Do., 14.01.2016

Pendlerstatistik Osnabrück hat Sogwirkung

Für die Fahrt zur Arbeit nehmen viele Beschäftigte lange Wege in Kauf. Mehr als ein Viertel der Erwerbstätigen aus Westerkappeln ist in der Stadt Osnabrück angestellt.

Für die Fahrt zur Arbeit nehmen viele Beschäftigte lange Wege in Kauf. Mehr als ein Viertel der Erwerbstätigen aus Westerkappeln ist in der Stadt Osnabrück angestellt. Foto: Grafik Jürgen Christ

Westerkappeln - 

Bei der Fahrt zum Arbeitsplatz nehmen so manche Westerkappelner lange Wege in Kauf – einige bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Der Großteil ist allerdings in der Region beschäftigt. Osnabrück hat dabei eine Sogwirkung. Und nur eine Minderheit der Westerkappelner arbeitet vor Ort.

Von Frank Klausmeyer

Bei der Fahrt zum Arbeitsplatz nehmen so manche Westerkappelner lange Wege in Kauf – einige bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Der Großteil ist allerdings in der Region beschäftigt. Dabei arbeitet jedoch nur eine Minderheit der Westerkappelner vor Ort. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Analyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen hervor, die die Pendlerströme untersucht hat.

Die Daten basieren auf dem Jahr 2014. Danach gab es in der Gemeinde 2906 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Nicht einmal ein Viertel davon, nämlich 700, sind mit Frauen und Männern aus Westerkappeln besetzt. 2206 Beschäftigte sind Einpendler. Die meisten von ihnen (478) „reisen“ tagtäglich aus Kommunen des Landkreises Osnabrück an, 330 Arbeitnehmer wohnen in der Stadt Osnabrück. Aus Ibbenbüren pendeln 346 Personen nach Westerkappeln, aus Lotte sind es 241 und aus Mettingen 156.

Das sind alles nur Katzensprünge. Einige Einpendler muten sich Hunderte Kilometer auf dem Weg nach Westerkappeln zu. So sind in der IHK-Statistik 27 Arbeitnehmer aus Schleswig-Holstein und elf aus der Hansestadt Hamburg aufgeführt. Sogar elf Polen finden sich unter den Einpendlern. Was diese (und andere) hier zu tun haben und wie oft sie zwischen ihren Heimatorten und Westerkappeln hin- und herpendeln, ist der Analyse allerdings nicht zu entnehmen.

Fakt ist, dass es in der Gemeinde weit weniger Jobs als sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gibt. 4462 Frauen und Männer aus Westerkappeln sind als erwerbstätig registriert. Nur für 691 ist der Wohnort gleich Arbeitsort. 3771 Westerkappelner sind außerhalb tätig. Das Oberzentrum Osnabrück hat dabei eine besondere Sogwirkung: 1321 Auspendler sind dort beschäftigt. 569 Personen haben ihren Arbeitsplatz in anderen Städten und Gemeinden des Landkreises Osnabrück. Bei den auswärtigen Arbeitsorten im Tecklenburger Land liegt Lotte mit 349 Auspendlern vor Ibbenbüren (297) und Mettingen (145).

Mit einer Auspendlerquote von knapp 85 Prozent liegt die Gemeinde Westerkappeln im Vergleich von 78 Kommunen im Bereich der IHK Nord Westfalen weit oben. Das sei aber typisch für kleine Kommunen, sagt Jutta Gogräfe, IHK-Referentin für Wirtschaftsanalysen und Statistik. In den Grundzentren stehe die Wohnfunktion im Vordergrund, ohne dass sie deshalb nur „Schlafstädte“ wären. Hier überwögen naturgemäß die Auspendler. In Lotte ist die Auspendlerquote sogar noch höher (88 Prozent). Aufgrund der Nähe gebe es wie im Fall Westerkappeln intensive Verflechtungen zu Osnabrück, so Gogräfe.

Unter dem Strich bleibt für Westerkappeln ein Pendlersaldo von minus 1565. In den vergangenen 20 Jahren war das Negativsaldo teilweise aber sogar noch größer. Im Kreis Steinfurt gibt es nur vier Städte mit einem positiven Pendlersaldo, wobei dazu neben Emsdetten, Rheine und Lengerich auch – ein wenig überraschend – Tecklenburg (+379) gehört. Ibbenbüren als Mittelzentrum hat dagegen ein negatives Saldo (-1076).

Die IHK rechnet für die kommenden Jahre mit einem weiter wachsenden Pendlerstrom, nicht zuletzt infolge der oft hochspezialisierten Arbeitsplätze, gibt Gogräfe zu bedenken.

Die Analyse der IHK fußt weitgehend auf Daten der Bundesagentur für Arbeit. Daneben legt auch IT.NRW, das Landesamt für Statistik, jährlich eine Pendlerberechnung vor. Weil hier auch Selbstständige und Beamte berücksichtigt werden, sind die Pendlerzahlen sogar noch höher. Darüber hinaus weist IT.NRW zusätzlich Pendeldistanzen aus. Bei einer durchschnittlichen Anfahrt nach Osnabrück von 13,4 Kilometer kommen die Statistiker dabei allein für die Auspendler in die Hasestadt auf eine tägliche Gesamtwegstrecke von über 20 000 Kilometer – einmal um die halbe Welt. Da wundert es dann nicht, dass die IHK als Antwort auf den wachsenden Pendlerstrom unter anderem den Ausbau von Straßen und Bahnverbindungen sowie einen verbesserten öffentlichen Personennahverkehr fordert.

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