Sa., 05.04.2014

Namibische Diplomatin zu Besuch im Rathaus Khorixas und Westerkappeln wollen Partnerschaft auf Augenhöhe

Diplomatenbesuch: Helena Eiseb, 1. Sekretärin der Botschaft Namibias, war zu Besuch im Westerkappelner Rathaus. Mit (von links) Carola Dopp, Pastor Reinhold Hemker, Pfarrer Olaf Maeder und Bürgermeister Ullrich Hockenbrink lotete sie Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Khorixas und Westerkappeln aus.

Diplomatenbesuch: Helena Eiseb, 1. Sekretärin der Botschaft Namibias, war zu Besuch im Westerkappelner Rathaus. Mit (von links) Carola Dopp, Pastor Reinhold Hemker, Pfarrer Olaf Maeder und Bürgermeister Ullrich Hockenbrink lotete sie Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Khorixas und Westerkappeln aus. Foto: Araann Christoph

westerkappeln - 

Zwar ist Khorixas in Namibia noch nicht offiziell Partnerkommune von Westerkappeln. Eines stellt Helena Eiseb aber von vornherein klar: Die Beziehung zwischen den beiden Gemeinden soll sich auf Augenhöhe bewegen, sagt die 1. Botschaftssekretärin des südafrikanischen Landes bei einem Besuch im Rathaus.

Von Araann Christoph

Zwar ist Khorixas in Namibia noch nicht offiziell Partnerkommune von Westerkappeln . Eines stellt Helena Eiseb aber von vornherein klar: Die Beziehung zwischen den beiden Gemeinden soll sich auf Augenhöhe bewegen, sagt die 1. Botschaftssekretärin des südafrikanischen Landes bei einem Treffen mit Bürgermeister Ullrich Hockenbrink , Hauptamtsleiterin Carola Dopp und Pfarrer Olaf Maeder im Rathaus .

„Wichtig ist, den Leuten zu vermitteln, dass es keine einseitige Verbindung ist. Also nur Geldspenden und das war es damit. Genau das wollen wir nicht“, sagt Pfarrer Reinhold Hemker, der die Diplomatin begleitet.

Die Partnerschaft müsse auf Gegenseitigkeit beruhen und auf eine Zukunft hinarbeiten, in der Namibier und Deutsche freundschaftliche Beziehungen auf mehreren Ebenen pflegen, sagt Eiseb. Beide Seiten müssten sich für die Zusammenarbeit öffnen, um von dem Austausch von Ideen und Erfahrungen profitieren zu können. Denn Westerkappeln als Partnergemeinde einer Kommune in einem Entwicklungsland habe keinesfalls die Position eines Schutzherren oder Geldgebers inne, stellt Hemker klar.

Bereits jetzt gibt es eine Partnerschaft zwischen Khorixas und der Westfälischen-Wilhelm-Universität (WWU), wo Hemker Lehrbeauftragter ist. Regelmäßig fliegen Studenten nach Namibia, um dort in der Gemeinde mitzuhelfen. So gibt es etwa ein Gartenprojekt, an dem sich Namibier und Deutsche beteiligen. Ein Teil der Ernte aus der internationalen Zusammenarbeit im Garten wird auf dem Markt angeboten. Ein weiterer Teil geht an die lokale Suppenküche des Roten Kreuzes. Ferner bereiten ältere Frauen aus der Gemeinde aus dem Obst und Gemüse Mahlzeiten für die Grundschule. Wichtig sei es, die Namibier auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen, betont Hemker.

Schon seit über 30 Jahren pflegt der Evangelische Kirchenkreis Tecklenburger Land Beziehungen nach Khorixas. Mit der Städtepartnerschaft sollen diese Beziehungen gestärkt und erweitert werden.

„Es wird geplant, in ein bis zwei Jahren eine Fahrt der Velper Jugendband nach Namibia zu organisieren. Nach Möglichkeit soll es auch einen Rückbesuch geben“, erzählt Pfarrer Olaf Maeder. Im vergangenen Jahr war – wie berichtet – der Westerkappelner Posaunenchor in Khorixas.

Doch auch hier in Deutschland bieten sich viele Möglichkeiten, die Beziehung zwischen den Gemeinden weiter zu festigen. So plant die hiesige Realschule etwa einen Sponsorenlauf, um Jugendprojekte in Khorixas zu unterstützen. Oder beispielsweise soll der Unterricht an der Realschule von namibischen Lehrern und Musikern mitgestaltet werden, wenn diese zu Besuch sind. „Es ist wichtig, das etwas verquere Afrikabild der Jugendlichen zu korrigieren. Aus dem Unterricht und den Medien kennen sie oftmals nur die Armut. Dabei ist Namibia so viel mehr“, sagt Maeder. Ansonsten sei es besonders für Jugendliche einfach, Kontakte zu knüpfen. „Musik ist einfach ein besonderes Medium, dass die emotionale Begegnung unterstützt. Mit Musik haben alle gleich eine gemeinsame Basis“, erklärt Maeder.

Die Gemeinde hat beim Land NRW Zuschüsse für das Partnerschaftsprojekt beantragt. Sobald der Bewilligungsbescheid da ist, soll die Projektarbeit weiter angeschoben werden. Eine Fördersumme von 30 000 Euro wird erwartet. Zehn Prozent davon müssen von der Gemeinde aufgebracht werden, was auch in Form von Spenden passieren kann.

Mit dem Geld sollen neue Gärten angelegt und dazugehöriges Werkzeug und Geräte angeschafft werden, um die Selbstversorgung auszubauen. Darüber hinaus sind Projekte wie der Bau von Sportplätzen geplant sowie eines Internetcafés und einer Fahrradwerkstatt. Ein Jugendzentrum soll der hohen Zahl an jugendlichen Arbeitslosen Perspektiven bieten. „Das Potenzial, eine großartige Beziehung aufzubauen, ist groß“, meint Helena Eiseb. Wichtig sei es aber, dass sie nicht durch Politik geprägt wird.

Bei all dem Austausch von Ideen und Erfahrungen mag es ja vielleicht interessieren, was Deutsche von der namibischen Mentalität lernen könnten. „Zu den besonders guten Eigenschaften der Namibier gehören Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Flexibilität“, sagt die Diplomatin. Ihre Landleute sähen in der Verschiedenartigkeit der Menschen eine Stärke und trotz der elf unterschiedlichen Sprachen mit noch mehr Dialekten, die in dem Land gesprochen werden, besäßen die Namibier einen sehr ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft und Solidarität. „Das könnten die Deutschen von ihnen lernen“, meint Eiseb.

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