Fr., 10.06.2016

Junge Leute aus Westerkappeln wollen in Namibia Entwicklungshilfe leisten Friedensdienst statt Urlaub

Zum „Konkreten Friedensdienst“ in Namibia werden (von links) Niklas Schulte, Kim Schröder und Lina Stalljohann am 31. Juli fliegen.

Zum „Konkreten Friedensdienst“ in Namibia werden (von links) Niklas Schulte, Kim Schröder und Lina Stalljohann am 31. Juli fliegen. Dort wollen sie in einem Waisenhaus und Internat für Kinder vom Land arbeiten.

Westerkappeln - 

Das wird kein Urlaub. Das ist Entwicklungsdienst oder „Gelebte Partnerschaft“, wie es auf dem kleinen Flyer heißt, den Kim Schröder, Lina Stalljohann und Niklas Schulte in der Gemeinde verteilen. Am 31. Juli steigen sie gemeinsam in Frankfurt in den Flieger Richtung Afrika. Einige Wochen werden sie in Otjiwarongo in Namibia im „Sion Hostel“ Kinder betreuen und den Hof pflastern.

Von Frank Klausmeyer

Das Trio engagiert sich im Rahmen des „Konkreten Friedensdienstes “. Dabei handelt es sich um ein entwicklungspolitisches Programm des Landes NRW, das sich an Schulabgänger und junge Berufstätige richtet und wie maßgeschneidert für die drei Westerkappelner wirkt. „Wir wollen helfen, wo Hilfe nötig ist“, sagt Kim Schröder (18), die gerade wie Lina Stalljohann (19) ihr Abitur am Kepler-Gymnasium in Ibbenbüren gemacht hat.

Kim kennt das Hostel schon. Vergangenes Jahr war sie mit der Westerkappelner Kirchenband „Confession“ dort. Niklas Schulte (24), Beamter in der Westerkappelner Gemeindeverwaltung, hat die Einrichtung vor drei Jahren bei der Konzertreise des Projektposaunenchores „Brass für Partnership“ durch Namibia besucht. Nur Lina ist noch nie in Namibia gewesen.

Otjiwarongo

Otjiwarongo liegt rund 250 Kilometer nördlich der namibischen Hauptstadt Windhoek. Die Stadt ist Hauptstadt der Region Otjozondjupa und Zentrum eines landwirtschaftlich geprägten Umlandes. 28 000 Einwohner leben dort. Seit 1979 gibt es eine Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg und dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Otjiwarongo. Dazu zählen neun Gemeinden, die geprägt sind durch große Armut und hohe Arbeitslosigkeit.( Quellen: Kirchenkreis Tecklenburg, wikipedia.org )

Während man in der nördlichen Hemisphäre unter einem Hostel eine preisgünstige Herberge versteht, handelte es sich jenseits des Äquators ursprünglich um Unterkünfte für schwarze Wanderarbeiter während der Apartheid in Südafrika. Das „Sion Hostel“ ist eine Mischung aus Waisenhaus und Internat für Kinder vom Land, die ohne diese Bleibe keine Möglichkeit hätten eine Schule zu besuchen.

Derzeit leben dort über 100 Schulkinder und 45 Waisen. Sie schlafen in großen Sälen und erhalten vier Mahlzeiten am Tag – in der Regel einen einfachen Maisbrei, „Millipapp“ genannt. „Wir wollen bei der Essenszubereitung helfen, bei der Hausaufgabenbetreuung und auch bei der Freizeitgestaltung“, erläutert Kim, die wie Freundin Lina nach dem „Konkreten Friedensdienst“ ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Schule dranhängen möchte.

Das „Sion Hostel“ in Otjiwarongo

Das „Sion Hostel“ in Otjiwarongo Foto: privat

„Die größte Baustelle ist wirklich eine“, sagt Niklas Schulte. Der Innenhof des Hostels muss befestigt werden. „In der Regenzeit steht der immer unter Wasser und ist eigentlich nicht nutzbar“, ergänzt Kim Schröder. Rund 200 Quadratmeter wollen die Deutschen pflastern, damit die Kinder vernünftig spielen können.

Und noch eines haben sie sich vorgenommen. „Wir wollen die Toiletten renovieren und Hygieneartikel beschaffen“, sagt Lina. Bei ihren ersten Besuchen hatten Kim Schröder und Niklas Schulte festgestellt, dass die Sanitäranlagen sich in einem katastrophalen Zustand befinden und es bei Zahncremes, Seife, Handtüchern und anderen Waschutensilien an allen Ecken und Ende fehlt.

All das kostet Geld: Dafür suchen die jungen Leute aus Westerkappeln noch Sponsoren. Sie hoffen auf finanzielle Unterstützung durch örtliche Firmen sowie Vereine und Verbände. Sie haben Spendendosen aufgestellt und sie haben ein Spendenkonto eingerichtet. „Das Geld fließt ausschließlich in unsere Arbeit“, versichern die drei. Allein für das Pflastern des Innenhofes kalkulieren sie mit Kosten von 3000 Euro.

Spenden für „Gelebte Partnerschaft“

Spenden für das Projekt im „Sion Hostel“ in Otjiwarongo werden erbeten unter Angabe des Zwecks „Gelebte Partnerschaft“ auf das Konto der evangelischen Kirchengemeinde Westerkappeln ( IBAN: DE48 4036 1627 0000 7878 00 ). Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt.

Ihren Aufenthalt in Namibia bezahlen sie aus eigener Tasche. Die Flüge finanziert die „Engagement Global“, eine gemeinnützige Gesellschaft für Entwicklungsinitiativen, die auch vom Land NRW gefördert wird.

Mit nach Otjiwarongo möchten die Westerkappelner Trikots der örtlichen Sportvereine Westfalia, THC und SC VelpeSüd nehmen. „Die Kinder dort sind sehr sportbegeistert“, weiß Lina Stalljohann. Der Pastor und frühere Bundestagsabgeordnete Reinhold Hemker, der sich auch im Partnerschaftskomitee des Kirchenkreises Tecklenburg engagiert, habe dies vorgeschlagen. „Die Kinder sollen Trikots anziehen aus den Orten, aus denen die Helfer kommen und nicht von Bayern München oder Dortmund“, betont die 19-Jährige.

Wenn sie, Kim Schröder und Niklas Schulte ins Flugsteig steigen, sind mit Martin Runge und Alexandra Drees auch noch zwei Lehrer aus Mettingen dabei. „Wir sind eine super zusammengewürfelte Truppe“, freut sich Lina auf das Abenteuer. Bis vor Kurzem habe sie Niklas Schulte zum Beispiel noch gar nicht gekannt.

Im „Sion Hostel“ leben rund 150 Kinder aus ärmlichen Verhältnissen.

Im „Sion Hostel“ leben rund 150 Kinder aus ärmlichen Verhältnissen. Foto: privat

Am 31. Juli geht die Reise los. Während die beiden Lehrer zum Ende der Sommerferien zurückmüssen, hat Niklas Schulte bis Ende August Urlaub bekommen. Kim und Lina fliegen sogar erst am 8. Oktober zurück.

„Gelebte Partnerschaft“ – unter diesem Motto werden die jungen Leute auch für einige Tage einen Abstecher nach Khorixa machen. Mit dem Städtchen pflegt Westerkappeln seit 2014 eine sogenannte kommunale Entwicklungspartnerschaft. Dort möchte Schulte – quasi halbwegs offiziell – auch Gespräche mit der dortigen Amtsleitung über die Zusammenarbeit beider Kommunen führen. „Und wir wollen uns anschauen, wie das Projekt von Elias Richter läuft“, sagt Kim. Der junge Namibier hatte – wie berichtet – bis vor einigen Wochen ein Praktikum im Fahrradladen Stening gemacht, um in Khorixas eine Fahrradwerkstatt aufzubauen.

Und natürlich möchten Kim, Lina und Niklas Schulte über ihren Friedensdienst hinaus Land und Leute in Namibia kennenlernen. „Ein bisschen Urlaub wird das schon“, meint der 24-Jährige schmunzelnd.

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