Mo., 17.09.2012

Vis-a-Vis auf dem Kulturhof Westerbeck Junge Generation spielt groß auf

Vis-a-Vis auf dem Kulturhof Westerbeck : Junge Generation spielt groß auf

Einen so ebenbürtigen wie temperamentvollen musikalischen Dialog pflegen Martin Albrecht (von links), Robert Herrmann und Michael Dolak vom Ensemble „Vis-a-Vis“ miteinander. Foto: Ulrike Havermeyer

Westerkappeln - 

Klarinettist Martin Albrecht wirkt wie ein Galopper vor dem Start – überschäumend vor Energie hält er sein Temperament nur mit Mühe im Zaum. Neben ihm lächelt Pianist Robert Herrmann mit geradezu diabolischer Gelassenheit, die allenfalls andeutet, zu welch verwegener musikalischer Impulsivität sein inneres Gleichgewicht fähig ist.

Von Ulrike Havermeyer

Und noch verharren auch Michael Dolak und sein Bandoneon, die doch eigentlich viel lieber ihrer geballten emotionalen Ausdruckskraft freien Lauf lassen würden. Aber noch ist es leise im Kulturhof Westerbeck. Noch begrüßt Professor Raimund Beckmann vor ausverkauftem Hause seine Gäste und findet lobende Worte für das hochkarätige Ensemble Vis-a-Vis aus Leipzig.

Aber dann endlich dürfen die drei Freunde – ohne ihre Sängerin Jane Maturell, die ein paar Wochen früher als erwartet Mutter geworden ist – loslegen und das tun, was sie am liebsten machen: Sich mit grandioser Spielfreude auf ihr musikalisches Gegenüber einlassen und sich gemeinsam in den unberechenbaren und lustvollen Gefilden zwischen Jazz und Klezmer, zwischen Tradition und Avantgarde, austoben. „Wir wollen die Klischees von E und U, von sogenannter ernsthafter und unterhaltender Musik, nicht bedienen“, erläutert Martin Albrecht, der einen Teil seiner Ausbildung an der Universität sowie am Konservatorium in Osnabrück absolviert hat. „Als Musiker der jungen Generation wollen wir zeigen, dass beide Stilrichtungen sehr wohl zusammen passen und unserem Publikum einen spannungsreichen Abend bieten.“

Robert Herrmann am Klavier entpuppt sich schnell als meisterhafter Kulissenbauer – er erschafft mit seinem Spiel weite, in strahlender Klarheit vibrierende Räume, die er in satten Klangfarben ausgestaltet. Michael Dolak nimmt diese Atmosphäre auf und versteht es trefflich, der so vorbereiteten Szenerie mit den schwermütigen Tönen seines Bandoneons eine ebenso dramatische wie präzise Spannung zu verleihen. Und dann betritt die Klarinette die Bühne. Jauchzend und kichernd, klagend, schimpfend, brüllend und säuselnd lässt Martin Albrecht sein Instrument den Faden der Erzählung in extrovertierter Ausgelassenheit aufnehmen und die Geschichte zu einem mal heiteren, mal melancholischen, mal effektvoll pointierten Ende bringen. Dass Trotz des kraftstrotzenden Selbstbewusstseins der Klarinette auch die anderen Instrumente nicht in den Hintergrund gedrängt werden, sondern den ebenbürtigen Dialog stets aufrecht zu erhalten vermögen, spricht für die Klasse der ausgebildeten Solisten: Jeder einzelne von ihnen hätte diesen Abend wohl auch alleine bestreiten können. Zu dritt aber ist es allemal unterhaltsamer. Da ist sich das von der dynamischen Virtuosität der Künstler sichtlich begeisterte Publikum an diesem Abend einig.

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