Wolzenburg und Momien laden die digital gespeicherten Daten von Fahrer und Fahrzeug auf ihre Kontrollkarte. In ihrem Polizei-Bulli werden diese aufgerufen und durchlaufen eine Kontrolle. „Wir dürfen vier Wochen komplett überprüfen“, erläutert Wolzenburg. In diesem Fall findet er lediglich eine kleine, länger zurückliegende Tempoüberschreitung, ansonsten ist alles in Ordnung. Die Ladung ist gesichert, die Reifen sind in gutem Zustand. Die Mercedes-Limousinen dürfen weiter rollen.

Währenddessen kommen Martina Habeck und Christoph Becker, im Polizeipräsidium Münster zuständig für die Verkehrsprävention, auf dem Parkplatz ins Gespräch mit Dirk Mond. Der Brummi-Fahrer ist unterwegs von Hamburg nach Krombach, um Bier abzuholen. Neun Stunden Lenkzeit (mit Unterbrechungen) hat er hinter sich, nun ist eine längere Pause angesagt. Er wie auch viele andere Lkw-Fahrer wissen um die Gefahr von Müdigkeit am Steuer. Aber nicht alle Verkehrsteilnehmer verhalten sich entsprechend, legen rechtzeitig Pausen ein.

Im vergangenen Jahr, weiß Christoph Becker, gab es im Bereich der Polizeidirektion Münster mehrere Unfälle, bei denen Sekundenschlaf die Ursache war. Die Bilanz: ein Toter, 20 schwer Verletzte, 21 leicht Verletzte und rund 750 000 Euro Sachschaden. Grund genug, zu warnen und zu informieren.

Auch Pkw-Fahrer werden angesprochen, denn „Sekundenschlaf kann jeden treffen“: Urlauber, die die Strecke bis zum Ziel möglichst schnell und mit wenigen Pausen hinter sich bringen wollen, Vertreter, die in Hektik sind, Pendler, für die die tägliche Fahrstrecke eintönig wird. Sie sollten auf die körperlichen Signale achten, rät Martina Habeck: Gähnen, brennende Augen, nachlassende Konzentration gehören dazu. Dann heißt es anhalten – und zwar bereits bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit. Sich abzulenken mit lauter Musik oder einen Kaffee zu trinken, „das bringt nichts“, weiß die Polizeibeamtin. Was hilft, ist ein „Nickerchen“ (höchstens 30 Minuten) beziehungsweise Bewegung in frischer Luft. Warum nicht mal eine kurze Stepp-Einheit am Bordstein einlegen? Das macht wach. Am besten sei es, einen zeitlichen Puffer einzuplanen und alle zwei Stunden eine Pause einzulegen, so Martina Habeck.

Die Schwerpunktaktion „Sekundenschlaf“ läuft auf der A 1 noch knapp drei Wochen.

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