Neue Leiterin der Diakoniestation
Di., 24.01.2012
Melanie Iborg: Zeit für Zuwendung muss bleiben
Große Freude über kleine Gesten: Melanie Iborg zeigt hier einige wenige von vielen Weihnachtsgrüßen, die Patienten oder deren Angehörige zum Fest geschickt haben. „Man weiß dann, wofür man die Arbeit macht“, sagt die Leiterin der Diakoniestation.
Westerkappeln -
Melanie Iborg kramt in einem Karton unter ihrem Schreibtisch und holt einen dicken Stapel voller Weihnachtsgrüße hervor. „Wir haben noch viel mehr Karten gekriegt“, freut sie sich. „Man weiß in solchen Momenten, wofür man das macht“, sagt die 33-Jährige. Was sie tut ? Melanie Iborg ist Altenpflegerin. Seit Anfang Dezember leitet sie die Diakoniestation.
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Als Wilma Roderfeld Anfang 2011 nach 13 Jahren Leitung der Diakoniestation in den Ruhestand gegangen war, kam Kai Uthmann als Nachfolger. Doch der ging schneller als es alle erwartet hatten. Als „zweite Wahl“ sieht sich Melanie Iborg dennoch keineswegs. Sie hatte sich ja gar nicht auf die Leitung beworben, diese wurde ihr zugetragen.
Stefan Zimmermann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes (DW) Tecklenburg, fragte Melanie Iborg, ob sie sich vorstellen könnte, die Leitung zu übernehmen. Sie konnte.
Fachlich bringt sie eh alle Qualifikationen mit. Und – nicht weniger wichtig – auch menschlich stimmt es offenbar. „Wir haben hier ein ganz tolles Betriebsklima.“ Das klingt selbstverständlich. Besonders in Pflegeberufen ist es das aber nicht. Nicht selten gibt es infolge der hohen Arbeitsbelastung in Kliniken, Heimen und anderen Pflegeeinrichtungen Stress, Streit und Mobbing.
Mit ihren 33 Jahren hat Melanie Iborg beruflich schon Einiges erlebt. Dabei führt die Karriere sie nach der Mittleren Reife an der Realschule Westerkappeln nicht direkt in die Pflege. Zuerst macht sie eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau. „Das lag mir nicht so“, räumt sie ein.
Nach ihrer Prüfung besucht sie die Altenpflegeschule in Lengerich. Eines ihrer Praktika absolviert sie im Seniorenzentrum Metten, wo sie nach dem Examen bleibt. „Das war da wie in einer großen Familie“, erinnert sich die Westerkappelnerin mit einem Leuchten in den Augen. Schon damals macht sie eine Ausbildung zur Pflegedienstleitung. Dann kommt Ende 2004 überraschend die Pleite des privaten Altenheims in Metten. Melanie Iborg findet im Saerbecker „Haus am See“ einen neuen Arbeitsplatz, übernimmt dort sogar die Pflegedienstleitung. Doch aus persönlichen Gründen will sie weg, wechselt zum 1. April 2007 zur Diakoniestation Westerkappeln und reiht sich hier als normale Pflegekraft ein.
Doch Wilma Roderfeld bleiben Melanie Iborgs Fähigkeiten offensichtlich nicht verborgen. „Nach und nach habe ich mehr Leitungsaufgaben übernommen“, erzählt sie zu ihrem weiteren Werdegang.
Jetzt trägt sie die Verantwortung für über 200 pflegebedürftige Patienten in den Gemeinden Westerkappeln und Lotte, organisiert den Einsatz von 31 Voll- und Teilzeit-Mitarbeitern – darunter drei Männer – in der Pflege. Hinzu kommen Kräfte für die Hauswirtschaft und Betreuung. Deren Einsatzplanung läuft allerdings direkt über die DW-Zentrale in Tecklenburg.
Neben der Dienstplan- und Tourengestaltung gehören unter anderem auch das Qualitätsmanagement, Pflegevisiten oder Neuaufnahmen zu Melanie Iborgs Aufgaben. Wertvolle Unterstützung leistet seit vergangenem Jahr Kollege „Snap“. Das ist eine für die ambulante Pflege entwickelte Software, kombiniert mit mobilen Datenerfassungsgeräten (MDA). „Damit haben wir viele Informationen auf einen Blick“, betont die 33-Jährige. Laufe beispielsweise eine Verordnung für die häusliche Krankenpflege aus, werde dies sofort auf dem Display des MDA gemeldet.
Für die Organisation mag die moderne Technik eine Verbesserung sein, Menschen kann sie nicht ersetzen. Wenn Melanie Iborg beruflich bei einer guten Fee einen Wunsch frei hätte, so stünden mehr Bewerbungen ganz oben auf der Liste. „Wir könnten sofort Personal einstellen“, sagt die Leiterin der Diakoniestation. Der Pflegenotstand sei nicht wegzudiskutieren. Vor allem fehlten examinierte Kräfte. Dennoch gebe es keinen Aufnahmestopp für neue Patienten. „Jeder der Hilfe benötigt, bekommt sie.“
Das Schöne am Pflegeberuf sei, für die Menschen da zu sein. „Wenn Patienten sagen, dass sie schon auf uns gewartet haben, freut uns das sehr“, sagt Melanie Iborg. Trotz Arbeitsbelastung und Kostendruck, ein bisschen Zeit für Zuwendung bleibe noch. „Und das muss auch so sein.“
► Am Sonntag, 29. Januar, wird Melanie Iborg offiziell in ihr Amt eingeführt. Beginn ist um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche, anschließend ist ein Empfang im Haus Bonhoeffer.