Frische Kost in der Schulkantine

Mi., 22.02.2012

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Jetzt wird alles aufgegessen

Frische Kost in der Schulkantine : Jetzt wird alles aufgegessen

Alle Teller leer: Den Mädchen haben Kartoffeln, Rotkohl und Frikadellen sichtlich gut geschmeckt. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln - 

Durchs Küchenfenster zieht der leicht süßliche Duft von Rotkohl ins Freie, der – wenn er falsch zubereitet wird – auch schon mal ein unangenehmes Aroma entfalten kann. Agnes Krüer weiß, wie man das Gemüse richtig gart, damit es gut riecht und noch besser schmeckt. Die 53-Jährige kocht seit Kurzem für die Kinder in der Offenen Ganztagsgrundschule Handarpe. Und die verputzen den Kohl als gäbe es nie wieder welchen.

Von Frank Klausmeyer

Durchs Küchenfenster zieht der leicht süßliche Duft von Rotkohl ins Freie, der – wenn er falsch zubereitet wird – auch schon mal ein unangenehmes Aroma entfalten kann. Agnes Krüer weiß, wie man das Gemüse richtig gart, damit es gut riecht und noch besser schmeckt. Die 53-Jährige kocht seit Kurzem für die Kinder in der Offenen Ganztagsgrundschule Handarpe. Und die verputzen den Kohl als gäbe es nie wieder welchen.

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Da haben die Betreuungskräfte in Handarpe in der Vergangenheit auch schon andere Erfahrungen gemacht. Lange wurde das Mittagessen von Caterern aus der Umgebung angeliefert. „Damit waren wir nicht zufrieden“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Ströver. „Es war oft zu salzig, zu fettig und musste viel zu lange warm gehalten werden, weil es so früh kam. Da gehen die Vitamine verloren.“

Dreimal in der Woche kocht Agnes Krüer für 50 Kinder – die Lehrerinnen essen auch mal mit.

Dreimal in der Woche kocht Agnes Krüer für 50 Kinder – die Lehrerinnen essen auch mal mit.

Solche Labberkost, wie Ströver es nennt, wird offenbar in den meisten Schulkantinen aufgetischt. Der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Volker Peinelt von der Hochschule Niederhein hat kürzlich in der „Tagesschau“ die Ergebnisse einer Untersuchung von Schulküchen vorgestellt. 90 Prozent aller Bildungsanstalten fielen bei den von ihm gesetzten Qualitätskriterien durch.

In Handarpe weht jetzt ein frischer Wind. Caterer bleiben außen vor. Alles wird selbst gekocht: Montags, mittwochs und freitags steht Agnes Krüer am Herd, dienstags und donnerstags kümmern sich Ulrike Ströver und Annemarie Focke vom Betreuungsteam ums leibliche Wohl ihrer Schützlinge; die eine bereitet das Essen vor, die andere rührt in den Töpfen. Das haben die beiden schon lange gemacht, aber eben nicht täglich.

Mit Agnes Krüer klappt das nun. „Die wurde uns empfohlen“, sagt Ströver schmunzelnd, wie es zu dieser Stellenbesetzung kam. Die Laggenbeckerin hat das Kochen von der Pike auf bei der Bismarckhöhe in Tecklenburg gelernt, eine durchaus renommierte Adresse. Später arbeitete sie bei der Familie Brenningmeier. Nach langjähriger Elternzeit kochte sie zuletzt in der AWO-Kita in Mettingen.

Dass die 53-Jährige ihr Handwerk versteht, sieht jeder. Gestern gab`s Frikadellen mit Rotkohl und Salzkartoffeln. Agnes Krüer kommt um 11 Uhr, um 12.30 Uhr steht das Essen für die erste Hälfte von 50 Kindern, die zum Mittagessen bleiben, auf dem Tisch.

Dazwischen hat die Köchin kiloweise Kartoffeln geschält, Hackfleisch gewürzt, geknetet und zu kleinen Bällchen geformt und natürlich den Kohl geputzt, gehackt und gegart. Und während die einen noch futtern, bereitet sie mit Ruhe und Gelassenheit das Essen für die zweite „Rutsche“ vor.

„Bei mir gibt es Hausmannskost und ein bisschen mehr“, meint die Laggenbeckerin fröhlich. Ein bisschen mehr war beispielsweise vor 14 Tagen, als in Handarpe „Schwedische Woche“ war. Von Grüner Suppe über traditionelle Köttbullar in Rahmsoße bis hin zu Rote-Beete-Salat mit Fisch reichte das schmackhafte Angebot. Und den Kindern habe alles gut geschmeckt, versichert Ströver.

Worauf das Küchenteam besonders achtet, ist die Qualität der Produkte: Frisch und aus der Region sollen sie sein. Kartoffeln und Rindfleisch wird bei einem Westerkappelner Biobauern eingekauft, Biogemüse auf dem Wochenmarkt in Ibbenbüren. Die Brühe kommt aus dem Reformhaus, Geschmacksverstärker sind tabu. Agnes Krüer hat schon Rotkohl aus dem heimischen Garten oder Ulrike Ströver Äpfel vom eigenen Baum mitgebracht.

„Ich mus auch schon mal etwas Neues ausprobieren“, verrät Krüer. Am kommenden Montag sind es „Ökodellen“, wie die stellvertretende Schulleiterin Getreidebratlinge bezeichnet.

Spaghetti, Pizza oder Pommes sind mitnichten von der Speisekarte gestrichen. „Das darf auch mal sein“, sagt Ströver. „Die Pommes machen wir dann aber selbst aus Biokartoffeln.“

Gutes Essen muss nicht teuer sein: 2,60 Euro zahlen die Eltern pro Kind und Mahlzeit. „Das ist nicht mehr als wir für den Caterer bezahlt haben“, betont Ströver.


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