„Tag des Motorsports“, Musikfest und Kürbismarkt
Am 1. Oktober brummt der Westerkappelner Ortskern

Westerkappeln -

Am 1. Oktober hat der FC Westerbeck einen Arbeitseinsatz. Und das Traktorenmuseum öffnet wie an jedem Sonntag. Sonst herrscht tote Hose. Die Gemeinde sollte für ihren Internetauftritt vielleicht mal den Veranstaltungskalender pflegen. Denn tatsächlich brummt der Westerkappelner Ortskern an dem Tag.

Donnerstag, 14.09.2017, 15:09 Uhr

Dass es am 1. Oktober so voll wird bei wie bei vielen Kürbismärkten der Vergangenheit, wäre den Veranstaltern zu wünschen.
Dass es am 1. Oktober so voll wird bei wie bei vielen Kürbismärkten der Vergangenheit, wäre den Veranstaltern zu wünschen. Foto: Frank Klausmeyer

Die Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHGW) veranstaltet auch in diesem Jahr einen Kürbis- und Bauernmarkt. Gemessen an den Vorjahren wird das allerdings eine Lightversion ohne Rahmenprogramm und Kürbiswettbewerb. Die Lücke wird aber locker vom Motorsportclub (MSC) Westerkappeln und der evangelischen Gemeinde gefüllt, die auf dem Kirchplatz ein tolles Angebot auf die Beine stellen und den Kürbismarkt alter Prägung damit vielleicht sogar in den Schatten.

Dass die am Boden liegende Werbegemeinschaft überhaupt einen Herbstmarkt auf die Beine stellt, ist schon bemerkenswert, stand die IHGW zu Jahresbeginn doch kurz vor dem Aus und damit gleichzeitig die von ihr organisierten Veranstaltungen. Der Maimarkt fand dieses Jahr deshalb erstmals unter Regie des Rathauses statt. Schon damals sei der IHGW signalisiert worden, dass die Verwaltung den Kürbismarkt nicht übernehmen könne, sagt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, der ein paar Wochen später auch noch der Wirtschaftsförderer abhanden gekommen ist. Zum 1. Oktober soll dessen Nachfolger seinen Dienst antreten.

Mitte Mai gab die IHGW – für viele überraschend – doch noch ein Lebenszeichen: Mit Maren Kruse als Vorsitzende an der Spitze eines neuen Vorstandes will die Interessengemeinschaft zumindest solange den Posten halten, bis es einen tragfähigen Nachfolgeverein gibt. Bei der Mitgliederversammlung im Frühjahr wurde überdies beschlossen, die Märkte im Oktober und vor Weihnachten weiterzuführen. „Wenn denn Leute bereit sind, die Arbeit zu machen“, schränkt Maren Kruse ein.

Viel Arbeit haben der IHGW jetzt der MSC und die evangelische Gemeinde abgenommen, die am 1. Oktober auf dem Kirchplatz einen „Tag des Motorsports“ beziehungsweise ein Musikfest veranstalten werden. „Sonst hätten wir da selbst etwas gemacht“, versichert Kruse. „So ist es aber schön, so passt es gut.“ Die IHGW beschränkt sich an dem Sonntag dieses Mal nur auf verkaufsoffene Geschäfte (13 bis 18 Uhr) und diverse Stände in der verkehrsberuhigten Zone des Ortskerns an. Dazu seien etliche Beschicker angeschrieben worden, berichtet Kruse.

Einen Kürbiswettbewerb wird es dieses Jahr nicht geben.

Einen Kürbiswettbewerb wird es dieses Jahr nicht geben. Foto: Dietlind Ellerich

Der MSC und die evangelische Kirchengemeinde haben derweil in den vergangenen Wochen ungewollt aneinander vorbeigeplant, weil sie von den Aktivitäten des jeweils anderen nichts wussten. Da fehle vielleicht die ordnende Hand im Rathaus, meint Pastor Olaf Maeder. „Wir arrangieren uns aber ganz gut“, betont Melanie Wehmeier , die für das nach ihren Worten „kleine Musikfest“ auf dem Kirchplatz die Federführung übernommen hat.

Das kleine Musikfest wird ganz schön groß: Auf dem Kirchplatz mit dabei ist der Posaunenchor aus der namibischen Partnergemeinde Khorixas, der der örtlichen Kirchenband „Confession“ einen Gegenbesuch abstattet, die vor zwei Jahren in Südafrika war. Die Musiker sollen am Freitag eintreffen. 13 Gäste aus Khorixas wurden eingeladen, wie viele tatsächlich in Köln landen, war lange unklar. Es habe Probleme mit der Visa-Ausstellung gegeben, weil Deutschland nur Personen mit einer positiven Rückkehrprognose die Einreise gestatte, erläutert Maeder.

„Ich habe die ganzen letzten Wochen mit der deutschen Botschaft telefoniert“, berichtet Melanie Wehmeier über eine zermürbende Vorbereitung. Umso mehr jubelte sie am Donnerstag über die Nachricht, dass alle 13 Namibier das Visa bekommen haben. In Westerkappeln wollen die Bläser aus Khorixas und die „Confession“-Mitglieder täglich Workshops abhalten. Dabei wird nicht nur musiziert, sondern auch eine Ausstellung zum Thema „Ungerechtigkeit beseitigen“ erarbeitet. Diese soll am 1. Oktober im Haus Bonhoeffer nach dem Erntedankgottesdienst eröffnet werden. Dort gibt es auch eine Cafeteria.

Der Posaunenchor aus Westerkappeln war auch schon in Namibia.

Der Posaunenchor aus Westerkappeln war auch schon in Namibia. Foto: privat

Anschließend beginnt das Musikfest. Auf der Bühne am Kirchplatz stehen dann neben den Posaunenchören aus Khorixas und Westerkappeln sowie der Band „Confession“ auch der Spielmannzug Velpe, das Gitarrenduo Jule und Marleen aus dem Süden und die „Kellerasse“, eine Band der Ledder Werkstätten. Zum Schluss, ab etwa 16 Uhr, tritt „Peter Pieper“ auf, eine Rock-Coverband bestehend aus fünf jungen Männern aus Osnabrück, die dieses Jahr auch beim Hasestraßenfest im Rahmen der Maiwoche zu hören war. „Die können locker vier bis fünf Stunden spielen“, verrät Wehmeier, dass das „kleine Musikfest“ doch größer werden könnte.

Größer als in den Vorjahren wird auf jeden Fall die Oldtimer-Rallye, die der MSC Westerkappeln – zum mittlerweile zwölften Mal – austrägt. Das betrifft weniger die Teilnehmerzahl, sondern vielmehr das Rahmenprogramm. Denn der Club hat den 1. Oktober zum „Tag des Motorsports“ ausgerufen.

Auf die Idee sei der Verein gekommen, weil es zunächst ja keinen Kürbismarkt geben sollte, erzählt Martin Görtemöller, zweiter Vorsitzender des MSC und auch dieses Jahr wieder Moderator der Rallye. Auf dem Kirchplatz bietet der Club einige Aktionen und Hingucker an, die nicht nur Motorsportfans ansprechen dürften.

Der „Tag des Motorsports“ macht seinem Namen alle Ehre: Unter anderem können die Besucher in einem Fahrsimulator auf die Rennstrecke gehen. „Meines Wissens ist das der technisch hochwertigste, den es zurzeit gibt“, sagt Görtemöller.

Das Team Bonk aus Münster wird zwei Rennwagen aus der Deutschen Langstrecken-Meisterschaft ausstellen. Auch ein Rallye-Auto wird zu sehen sein. Überdies ist die vereinseigene Kartgruppe am Start.

Und das ist noch lange nicht alles: Der MSC will auch ein kleines Seifenkistenrennen veranstalten, und ein Elektrokart aus dem Nettedrom ist ebenfalls beim „Tag des Motorsports“ dabei. „Wir wollen zudem die Elektro-Mobilität anschieben“, betont Görtemöller. Deshalb sollen auch mehrere Elektrofahrzeuge auf dem Kirchplatz „parken“ – unter anderem ein Tesla. Mit Hüpfburg, Kinderkarussell, Imbiss- und Getränkestand wird die Autoshow komplettiert.

Zur 12. Westerkappelner Oldtimerrallye werden bis zu 70 alte Autos und Motorräder erwartet.

Zur 12. Westerkappelner Oldtimerrallye werden bis zu 70 alte Autos und Motorräder erwartet. Foto: Frank Klausmeyer

Zur 12. Westerkappelner Oldtimerrallye – Start um circa 11.30 Uhr vor dem Rathaus – erwartet Görtemöller etwa 60 bis 70 Autos und Motorräder, die älter als Baujahr 1990 sein müssen. Besonders freut er sich über die Anmeldung eines 90 Jahre alten Rolls Royce. „Das ist schon etwas ganz Besonderes.“

Kommentar: Viel Potenzial

Arbeitskreis Westerkappeln“ – unter diesem Titel hat die Gemeindeverwaltung einen Diskussionsprozess angestoßen, an dessen Ende möglichst ein neuer Verein gegründet werden soll, der das Erbe der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe antritt, der aber auf einem deutlich breiteren Fundament steht. Welches Potenzial in der Gemeinde schlummert, zeigt der 1. Oktober, wo der Kürbismarkt, der „Tag des Motorsports“ sowie ein Musikfest gleichzeitig und nebeneinander stattfinden. Dass die verschiedenen Organisatoren zunächst nichts von den Plänen der jeweils anderen wussten, ist unter dem Strich nebensächlich. Denn die drei Veranstaltungen konkurrieren nicht, sondern befruchten sich gegenseitig und damit den schwächelnden Ortskern. Den Veranstaltern wünscht man Erfolg und viele Besucher. Dafür sollte jedoch noch mehr Werbung gemacht werden – auch über den Westerkappelner Tellerrand hinaus. Frank Klausmeyer

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