Do., 14.01.2016

Siedlungsgeschichte Aule Hüöwe ligget unnern Esk

Bauern und Pflug aus dem 13.Jahrhundert. Das Bild stammt aus dem Heidelberger Sachsen spiegel.

Bauern und Pflug aus dem 13.Jahrhundert. Das Bild stammt aus dem Heidelberger Sachsen spiegel. Foto: Heidelberger Sachsenspiegel

Westerkappeln/Tecklenburger Land - 

Wie ist die heutige Siedlungsstruktur des Tecklenburger Landes entstanden ? In der älteren siedlungsgeschichtlichen und siedlungsgeographischen Forschung wurde der Lehrsatz aufgestellt, dass im nördlichen Münsterland die ältesten ackerbaulich genutzten Flächen die sogenannten Eschfluren gewesen seien.

Von Christof Spannhoff

Wie ist die heutige Siedlungsstruktur des Tecklenburger Landes entstanden ? Mit einer solchen Frage beschäftigt sich unter anderem die Siedlungsgeschichtsforschung. Diese Forschungsdisziplin bedient sich heute der Ergebnisse anderer Wissenschaften wie Paläobotanik oder Archäologie.

In der älteren siedlungsgeschichtlichen und siedlungsgeographischen Forschung wurde der Lehrsatz aufgestellt, dass im nördlichen Münsterland die ältesten ackerbaulich genutzten Flächen die sogenannten Eschfluren gewesen seien. Um diese zumeist schildförmigen Areale hätten sich die ältesten Hofstellen angesiedelt. Zu dieser Annahme gelangte man, weil die größten und ältesten Höfe eines Ortes die Eschfluren besaßen und bebauten, während kleinere und siedlungsge schichtlich jüngeren Bau­ern ­stätten keinen Anteil mehr an diesen Flächen hatten.

Die zeitliche Einordnung wurde aufgrund der typischen Flurform der Esche erschlossen. Die einzelnen Flurstücke waren bis zu 700 Meter lang und im Durchschnitt etwa 20 Meter breit, weshalb sie von der Forschung als Langstreifengewannfluren oder Langstreifenfluren genannt werden.

Die Entstehung dieser Langstreifenfluren brachte man mit der Entwicklung der Pflugtechnik in Zusammenhang. Während der den Boden ritzende Hakenpflug und der spätere Kehrpflug der Bildung von Blockfluren Vorschub leisteten, waren für den später aufkommenden Beetpflug lange Flurstreifen optimal, weil der schwere, von bis zu acht Ochsen gezogene Beetpflug bei langen Ackerstreifen nicht so oft mühevoll und zeitraubend gewendet werden musste.

Wegen des unbeweglichen Streichbretts des Beetpflugs konnten die Schollen nur nach einer Seite gekippt werden. Der Pflug musste deshalb immer wieder an die Ackerseite zurückgebracht werden, wo man zu pflügen angefangen hatte, um eine neue Furche ziehen zu können, was mit einer Leerfahrt verbunden war.

Da das Wenden mit drei bis vier Zugtierpaaren schwierig und zeitintensiv war, pflügte man solange das Gelände es zuließ in einer Richtung, um die Anzahl der Leerfahrten und des Wendens zu verringern. Auf diese Weise entstanden die langen Ackerstreifen.

Doch haben neuere archäologische Erkenntnisse das alte Sprichwort bestätigt: „De aulen Hüöwe ligget unnern Esk“. Die ältesten Hofsiedlungen aus dem 6. und 7. Jahrhundert wurden unter den Eschfluren ergraben. Daraus ergibt sich, dass die späteren Eschfluren im 7. Jahrhundert noch nicht existierten und erst später angelegt wurden.

Einzelne Befunde haben zu der Annahme geführt, im 9. Jahrhundert sei nicht nur die Anlage eines gemeinschaftlich bestellten Esches, sondern auch eine erste, planmäßige Parzellierung der Felder erfolgt, die möglicherweise mit der Eingliederung Westfalens in das Frankenreich seit der Eroberung durch Karl den Großen in Zusammenhang steht und auf eine Art Flur- oder Bodenreform zurückzuführen ist.

Die Eschfluren sind also nicht die ältesten Ackerflächen. Sie sind sehr wahrscheinlich erst im 9. Jahrhundert und auch noch später als Gemeinschaftsleistung mehrerer Bauern angelegt worden. Zuvor wirtschaftete jeder Bauer für sich auf hofnahen Blockfluren. Eschfluren konnten aber auch noch bis ins 11. Jahrhundert und später angelegt werden.

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