Fr., 29.05.2015

Straßenkunde Westfälische Innenansichten von Annette von Droste-Hülshoff

Die Wasserburg Haus Hülshoff bei Havixbeck ist die Geburtsstätte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.

Die Wasserburg Haus Hülshoff bei Havixbeck ist die Geburtsstätte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Foto: dpa

Westerkappeln - 

„Oh, schaurig ist’s über’s Moor zu gehn!“ – Nicht von Fontane stammt diese Zeile, sondern vielmehr aus der Feder Annettes von Droste-Hülshoff, die auch einem Weg in der Siedlung „Timpenland“ ihren Namen verlieh.

Von Astrid Springer

Genau heißt sie Anna Elisabeth Franzisca Adolphine Wilhelmine Louise Maria Freiin von Droste zu Hülshoff. Es ist der Auftakt zu einem ihrer vielen naturverbundenen Gedichte.

Ein Zeitgenosse war Fontane aber wohl, genauso wie Heine oder Spitzweg. Die Dame adeliger Herkunft wurde im Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Havixbeck geboren. Von der Mutter früh gefördert, verfasste sie in ihrem Leben mehrere Gedichtbände sowie Prosa und auch einige Musikstücke.

Die Münsterländerin hatte dabei vor allem das Urwestfälische im Visier, sie analysierte es – im landschaftlichen wie menschlichen Sinne. Ihre Lyrik zeichnet sich dabei durch eine scharfe Beobachtungsgabe und auffallend detaillierte Naturbeschreibungen aus.

Auch gesellschaftliche Zwischentöne sowie die Psyche ihrer Charaktere brachte Droste geschickt auf den Punkt; dabei ist ihren Arbeiten bisweilen auch der persönliche Widerstreit mit ihrer begrenzten Rolle als adelige Frau anzumerken.

Die bekannteste Milieustudie über das Leben im Westfälischen gelingt ihr mit dem Roman „Die Judenbuche“. Ihr Untertitel: „Ein Sittengemälde aus dem gebirgigen Westfalen “. Die Hauptfigur Mergel wächst in Armut und unter widrigen Umständen auf. Dabei gerät Mergel in vielerlei Hinsicht unter Druck, passt sich nach und nach der verbreiteten Unmoral seines dörflichen Umfeldes an. Vielschichtig erzählt Droste-Hülshoff die Wandlung des Charakters bis zu einem vertuschten Mord.

Der historische Kontext war im 19. Jahrhundert schwierig für die schreibende Zunft: Das Volk wollte einen gesellschaftlichen Umbau, Stände und Fürsten ihren Status aber keinesfalls gefährden. Letztgenannte bekämpften den Wunsch nach Erneuerung durch eine breit angelegte Zensur.

Viele Autoren griffen auf unpolitische Inhalte zurück, man kreiste im Biedermeierstil um die kleine Existenz. Überzeugte Freigeister hingegen liefen Gefahr, im Gefängnis zu landen. Sie flüchteten meist ins Exil, so auch Heinrich Heine, der 1845 mit seinem Gedicht über das Elend der schlesischen Weber kein Blatt vor den Mund nahm.

Droste-Hülhoff blieb in ihren Arbeiten vor allem symbolisch, sie orientierte sich wenig am Zeitgeist oder politischen Strömungen, vielmehr folgte sie ihrem dichterischen Selbstverständnis: „Ich will nicht jetzt berühmt werden, aber in hundert Jahren möcht ich gelesen werden.“

Und das hat sie bekanntermaßen geschafft. Hilfreich war dabei nicht zuletzt ihre adelige Herkunft und die Angehörigkeit zur katholischen Kirche , was ihr beim Kulturkampf der 1870ger Jahre Beachtung einbrachte.

Das allerdings erlebte Droste-Hülshoff nicht mehr, sie verstarb am 24. Mai 1848 in Meersburg am Bodensee. Alle zwei Jahre wird in Westfalen der Droste-Hülshoff-Preis verliehen, auch als „Westfälischer Literaturpreis“ bezeichnet. Die Stadt Meersburg lobt alle drei Jahre den Droste-Preis auf den Meersburger Droste-Literaturtagen aus.

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