Interview

Mi., 22.02.2012

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Caritasverband begrüßt Pläne zum Ausbau der ambulanten Betreuung von Demenz-Patienten

Interview : Caritasverband begrüßt Pläne zum Ausbau der ambulanten Betreuung von Demenz-Patienten

Eva Niemann (l.), Altenpflegerin und Leiterin der Betreuungsgruppen, und Marita Tegelmann, Leiterin der Ambulanten Pflegedienste des Caritasverbandes Tecklenburger Land, wissen: Die derzeitigen finanziellen Mittel zur ambulanten Betreuung von Patienten mit sogenannter eingeschränkter Alltagskompetenz sind schnell ausgeschöpft. Sie sind der Meinung: „Angehörige brauchen mehr Unterstützung.“ Foto: Vera Konermann

Westerkappeln/Tecklenburger Land - 

Die Politik möchte mehr Geld für die ambulante Betreuung von Demenz-Patienten ausgeben. Noch müssen Betroffene allerdings auf die konkrete Ausgestaltung des Gesetzestextes warten. Im Gespräch mit Marita Tegelmann, Leiterin der Ambulanten Dienste des Caritasverbandes Tecklenburger Land, zu dem auch Westerkappeln gehört, und Eva Niemann, Altenpflegerin und Leiterin der Caritas-Betreuungsgruppen für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, erfuhr unsere Mitarbeiterin Vera Konermann, wie es derzeit um die ambulante Pflege von Demenzkranken bestellt ist.


Inwieweit nimmt der Gesetzgeber heute bei der Einordnung in die Pflegestufen Rücksicht auf Beeinträchtigungen aufgrund von Demenz? Stehen nicht körperliche Einschränkungen im Mittelpunkt ?

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Tegelmann: Demenz wird insofern berücksichtigt, soweit es um Anleitung und Beaufsichtigung geht. Da haben die Gutachter einen gewissen Spielraum. Derzeit gibt es außerdem – unabhängig von der Pflegestufe – ergänzende Leistungen bei erheblichem Betreuungsbedarf. Dabei geht es nicht nur um Demenz-Patienten, sondern um Personen mit sogenannter eingeschränkter Alltagskompetenz. Gezahlt werden derzeit 100 oder 200 Euro im Monat.

Vor welchen Herausforderungen stehen Angehörige von Demenz-Patienten ?

Tegelmann: Zu Anfang ist es dieses grenzenlose Alleinsein. Sie stehen vor etwas, worüber in der Öffentlichkeit wenig Wissen vorherrscht. Es gibt ganz viele Ängste bei Angehörigen und Patienten. Im weiteren Verlauf ändern sich die Ängste. Es kommen Fragen auf: Wie gehe ich mit jemandem um, der dement ist. Es gibt die unterschiedlichsten Verhaltensmuster. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen.

Niemann: Es gibt unterschiedliche Arten von Demenz, zum Beispiel Menschen, die völlig klar ´rüberkommen`, aber dement sind. Daran verzweifeln Angehörige, wenn ihnen niemand glaubt. Sie erreichen dann auch bei anderen Institutionen wenig, zum Beispiel bei Ärzten.

Welche Angebote macht der Caritasverband in der ambulanten Betreuung von Demenz-Patienten?

Niemann: Für Patienten gibt es zum Beispiel unsere beiden Betreuungsgruppen „Insel der Sinne“. Sie treffen sich jeweils zwei Mal im Monat in Recke und Hörstel für drei Stunden.

Tegelmann: Dazu kommt eine stundenweise 1:1-Betreuung, in der – je nachdem, welche Person wir vorfinden – etwas unternommen wird: biografische Arbeit, Spaziergänge, Kino. An Betreuungsleistungen haben wir gut 5.000 Stunden im vergangenen Jahr 2011 gewährt. Das würden wir gerne noch weiter ausbauen, vor allem die Betreuungsgruppen.

Inwieweit entlasten Sie Angehörige?

Tegelmann: Da können wir uns die Angebote von der anderen Seite anschauen. Zum Beispiel die Betreuungsleistungen. Da können Angehörige einmal etwas für sich machen. Ich würde mir wünschen, dass Angehörige das mehr in Anspruch nehmen. Aber der Betrag ist gedeckelt: Wir haben nur 100 oder 200 Euro im Monat.

Niemann: Das reicht aber nicht. Eine Betroffene möchte zum Beispiel in die Betreuungsgruppe oder zur Entlastung der Angehörigen auch einmal in die Tagespflege. Der Betrag ist schnell aufgebraucht. Vor allem am Jahresende wird es ganz eng.

Wo ist Handlungsbedarf?

Tegelmann: Zum einen, dass der Betrag für die Betreuungsleistungen angehoben wird. Zum anderen in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel, dass Demenz als Krankheit anerkannt wird, dass Mitarbeiter öffentlicher Stellen mehr Schulungen erhalten: Zum Beispiel in Banken: An Demenz Erkrankte verlieren einfach den Überblick über ihre finanzielle Situation und gehen unter Umständen drei Mal am Tag zur Bank oder glauben, jemand habe ihr Geld genommen. Wir wünschen uns, dass alle Formen von demenzieller Erkrankung öffentlich anerkannt werden.


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