Fr., 22.01.2016

Straßenkunde: Hanfriedenstraße Ursprung liegt in altem Handwerk

In den 1970er Jahren wurde der noch dünn besiedelte hintere Teil der

In den 1970er Jahren wurde der noch dünn besiedelte hintere Teil der Foto: Archiv Kultur- und Heimatverein

Westerkapepln - 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Hanfrieden hätte etwas mit Frieden zu tun. Manch einer mag bei dem Straßennamen vielleicht auch an einen stattlichen Hahn denken. Oder an einen Friedhof. Weder aber hat der Hanfrieden mit Hühnervögeln oder einer letzten Ruhestätte, noch mit Frieden zu tun, sondern mit einem alten Handwerk.

Von Astrid Springer

Wer Westerkappelns Ortskern in Richtung Nordosten verlässt, der tut dies über die Hanfriedenstraße. Sie verbindet die Bullerteichstraße mit dem Königsteich. Den meisten in und rund um Westerkappeln dürfte der Name Hanfrieden durch das gleichnamige Stadion ein Begriff sein.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Hanfrieden hätte etwas mit Frieden zu tun. Die Ortsrandlage ist zumindest noch heute eine friedliche Wohnlage. Manch einer mag bei dem Straßennamen vielleicht auch an einen stattlichen Hahn denken. Oder an einen Friedhof. Weder aber hat der Hanfrieden mit Hühnervögeln oder einer letzten Ruhestätte, noch mit Frieden zu tun.

Die Lage der Hanfrieden­straße ist ein erstes Indiz für die Herkunft des Namens, denn sie verläuft durch ein Gebiet zwischen zwei Gewässern: Bullerteich und Königsteich. Auch die von der Hanfriedenstraße abzweigende Rüskenkampstraße deutet auf Gewässer und zumindest einen feuchten Untergrund an, denn Rüsken ist das alte Wort für Binsen oder Schilfrohr.

Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass die Bezeichnung Hanfrieden sogar selbst den Hinweis auf Wasser enthält – sofern man das zusammengesetzte Wort an der richtigen Stelle trennt. Dann spaltet es sich nämlich auf in Hanf und Rieden, wobei mit riede oder auch riehe insbesondere in Westerkappeln meist eine sumpfige Senke gemeint war – oder aber regional allgemeiner: ein Kleingewässer.

Ein Blick in ein altes Heimatjahrbuch von Friedrich Rohlmann erhärtet das: Im September des Jahres 1927 wird die Vergabe des Straßennamens konkret erörtert, Rohlmann erwähnt dabei, dass es in den Hanfrieden, oder auch Hanepriehen, einst 40 sogenannte Rötekuhlen gab. Das waren kleine Teiche, die zum „Teichen“ des Hanfes genutzt wurden: Der Hanf wurde dabei mit Steinen beschwert und der einsetzende Verrottungsprozess trennte das weichere Material von den begehrten Hanffasern, die dann später - gehechelt und gebokt - beispielsweise der Herstellung von Seilen, Segeln oder Kleidung dienten. Die einst dafür genutzten Hanfrötekuhlen sind der Ursprung für die Bezeichnung Hanfrieden­straße.

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