Do., 28.01.2016

Weniger neue Flüchtlinge Ein bisschen Druck vom Kessel

Das Asylheim in Düte ist voll belegt. Im Dachgeschoss wurden 14 neue Plätze geschaffen. Die alte, baufällige Lehrerwohnung wurde vergangenes Jahr abgerissen. An der Fassade des neuen Giebels laufen gerade Restarbeiten.

Das Asylheim in Düte ist voll belegt. Im Dachgeschoss wurden 14 neue Plätze geschaffen. Die alte, baufällige Lehrerwohnung wurde vergangenes Jahr abgerissen. An der Fassade des neuen Giebels laufen gerade Restarbeiten. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln - 

Drei neue Flüchtlinge sind am Donnerstag in Westerkappeln eingetroffen. Damit ist Gesamtzahl der Asylbewerber auf 260 gestiegen. Und doch scheint gegenüber der Lage vor Weihnachten ein wenig Druck vom Kessel genommen worden zu sein. „Seit dem 4. Januar sind nur zwölf Menschen gekommen“, berichtet Niklas Schulte, Mitarbeiter der Verwaltung.

Von Frank Klausmeyer

Drei neue Flüchtlinge sind am Donnerstag in Westerkappeln eingetroffen. Damit ist Gesamtzahl der Asylbewerber auf 260 gestiegen. Und doch scheint gegenüber der Lage vor Weihnachten ein wenig Druck vom Kessel genommen worden zu sein. „Seit dem 4. Januar sind nur zwölf Menschen gekommen, darunter eine vierköpfige Familie“, berichtet Niklas Schulte, Mitarbeiter der Verwaltung.

Zwischen den Jahren waren gar keine Asylbewerber zugewiesen worden. Das hatten die zuständigen Behörden zwar vorher in Aussicht gestellt, so richtig glauben mochte das im Rathaus aber niemand. Bei der Ankündigung der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg, die ländlichen Gemeinden auch in den kommenden Wochen bei der Zuweisung neuer Flüchtlinge weitgehend außen vor zu lassen, herrscht Skepsis vor. „Bis Ende Februar soll es angeblich eine Entlastung geben“, sagt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer unter Hinweis auf eine E-Mail aus dem Innenministerium in Düsseldorf. Zunächst sollten die Großstädte, die bislang teilweise deutlich unter den vom Land vorgebenen Aufnahmezahlen lägen, ihre Quoten erfüllen. Zeit zum Atemholen, die die Verwaltung nutzen will sich Gedanken zu machen, „wie wir uns weiter aufstellen“, sagt Schulte.

Denn eines ist wohl sicher: Auch in diesem Jahr muss die Gemeinde zahlreiche Flüchtlinge aufnehmen. Laut einer Prognose der Bezirksregierung Münster sei mit rund 150 Menschen zu rechnen. „Wir gehen aber davon aus, das es deutlich mehr werden“, erklärt Große-Heitmeyer. Einerseits sei kein Ende der Bürgerkriege im Mittleren Osten in Sicht, andererseits werde es weiter Familiennachzüge geben.

Davon gab es auch vergangenes Jahr einige Fälle. „Derzeit leben in Westerkappeln 35 Flüchtlingsfamilien mit zusammen 61 Kindern“, erläutert Schulte. 2014 habe man es noch ausschließlich mit alleinreisenden Männern zu tun gehabt.

Bei der Unterbringung hat die Kommune momentan noch Kapazitäten frei. Die Heime Postmeyer, Parkmann, die Schule in Düte und die Zimmer auf dem Hof Schildkamp sind zwar rappelvoll, die Wohncontainer neben der Dreifachhalle jedoch noch weitgehend frei. Erst fünf der 35 Plätze sind dort belegt.

Langfristig möchte die Bürgermeisterin die Asylbewerber aber lieber in festen Gebäuden unterbringen. „Wir halten das für nachhaltiger“, meint sie. Verhandlungen laufen.

Konflikte zwischen Flüchtlingen und dem Rest der Bevölkerung sind im Rathaus nicht bekannt. Große-Heitmeyer klopft auf Holz und hofft, dass das so bleibt. In den Unterkünften gebe es gelegentlich Streitereien. „Das liegt aber eher am Lagerkoller“, sagt Niklas Schulte. Rebecca Stratmann, seit Kurzem als Sozialarbeiterin für die Flüchtlinge unterwegs, gelinge es sehr gut, solche Auseinandersetzungen zu entschärfen.

Bleibt noch die Statusfrage: Über die Hälfte der Flüchtlinge hat nach Schultes Angaben noch keinen Asylantrag gestellt, weil die für Westerkappeln zuständige nächste Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Bielefeld bei der Bearbeitung nicht hinterherkommt. Dem Hopstener Bürgermeister Winfried Pohlmann ist das diese Tage so gegen den Strich gegangen, dass er Asylbewerber aus seiner Gemeinde höchstselbst mit dem Bus nach Bielefeld karrte. Etwas Ähnliches könnte sich Annette Große-Heitmeyer auch vorstellen. Selbst hinters Lenkrad setzen wird sie sich aber nicht. Denn im Unterschied zu Pohlmann besitzt sie keinen Busführerschein.

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