Tecklenburg

Di., 10.08.2010

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Erwartungen zu hoch gesteckt

Facettenreich und ausdrucksstark waren die Stimmen einiger Akteure. Schauspielerische Elemente traten in den Hintergrund.Foto: (Axel Engels)
Von Axel Engels

Tecklenburg - „Nabucco“ mit der „Schlesischen Staatsoper Bytom“ am Montagabend auf der Freilichtbühne Tecklenburg - solch ein Opernereignis der Extraklasse wollten sich natürlich sehr viele Liebhaber italienischer Gesangskunst nicht entgehen lassen. Seit ihrer Uraufführung hat diese Oper nichts an Lebendigkeit und Dramatik verloren, ist grandioses Opernspektakel und faszinierendes musikalisches Kunstwerk gleichermaßen.

Eingängige Melodien und eine sehr gute Orchestrierung haben „Nabucco“ quasi zur allseits beliebten „Volksoper“ gemacht. So kennt beinahe jeder den berühmten Chor der Gefangenen, auch wenn er nicht in der großen dramatischen Welt der Oper zu Hause ist.

Die „Schlesische Staatsoper“ gilt als eines der besten polnischen Opernhäuser, die Erwartungen an die Qualität der Inszenierung waren daher sehr hoch gesteckt. Auch die vom Veranstalter aus Freren auf seiner Homepage zitierten Auszüge aus Rezensionen machten neugierig auf diese Inszenierung. Aber bei Durchsicht der Besetzungsliste vermisste man die Namen der dort angepriesenen Gesangssolisten, auch der international renommierte musikalische Leiter und Dirigent Tadeusz Serafin ließ sich durch Andrzej Knap vertreten.

Vom eigentlich gewohnt hochwertigen Musizieren des in einem kleineren Zelt neben der Bühne untergebrachten Orchesters hörte man allerdings bei der Ouvertüre nicht den vollen Klang. Auch im weiteren Verlauf der Oper war diese Platzierung nicht glücklich gewählt. Immer wieder stimmten Einsätze von Chor und Solisten mit dem Spiel des Orchesters nicht überein.

Auch innerhalb des Ensembles hörte man deutliche Qualitätsunterschiede. Rafal Songan als Nabucco konnte seine stimmlichen Qualitäten nicht voll einbringen. Intonation und Textverständlichkeit der italienischen Originalsprache ließen zu wünschen übrig.

Die Sopranistin Hanna Fulara-Duda als Abigaille und die Mezzo-Sopranistin Iwona Norszcyk begeisterten mit ihren facettenreichen und ausdrucksstarken Stimmen. Auch die Partien des Ismaela und Zaccharias waren mit Maciej Komandera und Cezary Biesiadecki gut besetzt.

Beim Chor zeigten sich leichte Unsicherheiten, trotz der stimmlichen Größe und pathetischem Impetus. Das aufwendige Bühnenbild von Jan Bernas verfehlte nicht seine Wirkung, auch wenn die angemalten Pappmache-Reliefs etwas pompös konzipiert waren. Die Regie von Lech Hellwig-Górzynski setzte eher auf die Wirkung der farbenprächtigen Kostüme und reinen Gesangskunst der Sänger, schauspielerische Elemente traten sehr in den Hintergrund. Man „stand und sang“, wollte wohl nicht vom Inhalt der Partitur durch Bewegungselemente ablenken.

Mit diesem Werk hat Verdi dem Freiheitskampf der Israeliten im antiken Babylon eine zu Herzen gehende musikalische Umsetzung verschafft, die an diesem Abend ihre starke Wirkung zeigte. Die kraftvolle Melodik und der zündende Rhythmus rissen mit. „Va pensiero, sullali dorate“ - „Flieg Gedanke auf goldenen Schwingen“ - diese Strophen fesselten schon den jungen Verdi und inspirierten ihn zu seinem berühmten Gefangenenchor, der quasi als gewaltiges Fanal der italienischen Freiheitsbewegung erklang. Aber bei solch hohen Eintrittspreisen waren die Erwartungen nicht vollkommen erfüllt.


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