Diskussion im Blauen Salon

Do., 02.02.2012

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Glaube und Naturwissenschaft

Diskussion im Blauen Salon : Glaube und Naturwissenschaft

Referent Olaf Burghardt (links) und Zaunkieker Franz Bekierz freuten sich über einen anregenden Abend mit vielen Gesprächsteilnehmern. Foto: Dietlind Ellerich

Westerkappeln - 

„Das war ein unheimlich interessanter Abend“, waren sich die meisten der 20 Frauen und Männer, die am Dienstagabend im Blauen Salon des katholischen Pfarrheims miteinander ins Gespräch kamen, einig. Die ökumenischen Zaunkieker hatten zur Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft eingeladen und waren ob der positiven Resonanz der Besucher wohl selbst ein wenig überrascht.

Von Dietlind Ellerich

„Sind Glaube und Naturwissenschaft Gegensätze oder ergänzen sie sich gar“, hatte Pastor Olaf Burghardt zu Beginn des Abends gefragt. Für ihn selber ist das Thema schon seit vielen Jahren aktuell, stand er doch seinerzeit vor der Entscheidung, Theologie oder Physik zu studieren. Und auch wenn er Pfarrer geworden sei, sei die Liebe zur Physik geblieben, betonte er. Entsprechend breit gefächert und fundiert ist Burghardts Wissens rund um die Frage, die er seinen Gästen stellte.

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Er erinnerte an den britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins, der in seinem Bestseller „Der Gotteswahn“ Religionen als Hirngespinste abtue, die davon abhielten Wissenschaft zu betreiben. Mit Dawkins provokanter Forderung, nüchtern zu werden, die Religion zu meiden und zur naturwissenschaftlichen Welterkenntnis umzukehren, wollten sich die Frauen und Männer am Dienstag ebenso wenig anfreunden wie mit der Vorstellung des Physikers Stephen Hawking, die Entstehung des Universums durch eine „Grand Unified Theory“ (auf Dt. Große Vereinheitlichte Theorie) zu erklären.

Burghardt erläuterte auch das antropische Prinzip. Es besage, dass das Universum genau so eingerichtet sei, dass es existieren könne. „Die Summe dieser Zufälligkeiten ist so groß, dass man einen Designer dahinter vermuten muss“, kommentierte ein Zuhörer diese Aussage.

Doch nicht nur in der Kosmologie gibt es Beispiele für Widersprüche zwischen Glaube oder Theologie einerseits und den Wissenschaften andererseits. Auch in der Neurologie und der Biologie findet Burghardt Ansätze für einen vermeintlichen Kollisionskurs von Wissenschaft und Glaube. Der amerikanische Physiologe Benjamin Libet kam nach Experimenten zu dem Schluss, dass der Mensch keinen freien Willen habe, weil vor seiner bewussten Entscheidung bereits sein Gehirn entscheide. Der Mensch als Sklave seines Gehirns? Libets forschte weiter und fand heraus, dass auch wenn das Gehirn entscheide, der Mensch die Chance habe, sich dagegen zu entscheiden.

Die Teilnehmer stellten sich den Fragen offen und diskutierten kontrovers über die verschiedenen Ansätze. Die Ausführungen des Theologen und Physikers John Polkinghorne, der die Wissenschaft und den Glauben als „verschiedene Blickwinkel auf die gleiche Wirklichkeit“ sieht, kamen der Ansicht der Frauen und Männer im Blauen Salon wohl am nächsten. Einig waren sich alle, dass der weitere Dialog zwischen den „Disziplinen“ notwendig sei.


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