Fr., 29.09.2017

Straßenkunde: Das Müörlenkau in Westerkappeln gibt Rätsel auf Entenfang oder Bach

Kreuzung Rabenstraße/Lauhügel: Die umliegenden Wiesen waren früher nicht selten tagelang überschwemmt.

Kreuzung Rabenstraße/Lauhügel: Die umliegenden Wiesen waren früher nicht selten tagelang überschwemmt. Foto: Astrid Springer

Westerkappeln - 

Die Wiesen rund um die Kreuzung Meese tragen einen eigentümlichen Namen: Müörlenkau heißt das Gebiet im Volksmund.

Von Astrid Springer

Der damit bezeichnete Landstrich ist ziemlich weitläufig; er reicht von der Rabenstraße über den Lauhügel bis jenseits der Ibbenbürener Straße in Richtung Norden. Sogar Riedeweg und Waldweg bis in den Sieken zählen noch dazu.

Die Nachbarschaft hier hat sich den Namen ebenfalls zu eigen gemacht, wobei sich allerdings niemand der Anwohner einen Reim darauf machen kann.

Das Müörlenkau oder Müölenkau ist nass: Tiefe Gräben durchziehen das Gebiet, in den Wiesen gibt es nasse Senken und jede Menge Binsen. Alteingesessene Anwohner erinnern sich, dass die Felder im Müörlenkau teils wochenlang überschwemmt waren. Manche Senke ist dabei auffallend tief, beispielsweise jenseits der Kreuzung Rabenstraße und Lauhügel.

Naheliegend, bei Müörlen an Mühlen zu denken und dieser Anschluss wäre für die Mundart im Tecklenburger Land gar nicht so unwahrscheinlich: Im regionalen Platt wurde häufig ein „r“ zugefügt, wo eigentlich keines war. Rhotazismus heißt diese Art der Sprachüberprägung. Der Flurname wurde 1984 als Mühlenkau in die Flurkarte eingetragen.

Fragt sich nur, welche Mühle hier gemeint sein sollte. Ein Bezug zum entfernten Windmühlenberg drängt sich nicht gerade auf, auch die Mühle am Gut Velpe liegt entfernt hinterm Esch. Und über eine verschollene Mühle ist nichts bekannt. Zudem heißt die ältere Version des Flurnamens von 1827 Münnenkau und erinnert so gar nicht an eine Mühle.

Eine Herleitung geht davon aus, dass Münnenkau aus Münnenk und Au zusammengesetzt ist. Au wäre wie Aa ein Wasserlauf, den es hier durchaus gibt: Nördlich fließt der Schultenbach, südlich der Mühlenbach.

Münnenk könnte sprachlich auf Mönche hindeuten oder von einem alten Vornamen abgeleitet sein. Von Mönchen weiß man hier allerdings nichts, lediglich der Familienname Mönkhaus ist für Westerkappeln belegt. Einen Munno oder Munni könnte es aber durchaus hier gegeben haben. So stammt der Familienname Munsberg aus Danebrock und ist aus dem Vornamen Munni und einem Berg zusammengesetzt.

Es gibt tiefe Gräben und nasse Senken.

Es gibt tiefe Gräben und nasse Senken. Foto: Astrid Springer

Die Flächen eines Munni wären dann die Münn-ing gewesen, -ing als typischer Anhang, der anzeigte, wo etwas ist. Mundartlich überprägt könnte daraus eine Münnenk-Au geworden sein: da, wo die Au des Munno oder Munni fließt.

Eine spannende Alternative zur Erklärung der Ortsbezeichnung wäre aber auch die Spaltung in „Müölen“ und „Kau“: Kau war im Plattdeutschen eine Koje, die bisweilen auch in der Bedeutung Fang benutzt wurde – ein eingezäuntes Gebiet, altenglisch cove: Bucht, Grube, Höhle, Schlupfhafen.

Damit hätte man sozusagen eine eingefriedete Grube, was die Gegebenheiten an der Rabenstraße gut beschreibt. Der auffallend eingetiefte Bach fließt durch das lang gezogene Tal in Richtung Wassermühle und durch die vorgelagerte Vrechte ab. Auffällig: Vrechte meint dabei ebenfalls ein eingezäuntes Gebiet, ist also eine sprachliche Parallele zum Kau. Zudem soll die Vrechte früher die Grenze der zur Mühle gehörenden Flächen gekennzeichnet haben.

Im Tal jenseits der Rabenstraße, in das auch das vorgelagerte Müölenkau entwässert, dürften sich Wild und Enten seit jeher wohlfühlen. Die Bezeichnung Kau im Sinne von Koje, Höhle, Grube wäre also naheliegend für so einen Ort, beispielsweise für einen Entenfang.

Das Bestimmungswort Mühle käme in dem Fall von der Velper Wassermühle. Im Laufe der Jahrhunderte wäre der Name dann auf die sumpfig-nassen Müölenkau-Wiesen und benachbarte Flächen übertragen worden.

Allerdings hat diese Herleitung eine kleine Schwäche: Sie bietet keinen Anschluss an den 1827 belegten Flurnamensvorgänger Münnenkau.

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