Mi., 26.11.2014

Städtepartnerschaft mit Khorixas Interkultureller Austausch ist das Ziel

Westerkappeln - 

Bis jetzt hat die kommunale Entwicklungszusammenarbeit mit Khorixas in Namibia noch einen ziemlich akademischen Charakter. Das soll sich ändern: Reinhold Hemker möchte auch Vereine für die Städtepartnerschaft mit ins Boot holen.

Von Frank Klausmeyer

Dr. Reinhold Hemker ist Pfarrer von Beruf. Um die Partnerschaft mit Khorixas in Namibia für die Westerkappelner Bevölkerung zu einer Herzensangelegenheit zu machen, wird er wohl noch viel predigen müssen. Denn bis jetzt hat diese kommunale Entwicklungszusammenarbeit nur einen ziemlich akademischen Charakter.

Zwischen Westerkappeln und Khorixas liegen rund 9000 Kilometer Luftlinie – und Welten, was die Lebensbedingungen betrifft. Auf dem Papier ist die Partnerschaft schon besiegelt. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer hat Ende September – wie berichtet – eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Die Unterschrift der Gegenseite fehlt allerdings noch, was formale Gründe habe, wie Hemker am Dienstagabend im Kulturausschuss zum Sachstand berichtete.

Während in Westerkappeln so eine Partnerschaft der kommunalen Selbstverwaltung obliege, müsse in Namibia noch die Regierung zustimmen. Erst dann dürfe die Bürgermeisterin von Khorixas den Vertrag unterschreiben.

Der hiesige Gemeinderat hatte im April der Entwicklungszusammenarbeit unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass es Fördermittel gibt. Die sind mittlerweile vom Land NRW über die gemeinnützige „Engagement Global GmbH“ bewilligt. Knapp 30 000 Euro stehen für den Aktionsplan „Khorixas Socaial Network“ zur Verfügung; angefangen von Geräten für eine nachhaltige Gartenbewirtschaftung über die Gestaltung von Spiel- und Sportflächen und der Einrichtung eines Service-Zentrums mit Werkstatt und Verkaufsladen bis hin zur Anschaffung eines Transporters. Die Projekte sollen bereits im ersten Quartal 2015 umgesetzt werden.

Und was hat Westerkappeln damit zu tun ? Erst einmal nichts, außer dass die Gemeinde ihren guten Namen hergibt und sich als eine Art organisatorische Klammer zwischen Geldgeber und Empfänger in Südafrika zur Verfügung stellt.

Hemker hofft aber, dass auf diesem Fundament langfristig eine richtige Städtepartnerschaft wächst. „Man muss schauen, wie die Gemeinden enger miteinander in Kontakt treten könnten.“ Der Ex-Bundestagsabgeordnete denkt an einen regelmäßigen Austausch der Sportvereine oder auch der Schützenvereine. Namibia sei ehemalige deutsche Kolonie. „Da gibt es sogar Karnevalsvereine“, sagt der Pastor aus Rheine. „So ein interkultureller Austausch ist wichtig. Es geht nicht nur um materielle Hilfe.“

Aber auch. Dabei müsse die deutsche Seite Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. „Das geht nur über Bildung“, betont Annette Salomo. Sie ist Vorsitzende des Komitees für die seit über 30 Jahren bestehende Partnerschaft der evangelischen Kirchenkreise Tecklenburg und Otjewarongo in Namibia. Zum Letztgenannten gehört die Gemeinde Khorixas. „Wir dürfen unsere Maßstäbe den Menschen dort nicht einfach überstülpen“, wirbt Salomo um eine Partnerschaft auf Augenhöhe. „Die Leute dort können auch uns ganz viel vermitteln.“

2013 war sie mit Superintendent André Ost in Namibia. Zeitgleich besuchten Posaunenchor-Bläser aus Westerkappeln und anderen Orten des Kirchenkreises mit Kreiskantor Martin Ufermann an der Spitze das Land und Khorixas. Solche Begegnungen sähen Hemker und Salomo gerne häufiger. „Wenn Westerkappelner dorthin gehen, werden sie auch immer Botschafter der Kirche sein – ob sie das wollen oder nicht“, gibt Anette Salomo jedoch zu bedenken. Die Menschen in Namibia seien sehr religiös.

Grit Winkler (CDU) ermunterte die beiden Gäste mit ihrer Präsentation in Schulen, Vereine und andere Einrichtungen zu gehen. Dort würden vielleicht Ideen entwickelt, wie die Partnerschaft vertieft werden könne.

Nächstes Jahr will die Westerkappelner Jugendband „Confession“ nach Namibia fliegen. Und Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer denkt auch über einen „Staats“-Besuch nach. „Mal gucken, ob das passt.“

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