Mi., 13.09.2017

Keine Gewerbeflächen in Westerkappeln Firma Elos wandert nach Bramsche ab

Seit 15 Jahren ist die Firma Elos im Gartenkamp ansässig. Weil es in Westerkappeln keine Erweiterungsmöglichkeiten gibt, wandert das Unternehmen nach Bramsche ab.Mit dem ersten Spatenstich läuteten Firmenchef Christoph Dödtmann (2.von rechts) und Seniorchef Heinz Dödtmann (3.von rechts) mit den Vertretern der Stadt Bramsche und der Baufirma die Bauarbeiten für die Firma Elos in Schleptrup ein

Seit 15 Jahren ist die Firma Elos im Gartenkamp ansässig. Weil es in Westerkappeln keine Erweiterungsmöglichkeiten gibt, wandert das Unternehmen nach Bramsche ab.Mit dem ersten Spatenstich läuteten Firmenchef Christoph Dödtmann (2.von rechts) und Seniorchef Heinz Dödtmann (3.von rechts) mit den Vertretern der Stadt Bramsche und der Baufirma die Bauarbeiten für die Firma Elos in Schleptrup ein Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln/Bramsche - 

Viele Jahre gab es aus den Westerkappelner Gewerbegebieten am Gartenkamp und in Velpe gute Nachrichten über Firmenansiedlungen oder -erweiterungen. Jetzt droht die Abwanderung von Unternehmen, weil die Gemeinde – bis auf Restposten – keine Flächen zu bieten hat. Die ELOS Osnabrücker Industrie-Putztuch GmbH & Co. KG wird aus diesem Grund mit Sack und Pack nach Bramsche umziehen.

Von Frank Klausmeyer, Heiner Beinke

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben jetzt die Arbeiten für die Ansiedlung der Firma im Bramscher Industriegebiet Schleptrup begonnen. Und so investiert Elos rund fünf Millionen Euro in den neuen Standort. Auf rund 15 000 Quadratmetern Fläche hinter dem neuen Amazonewerk werden rund 4200 Quadratmeter Lagerfläche und 980 Quadratmeter Bürofläche gebaut. „Da sind noch Reserven eingebaut“, hat Geschäftsführer Christoph Dödtmann beim Flächenankauf spätere Erweiterungsmöglichkeiten eingeplant.Wie sein Vater, Seniorchef Heinz Dödtmann, wohnt auch er in Bramsche.

Die Arbeitsplätze für die rund 20 Beschäftigten aus Westerkappeln werden komplett nach Bramsche umziehen. Sparen kann sich das Unternehmen künftig die verschiedenen kleinen Außenlager. Im neuen Lager in Schleptrup ist Platz für 3000 Paletten.

Zehn Milklionen Euro Jahresumsatz

Die ELOS Osnabrücker Industrie-Putztuch GmbH & Co. KG ist ein mittelständischer Vertriebspartner der Industrie. Das Unternehmen beliefert seit über 30 Jahren die verschiedensten Betriebe vornehmlich in der Industrie mit Produkten für die industrielle Reinigung und Waschraumhygiene. „Das reicht vom Toilettenpapier über Industrieputztücher bis zum ganzheitlichen Waschraumkonzept“, erklärt Geschäftsführer Christoph Dödtmann. Das Unternehmen im Familienbesitz mit einem Umsatz von zehn Millionen Euro verstehe sich als „verlängerter Arm der Papierindustrie“, der den Zwischenhandel zum Endabnehmer übernehme. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie Volkswagen oder Airbus. bei

Am Standort in Westerkappeln „platzen wir aus allen Nähten“, sagt Heinz Dödtmann. Auf der Suche nach Alternativen sei schnell die Heimatstadt ins Gespräch gekommen. Tatsächlich ist für das Unternehmen die Nähe zur Autobahn ein gewichtiges Argument. „In Westerkappeln waren es zur Autobahn rund fünf Kilometer. Das war schon nicht schlecht. Aber hier ist es noch einmal viel besser“, betont Dödtmann.

Entscheidend für die bevorstehende Abwanderung ist aber wohl vor allem, dass die Gemeinde Westerkappeln dem Unternehmen keine Fläche für das Vorhaben bieten konnte. „Wir haben mehrfach Gespräche geführt“, erklärt Bürgermeisterin Annette Große-Heitemeyer, die die Entwicklung nach eigenen Worten „natürlich ärgert“. Elos-Geschäftsführer Dödtmann kann sich zwar nur an ein 20-minütiges Treffen erinnern, sagt dies aber nicht im Groll: „Wenn man nichts zu verkaufen hat, braucht man auch nicht viel besprechen.“

Das Gebäude im Gartenkamp, das Elos vor 15 Jahren erworben hat, solle in Firmenbesitz bleiben und nach dem Umzug vermietet werden, sagt Dödtmann. Einen potenziellen Interessenten gebe es aber nicht.

Ob und wie viele Unternehmen die Gemeinde in der jüngeren Vergangenheit bei der Suche nach Flächen einen Korb geben musste, ist nicht bekannt. Kürzlich hat die Firma Schemberg aus Mettingen ihren Standort im Gartenkamp geräumt, ihr war allerdings – wie berichtet – der Mietvertrag gekündigt worden. Für den Bau einer neuen Produktions- und Logistikhalle hatte der renommierte Ladenbauer allerdings zuvor auch mit Westerkappeln geliebäugelt. Weil es hier jedoch kein adäquates Gelände gab, hat Schemberg in Ibbenbüren-Schierloh neu gebaut.

Derzeit kann die Kommune nur noch jeweils etwa 1,1 Hektar Gewerbeflächen in Velpe und im Gartenkamp anbieten. Teilweise sind diese ungünstig geschnitten oder eine Nutzung wird durch Hochspannungsleitungen beeinträchtigt. „Wir müssen sehen, dass wir neue Flächen bekommen“, sagt Große-Heitmeyer. Laut Flächennutzungsplan (FNP) gebe es zwar im Bereich des Gartenkamps Erweiterungsmöglichkeiten, die Eigentümer möchten aber nicht verkaufen.

Deshalb hält die Gemeinde Ausschau nach Alternativen. Dafür müsse aber der FNP aktualisiert, der Regionalplan fürs Münsterland angepasst und der FNP dann noch formal geändert werden. „Die Verfahren können zwar parallel laufen, das dauert aber trotzdem seine Zeit“, gibt die Bürgermeisterin zu bedenken.

Nicht aus den Augen verlieren möchte Große-Heitmeyer nach eigenen Worten auch das Industriegebiet Velpe. Die Bezirksregierung sträube sich zwar gegen eine Erweiterung, weil die in Frage kommenden Flächen im Überschwemmungsgebiet liegen. Sie werde aber nicht locker lassen, versichert Große-Heitmeyer.

Kommentar: Weckruf für die Politik

Ein großes Magazin soll Westerkappeln vor Jahren als „dümmste Gemeinde Deutschlands“ abgestempelt haben, weil diese den Jobmotor Coppenrath & Wiese gen Mettingen ziehen ließ. Für den Umzug ins Tüöttendorf gab es damals verschiedene Gründe, fehlende Flächen für eine Erweiterung gehörten aber dazu.

Ein ähnlicher Super-Gau für die kommunale Wirtschaftsförderung ist derzeit nicht zu befürchten, zumal kein Unternehmen im Ort das Kaliber von Cowi hat. Weil es kaum noch oder keine geeigneten Gewerbegrundstücke in Westerkappeln gibt, droht die Abwanderung von Firmen trotzdem zur ernsthaften Gefahr zu werden.

Der Umzug der ELOS Osnabrücker Industrie-Putztuch GmbH & Co. KG ist bis jetzt nur ein Einzelfall, sollte für Rat und Verwaltung aber ein Weckruf sein. Schon vor über vier Jahren hatte der damalige Bürgermeister Ullrich Hockenbrink beim Verkauf von fünf Hektar Land in Velpe an das Logistikunternehmen DSV gewarnt, dass die Gemeinde in puncto Gewerbeflächen damit so gut wie „blank“ ist. Seitdem ist nicht viel passiert, was natürlich mit der Verfügbarkeit von geeigneten Grundstücken zu tun hat. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer sollte jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, damit den Unternehmen am Ort wie auch ansiedlungswilligen Firmen künftig ein Angebot gemacht werden kann. Die Nachbargemeinden – ob in Niedersachsen oder im Tecklenburger Land – lachen sich sonst ins Fäustchen. Viele Jahre war das umgekehrt.

Frank Klausmeyer

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