Mi., 13.01.2016

Polizeisprecher Reiner Schöttler zur Sicherheitssituation in Westerkappeln „Wachsamkeit ist wichtig“

Großveranstaltungen, Unfälle oder Verbrechen – die Polizei soll und muss überall Präsenz zeigen. Das tue sie auch, doch die Beamten könnten nicht an allen Orten gleichzeitig sein, gibt Reiner Schöttler, Sprecher der Kreispolizeibehörde zu bedenken.

Großveranstaltungen, Unfälle oder Verbrechen – die Polizei soll und muss überall Präsenz zeigen. Das tue sie auch, doch die Beamten könnten nicht an allen Orten gleichzeitig sein, gibt Reiner Schöttler, Sprecher der Kreispolizeibehörde zu bedenken. Foto: dpa/Ulrich Reske

Westerkappeln/Tecklenburger Land - 

Die Vorfälle in Köln in der Neujahrsnacht? Nein, dazu möchte Reiner Schöttler, Pressesprecher der Kreispolizei Steinfurt, nichts sagen. Sehr wohl aber zur Sicherheitssituation in Westerkappeln und Umgebung, zum Thema Kriminalität und Flüchtlinge und zu den Wohnungseinbrüchen.

Von Ulrich Reske, Karin C. Punghorst

Ein neues Phänomen ist in Köln aufgetaucht: Massenhafte Drangsalierung von Frauen. Offensichtlich war die Polizei vor Ort völlig überfordert. Angesichts großer Veranstaltungen, die jetzt etwa beim Karneval in unserer Region anstehen: Muss sich die Polizei auf eine neue Situation einstellen?

Reiner Schöttler: Zu dem Phänomen in Köln kann ich im Moment nur wenig sagen. Da bin ich nicht nah genug dran. Ich glaube, dass wir derartige Dinge hier nicht befürchten müssen. Wir waren in den vergangenen Jahren gut aufgestellt an Tagen wie Karneval. Wir haben die Einsatzstärken erhöht, sind separate Streifen gefahren. Zusätzlich werden wir, wie in den Vorjahren, Kontrollen mit dem Ordnungsamt durchführen. Absprachen mit Veranstaltern und den Kommunen sind selbstverständlich.

Gibt es Tipps, die Sie den Menschen, die solche Großveranstaltungen besuchen, mit auf den Weg geben?

Schöttler: Ja, Problem sind sicherlich die Taschendiebstähle, die bei allen Veranstaltungen vorkommen. Wir hatten zwar zuletzt keine Probleme damit. Doch die Gefahr besteht immer. Unser Rat: Handys und Geldbörsen nah am Körper tragen.

Sollten Frauen Pfefferspray einsetzen?

Schöttler: Ein zweischneidiges Schwert. Wir favorisieren das in der Beratung nicht. Die Frage ist, ob das in der entsprechenden Situation sachgerecht verwendet werden kann. Besser: Sich bemerkbar machen.

Sind das in der Regel Profis und Gangs, die da gemeinsam aktiv sind?

Schöttler: Nicht auszuschließen ist, dass da Banden im Einsatz sind. Die können auch hier auf dem Lande auftreten.

Die mutmaßlichen Täter aus Köln sollen Nordafrikaner gewesen sein. Da wird rasch der Bogen zu den Flüchtlingen gespannt. Welche Beobachtungen/Meldungen gibt es dazu aus Westerkappeln ? In der Kommune sind die Flüchtlinge überwiegend in den Unterkünften Hof Schildkamp, Schule Düte, Haus Postmeier, Hof Parkmann und vereinzelt in Wohnungen untergebracht

Schöttler: Nach bisherigen Erkenntnissen hat der Zuzug von Asylbewerbern oder Flüchtlingen zu keinem signifikanten Anstieg der Kriminalität geführt. Wie im gesamten Kreisgebiet, so ist die Polizei auch in Westerkappeln in Einzelfällen an Flüchtlingsunterkünften tätig geworden. Weitestgehend handelte es sich dabei um Streitigkeiten untereinander, die oftmals der besonderen Wohn- und Lebenssituation geschuldet waren. Vornehmlich waren dies niederschwellige Straftaten im Bereich der Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und des Diebstahls. In allen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Das ist eine Zusatzaufgabe, die sich der Polizei wie allen Beteiligten sehr plötzlich gestellt hat. Wie schaffen Sie das mit Ihrem Personaltableau ? Oder hat man die Polizei schon signifikant aufgestockt?

Schöttler: Personell schaffen wir das, müssen das auch schaffen. Mehr Personal haben wir dafür nicht bekommen.

In den Rathäusern der Kommunen im Tecklenburger Land werden angesichts der Situation Stellen geschaffen. Bei Ihnen nicht?

Schöttler: Im Lande NRW haben wir schon erhöhte Einstellungszahlen. Die Neuen müssen aber erst ausgebildet werden. Man kann schließlich nicht aus dem freien Markt Polizeibeamte einstellen. Die Dinge sind im Fluss. Wir haben natürlich auch gewisse Kapazitäten verlagert, die wir jetzt einbringen können.

Nicht bei allen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, sind Herkunft und Fluchtwege klar. Da wächst die Angst, das Terroristen sich als Flüchtlinge getarnt einschleichen. Sind das für Sie neue Herausforderungen ?

Schöttler: Die Polizei ist sensibilisiert und achtsam. Wenn wir Verdachtsmomenten feststellen, werden diese unmittelbar den zuständigen Behörden gemeldet.

Polizeisprecher Reiner Schöttler

Polizeisprecher Reiner Schöttler Foto: Ulrich Reske

Müssen Sie denn stärker kooperieren mit Staatsschutz und Bundespolizei?

Schöttler: Wir sind ständig als Behörde mit dem Staatsschutz in Kontakt. Wir sind wachsam. Aber konkrete Maßnahmen müssen wir als Kreispolizeibehörde nicht auflegen.

Kriminalität findet auch im Netz statt. Hasstiraden gegen Flüchtlingshelfer, die Kommunen, aber auch die Presse – ist das ein Bereich, den Sie jetzt zusätzlich an der Backe haben?

Schöttler: Wenn wir solche Äußerungen im Netz feststellen, werden diese konsequent verfolgt und Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zudem besteht beim Landeskriminalamt eine spezielle Ermittlungstruppe.

Westerkappeln ist eine Kommune mit rund 10 000 Einwohnern in ländlichem Ambiente und in unmittelbarer Nähe zur Stadt Osnabrück. Auch in Westerkappeln wächst die Sorge vor Kriminalität. Speziell Wohnungseinbrüche sind ein Problem. Wie können Sie da als Polizei für ein höheres Sicherheitsgefühl sorgen ?

Schöttler: Wir sind uns bewusst, dass gerade der Einbruch in eine Wohnung das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger erheblich beeinflusst. Die Bekämpfung des Wohnungseinbruch mit repressiven und präventiven Maßnahmen genießt daher bei der Polizei im Kreis Steinfurt höchste Priorität. Mit erhöhter polizeilicher Präsenz, einem speziellen Ermittlungsteam, einer umfangreichen Spurensicherung an jedem Tatort und der intensiven Vernetzung mit anderen Behörden, auch länderübergreifend, wollen wir insbesondere den überörtlich agierenden Einbrecherbanden das Handwerk legen. Aber auch jeder Bürger kann etwas zum Schutz seiner Wohnung, seines Hauses tun. Einbrecher können immer noch viel zu leicht in Wohnung einbrechen. Mechanischer Einbruchschutz ist wichtig. Lassen Sie sich von der Polizei kostenlos beraten. Insbesondere bei Neu- und Umbauen sowie bei Renovierungen lässt sich ein wirksamer Einbruchschutz schon für relativ wenig Geld verwirklichen. Außerdem, beobachten Sie ihr Wohnumfeld und melden Sie der Polizei verdächtige Personen oder verdächtige Fahrzeuge.

Was halten Sie denn von Nachbarschaftsgruppen, die präventiv Wache schieben?

Schöttler: Da halte ich sehr wenig von. Das ist Aufgabe der Polizei. Wachsamkeit ist wichtig, nicht Wache schieben. Ich warne davor, private Dinge zu initiieren. Das kann auch böse ausgehen.

Müsste die Polizei da nicht häufiger auch Streife fahren?

Schöttler: Wir sind ja präsent, auch mit zivilen Kräften. Das kriegen Anlieger oftmals gar nicht mit. Aber unser Gebiet im Kreis Steinfurt ist eben sehr groß. Wir können nicht an allen Orten gleichzeitig sein.

Können sich die Menschen in Westerkappeln auch in diesem Jahr noch sicher fühlen?

Schöttler: Die Kriminalitätsbelastung in Westerkappeln war im Jahr 2014 deutlich unter dem Durchschnitt der Landes NRW. Daran hat sich auch im vergangen Jahr wenig geändert. Daher bin ich mir sicher, dass die Menschen in Westerkappeln sich auch in diesem Jahr sicher fühlen können.

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