Fr., 13.10.2017

Flur- und Straßenkunde Kein Cappeln ohne Kapelle

Blick von Norden (1920): Rund um die Kirche siedelten sich die Häuser an, der Ortskern von Westerkappeln entstand. Der Weg ist das Steinpättken. Das Luftbild vom Westerkappelner Ortskern entstand im Jahr 1935.

Blick von Norden (1920): Rund um die Kirche siedelten sich die Häuser an, der Ortskern von Westerkappeln entstand. Der Weg ist das Steinpättken. Das Luftbild vom Westerkappelner Ortskern entstand im Jahr 1935. Foto: Repro: Astrid Springer

Westerkappeln - 

Auf dem Gebiet der Gemeinde Westerkappeln lebten schon vor tausenden Jahren Menschen. Zu der Zeit hat an den Namen Westerkappeln allerdings noch niemand gedacht. Früher hieß es einfach Cappeln.

Von Astrid Springer

Dass Westerkappeln bereits früh als Siedlungsort entdeckt wurde, davon zeugen Funde der Federmesser- und Trichterbecherkulturen. Letztgenannte wird in eine Zeit zwischen 6000 und 2000 v. Chr. datiert, auch die Sloopsteine gehören in diese Frühzeit, die Federmesser-Menschen lebten sogar noch früher hier, rund 11 000 Jahre v. Chr.

Zu der Zeit hat an den Namen Westerkappeln allerdings noch niemand gedacht, denn: kein Cappeln ohne Kapelle – der Ortsname setzt die Existenz einer Kapelle oder Kirche zwingend vorraus.

Namentlich erwähnt wird Westerkappeln erstmals Mitte des 11. Jahrhunderts im Güterverzeichnis des alten westfälischen Klosters Corvey, damals noch als Capellun. 1188 heißt es „Kappelen prope Thekeneborch“ – Cappeln bei Tecklenburg.

Die Keimzelle von Westerkappeln war dabei vermutlich ein Wirtschaftshof, der ebenfalls dem Kloster Corvey zugeordnet wird, der sogenannte Curtis Cappeln. Erwähnt wird dieser in Verträgen 1231und 1278, als die Curtis Cappeln samt Kirche an das Kloster Gravenhorst übergeht.

Diese erste Westerkappelner Kapelle soll aus dem späten 9. Jahrhundert stammen. Dabei nahm man lange an, dass sie im Zuge der Christianisierung durch Karl den Großen gegründet wurde. Jüngere Erkenntnisse sprechen allerdings dafür, dass es sich vielmehr um eine Eigenkirche des Klosters Corvey handelte, die auf dem Gelände des von Corveyer Mönchen bewirtschafteten Hofes errichtet wurde.

Die Kirche und ein zugeordneter Wirtschaftshof, möglicherweuise der Dölhof, waren die Keimzelle v on Westerkappeln. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1905.

Die Kirche und ein zugeordneter Wirtschaftshof, möglicherweuise der Dölhof, waren die Keimzelle v on Westerkappeln. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1905.

Neben der Listung im Corveyer Einkünfteverzeichnis spricht dafür auch die Erwähnung des Heiligen Stephanus als Heiliger der Cappelner Kirche, der eben auch der Heilige des Klosters Corvey war.

Burg, Kirche und Gutshof dürften eine frühe Einheit gebildet haben. Mit dem Bau der Kirche ging der Namenszusatz „Capellun“ auf den Wirtschaftshof (Curtis Cappelun), die Burg Cappeln (Castrum Cappelun), den entstehenden Ort und später auch auf den Adelssitz Haus Cappeln über.

Auf der ehemaligen Burg Cappeln lebten die Cappelner Freigrafen, die zwei Gerichtsstühle innehatten: Coddenrodde (Konrott) und Cappeln. 1178 ist ein Heinricus de Cappele, 1189 ein Herimannus de Cappelle bezeugt.

Zu der Zeit existierten auch bereits die umliegenden Bauerschaften: erstmals urkundlich erwähnt sind im 12. Jahrhundert Sennlich (1097), Hambüren (1142), Handarpe (1146), Westerbeck (1178) und Wallenbrock (1188).

Das Luftbild wurde 1935 aufgenommen.

Das Luftbild wurde 1935 aufgenommen.

Zu den ältesten benannten Cappelner Hofstellen gehören Hof Hollenberg, Gentrup, Hake, Hagenberge, außerdem Aldrup, Berlekamp, Buller, Borgmann, Bünemann, Diersmann, Eismann, Groethues, Gude, Lüdinghaus, Wesseling sowie Hinnah und später Harte, Puls, Twiehaus, Diekmann, Simon, Wilsmann, Konermann, Burrichter und weitere mehr. 1244 wird Cappeln erstmals nach der Himmelsrichtung unterschieden: Priester Heinrich wird der Zusatz de Westercappele beigefügt, 1278 heißt es dann Westercappelen.

Trotz allem bleibt es im lokalen Einzugsbereich noch lange Zeit bei Cappeln als Ortsname. Erst nach 1885 tauchen auch erste Dokumente mit „Westerkappeln“-Amtsstempeln auf.

Zu der Zeit besitzt Cappeln sogar Stadtrechte, die ihm 1723 von den Preußen verliehen wurden. 1806 kam Cappeln unter französische Herrschaft. Noch bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts galt Westerkappeln als Stadt, 1939 wurden diese Rechte allerdings aberkannt.

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