Lokalfest mit gelungener Bühnenpremiere
So., 22.01.2012
Landwirte feiern Lokalfest mit einer gelungenen Bühnenpremiere
Verbindlich werden die hübschen Nachbarinnen, als Roland von einem Dachziegel am Kopf verletzt wird und das Gedächtnis verliert.
Westerkappeln/Wersen -
Klug waren jene Zuschauer, die sich vor der Premiere noch mit Faltencreme eingedeckt hatten. Denn die dürften am Sonntagmorgen einige Lachfalten weniger gehabt haben als die anderen. Verantwortlich: die gelungene Premiere der Theatergruppe des Lokalvereins Westerkappeln-Wersen am Samstagabend in den voll besetzten „Ratsstuben“.
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Die Komödie „Zwei Narren ohne Käfig“ von Wilfried Reinehr spielte eher in jener Zeit, als die Landbevölkerung noch recht intolerant mit dem Thema „Homosexualität“ umging. Aber die Schauspieler interpretierten nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Uli Schwabe und Regisseurin Sonja Westermann ihre Rollen so wunderbar humorvoll, dass es ein großes Vergnügen war, sich auf das unbekümmerte Stück einzulassen.
Zum Geschehen: Während erwartungsvolle Blicke nach vorne auf die stilvolle Bühne gerichtet sind – eigentlich fehlt nur noch der röhrende Gobelinhirsch –, geht in den hinteren Reihen das Gelächter los. Gertrud Reimann (Karin Ewers) huscht Staub wedelnd in den Saal und befreit Zuschauer von Belägen. Auf der Bühne macht ein aufgeregter Roland Knutschke (Holger Schnepper) seinem bodenständigen Freund Ludwig Hartmann (Hendrik Stiegemeyer) ein unmoralisches Angebot: Wenn sie es schafften, das Magazin „Warmes Herz“ zu überzeugen, dass sie das harmonischste schwule Paar seien, wäre Roland mit dem Gewinn von 50 000 Euro auf einen Schlag seine Schulden los und würde sogar mit Ludwig teilen. Nach zähen Rhabarberschnapsverhandlungen zeigt sich Ludwig bereit mitzumachen und übt mit seinem Kumpel auf dem Sofa erste temperamentvolle Annäherungsversuche.
Dabei werden sie vom Bankdirektor und Vorstandsmitglied des MGV Wersen, Horst Holtz (Hartmut Meyer), erwischt. Die Freunde erfinden schnell eine lächerliche Ausrede für ihr Verhalten. Sie üben intensiv weiter, werden wieder erwischt, leider von der hübschen neuen Nachbarin Sieglinde Süssli (Katrin Birke), der Tratschtante Reimann, Kindergartenleiterin Karina Pulver (Helana Buis) und Rolands Schwester Jutta (Jana Klaßen). Die Kerle verstricken sich in hanebüchene Ausflüchte.
Ludwig weiß am Ende gar nicht mehr, ob er nun einfach Ludwig, der tolle Louis oder Lulluwiga ist. Karina küsst ihn spontan und kriegt einen Lachanfall, der nicht im Drehbuch steht. Das Publikum spürt, da passiert gerade etwas nicht Einstudiertes. Hendrik Stiegemeyer ist ganz verwirrt und vergisst den nächsten Satz, er improvisiert grinsend: „Ich bin noch ganz durcheinander.“ Die Zuschauer klatschen begeistert Beifall.
Die Freunde üben zähneknirschend weiter. „Dat wimmelt hier nur so von tollen Weibern, und ich bin jetzt gerade schwul“, ärgert sich Roland. Doch was hilft es! Sie kleiden sich auffällig neu ein, stylen das sonst struppige Haar bis zur Standfestigkeit und tragen Handtäschchen. Die Männerstimmen klingen nach sechs Absackern zwei Oktaven höher, gedehnter.
Nun erscheint Redakteur Lorenz Lorenzen (Janec Hofer) zur Kontrolle in der Knutschkestube. Ludwig bekennt sich zu Roland: „Schon im Sandkasten wusste ich, der ist es oder keiner!“ Doch Lorenzen nimmt ihm sein dilettantische Geschwafel nicht ab. Alles scheint aus zu sein, bis Roland von einem herabfallenden Ziegel am Kopf getroffen wird und sein Gedächtnis verliert…
Nach der tollen Premiere, die Rhabarberflasche ist jetzt alkoholfrei und liegt unterm Sofa, bedanken sich die Spaßmacher beim Publikum und laden zur anschließenden Disco ein. Hartmut Meyer: „Nehmen Sie bitte Ihre Stühle mit…!“ Die Gäste lachen noch einmal aus vollem Herzen, lassen die Stühle aber im Saal neben der freigemachten Tanzfläche stehen.
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