Do., 27.02.2014

Statistisches Landesamt legt Zahlen zu Religionszugehörigkeit vor Überraschendes Bekenntnis

Münsterland - 

Jedes elfte Kind (9,13 Prozent) an den allgemeinbildenden Schulen im Münsterland gehörte im Schuljahr 2012/13 keiner Religion mehr an. Im katholischen Münster wurden sogar laut einer Statistik deutlich mehr Kinder ohne Konfession als im Landesdurchschnitt registriert.

Von Stefan Werding

Jedes elfte Kind (9,13 Prozent) an den allgemeinbildenden Schulen im Münsterland gehörte im Schuljahr 2012/2013 keiner Religion mehr an. Das geht aus einer Statistik des statistischen Landesamts „Information und Technik“ hervor.►

► Am katholischsten sind im Münsterland die Gemeinden Heek mit 84,6 und Rosendahl mit 84,3 Prozent.

► Evangelische Hochburgen sind Lienen mit 60,2 und Ladbergen mit 58,2 Prozent. Peter Wittkampf aus der Geographischen Kommission für Westfalen stellt fest, dass in klassischen Hochburgen die traditionell dominierenden Konfessionen deutlich an Grundschüler-Quoten verlieren. „Dort aber, wo es bisher weder eine klare katholische noch eine evangelische Dominanz gab, sind die Entwicklungen meist ausgeglichener“, meint er.

In Bocholt etwa ist die Zahl der katholischen Schüler von 76,9 Prozent 2002/03 auf 69,9 zehn Jahre später gesunken, in Borken von 76,2 auf 70,9, im evangelischen Lengerich von 60,5 auf 51,4.►

► Überraschung: 15 Prozent der Schüler im katholischen Münster sind konfessionslos. Das sind 1,6 Prozentpunkte mehr als landesweit.

► Außergewöhnlich ist im Münsterland die Entwicklung in Lengerich : Dort gehen inzwischen mehr islamische Schüler zur Hauptschule als evangelische oder katholische. An der Grundschule ist die Zahl der evangelischen Schüler zwar mit 405 mit Abstand am größten, aber dahinter ist die nächst­größte Gruppe die der islamischen Kinder (160), gefolgt von den konfessionslosen (119) und erst dann den katholischen (114).

An den Realschulen und Gymnasien ist der Anteil der islamischen Kinder dagegen weiter gering: 15,97 und 9,57 Prozent. Grund für den hohen Anteil an muslimischen Kindern sind große Unternehmen vor Ort, die in den 60er und 70er Jahren viele Gastarbeiter angezogen haben.►

► In Ahlen gehören von den 2235 Grundschülern 698 (31,2 Prozent) dem islamischen Glauben an, hinter 818 (36,6 Prozent) katholischen. An den Realschulen dort ist der Anteil der islamischen Schüler sogar am größten (37,1 Prozent), an den Gymnasien dagegen sehr klein: 16,35 Prozent.►

► Auffällig ist in Ostwestfalen der hohe Anteil der Menschen mit sonstigen Konfessionen (8). In Bielefeld etwa oder in Augustdorf liegt deren Quote sogar bei bis zu 14 Prozent. In Bielefeld hängt das zusammen mit den relativ vielen Bewohnern, die als Spätaussiedler aus Russland nach Bielefeld gezogen sind. Viele von ihnen sind Mennoniten.

In Augustdorf, einem Bundeswehrstandort (Motto: „Lieber Oberst in Augustdorf als August in Oberstdorf“) nahe Detmold standen 1987 rund 100 Wohnungen leer, die für Soldaten gebaut worden waren – genau zu dem Zeitpunkt, als Deutschland Not hatte, Spätaussiedler unterzubringen.

In Kombination mit vielen ehemaligen Bewohnern der Sowjetunion, die dort schon lebten, kam es zu einem starken Zuzug exotischer Konfessionen. Heute gibt es in der Stadt mit annähernd 10 000 Einwohnern und niedrigstem Durchschnittsalter in NRW (37 Jahre) neun Kirchengemeinden und eine Moscheegemeinde.

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