Otto Modersohn Museum
Spurensuche: Große Kunst – kleine Macken

Tecklenburg -

Sie sind dick mit Luftpolsterfolie verpackt, darunter liegt noch eine Schicht extrem stabilen Tyvek-Gewebestoffes. Zudem ist die Glasscheibe so abgeklebt, dass im Fall eines Bruchs die Splitter daran kleben bleiben: Wenn ein wertvolles Gemälde auf Reisen geht, reichen Packpapier und Band nicht aus. Drei große Pakete liegen im Otto Modersohn Museum (OMMT) auf langen Tischen und werden vorsichtig ausgepackt, nein, sorgfältig enthüllt. Schließlich verbergen sich darin Werke des bedeutenden Künstlers Gerhard Richter.

Dienstag, 12.06.2018, 21:00 Uhr

Das Bild wird auf Schäden untersucht. Uta Jenscke (links) und Anne-Sophie Hinnüber-Eysing entdecken Ablagerungen am Glas.
Das Bild wird auf Schäden untersucht. Uta Jenscke (links) und Anne-Sophie Hinnüber-Eysing entdecken Ablagerungen am Glas. Foto: Ruth Jacobus

„Unerwartete Begegnung“ heißt die aktuelle Ausstellung, in der sich Werke von Otto Modersohn und Gerhard Richter begegnen. Vor zweieinhalb Monaten ist sie eröffnet worden. Und nun ist es Zeit für einen Austausch einiger Bilder, genauer gesagt handelt es sich um vier Skizzen zum „Parkstück“ von Richter. Eine Leihgabe, auf diese Zeit begrenzt. Die Papierarbeiten seien so empfindlich, dass sie nicht für längere Zeit dem UV-Licht ausgesetzt werden sollen, erläutert OMMT-Geschäftsführerin Uta Jenschke eine Vorgabe des Leihgebers. Deswegen gingen jetzt vier Bilder zurück in ihre belgische Heimat, drei neue sind in Tecklenburg angekommen.

Im Museum sind an den Fenstern UV-Strahlen absorbierende Jalousien angebracht worden, spezielle Museumslampen hängen an den Decken. Aber: „Auch das Museumslicht ist eine Form von UV-Bestrahlung“, weiß Uta Jenschke. Hinzu kommt die Luftfeuchtigkeit, die den ausgestellten Kunstwerken zusetzen kann. „Wir haben einen Entfeuchter im Keller“, berichtet die Geschäftsführerin von einer weiteren Maßnahme, um die Bilder zu schützen.

Eine Klimaanlage gibt es nicht im Museum. Doch selbst bei der Hitze der vergangenen Wochen sei es verhältnismäßig kühl geblieben. Die alten, dicken Mauern sorgen dafür. Wichtig sei eine konstante Temperatur, optimal liege sie bei 21 Grad Celsius, erläutert Uta Jenschke. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit würden regelmäßig aufgezeichnet.

Doch zurück zu den ausgetauschten Bildern. Ein auf Kunst spezialisierter Spediteur hat die drei neuen Werke im OMMT abgeliefert und sich mit den drei alten auf den Rückweg gemacht. Diese wurden zuvor auf mögliche Schäden untersucht – eine Aufgabe für die Restauratorin Anne-Sophie Hinnüber-Eysing. Sie erstellt ein Protokoll, das mit auf die Rückreise geht. Nun nimmt sie sich der großen Pakete an, die geliefert worden sind, entfernt vorsichtig die Folien und nimmt die Bilder genaue unter die Lupe. Auch hier wird alles in Protokollen festgehalten, unter anderem, ob die Kunstwerke beim Transport etwas abbekommen haben oder ob sie bereits ältere Schäden aufweisen.

Die Fachfrau hat etwas entdeckt: „Hier gibt es Ablagerungen, die haften von innen am Glas.“ Bei genauem Hinschauen ist das auch für den Laien zu sehen. Das Papier ist leicht gewellt, drückt sich an die Scheibe. „Das kann zu Schäden führen“, erklärt die Restauratorin.

Kein Schaden, sondern natürliche Auswirkungen sind die dunklen Ränder, die rund um das Motiv zu sehen sind – als wäre die Farbe verlaufen. Dass sich Farbränder bilden, gehört zu den Phänomenen, die von manchem Maler gewollt sind. „Es gibt Künstler, die denken nicht daran, wie ihr Bild in 100 Jahren aussieht“ erklärt Uta Jenschke. Bilder verändern sich. „Ölfarbe braucht teils über 100 Jahre, um durchzutrocknen.“

Eine andere Farbe ist wesentlich schneller trocken: die Wandfarbe. Denn werden Bilder abgehängt, hinterlassen sie einen dunklen Rahmen an der Wand. Und die Löcher der Dübel. Also muss vor jeder neuen Ausstellung einmal gestrichen werden. Auch solche Banalitäten sind es, an die in einem Museum gedacht werden muss.

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Das Otto Modersohn Museum, Markt 9, ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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