Sa., 21.10.2017

Landwirtschaft, Wasserversorger und Naturschutz stellten sich kritischen Fragen Dauereinsatz für sauberes Wasser

Grundwasserqualität heute und morgen  – darüber diskutierten in Hopsten Franz-Josef Siering, Thomas Feltmann (von links) und Wilfried Wiefermann (rechts) vom gastgebenden SPD-Ortsverein Hopsten sowie Dorothee Gerleve-Oster, Geschäftsführerin der Kreisstelle der Landwirtschaft, WTL-Geschäftsführer Johann Knipper, Kreislandwirt Hermann Borchert und Rainer Seidl von der ANTL.

Grundwasserqualität heute und morgen  – darüber diskutierten in Hopsten Franz-Josef Siering, Thomas Feltmann (von links) und Wilfried Wiefermann (rechts) vom gastgebenden SPD-Ortsverein Hopsten sowie Dorothee Gerleve-Oster, Geschäftsführerin der Kreisstelle der Landwirtschaft, WTL-Geschäftsführer Johann Knipper, Kreislandwirt Hermann Borchert und Rainer Seidl von der ANTL. Foto: Stephan Beermann

Tecklenburger Land - 

Das war eine von diesen Veranstaltungen, von denen man hinterher sagt, sie hätten mehr Besucher verdient. Und wo man sich achselzuckend fragt: Warum kommen nicht mehr Menschen zu einem Informationsabend, an dem es um ein Lebens-Mittel im buchstäblichen Sinne geht, nämlich ums Wasser.

Von Stephan Beermann

Eine mögliche Erklärung gab Wilfried Wiefermann, der im Namen der einladenden SPD-Ortsvereine Hörstel, Hopsten, Westerkappeln, Recke und Mettingen Westerkappeln eine auserlesene Expertenrunde im Bürgerhaus Veerkamp in Hopsten vorstellte. Wiefermann sagte nämlich: „Was wissen wir vom Wasser? Es kommt aus dem Kran und schmeckt.“ Damit begnügen sich wohl 99 Prozent der Bevölkerung, jedenfalls im Tecklenburger Land. Dies aus dem Vertrauen heraus, dass ihr Wasser aus dem Wasserhahn weder keimbelastet noch chloriert oder sonst wie verunreinigt ist. Zu zeigen, dass dies alles andere als selbstverständlich ist, das war an diesem Abend die besondere Leistung der Experten aus Wasserversorgung, Landwirtschaft und Umweltschutz. Es erfordert nämlich enorme Anstrengungen, unser Wasser aus Brochterbeck, Dörenthe, Lehen und anderen Gewinnungsgebieten vornehmlich im südlichen Tecklenburger Land so rein zu gewinnen, dass die bereits hochgesteckten Standards nochmals übertroffen werden.

In den vergangenen Jahren stand die Nitratbelastung im Fokus des öffentlichen Interesses. Als Hauptschuldiger wird oft die Landwirtschaft und die Ausbringung von Gülle auf den Feldern ausgemacht. Die Landwirtschaft wiederum fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Zeit also, miteinander zu reden und Fakten zusammenzutragen. An Daten und Zahlen mangelte es Dienstag wahrlich nicht.

Den Einstieg in die Problemanalyse machte Johann Knipper. Der Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbands Tecklenburger Land (WTL) machte deutlich: Im Gewinnungsgebiet gibt es in der Erde keine durchgehenden Deckschichten. Das heißt: „Was oben draufgegeben wird, kommt unten irgendwann an. Die Qualität hängt davon ab, was die Landwirtschaft oben abgibt.“

Seit fast 30 Jahren unterhält der WTL eine Kooperation mit den Landwirten. Bis auf vereinzelte Ausreißer sei es so gelungen, in den vergangenen zehn Jahren den Nitratgehalt deutlich zu senken. Im Rahmen dieser Kooperation erhalten rund 600 Landwirte im Kreis Geld unter anderem dafür, dass sie in sensiblen Bereichen die Felder extensiv bewirtschaften. Auch der Aufkauf landwirtschaftlicher Flächen mache sich beim Nitratwert bemerkbar, so Knipper. Derzeit zahle der Verbraucher drei Cent pro Kubikmeter Wasser für die Kooperation. Das ist gut investiertes Geld. Denn sollte das Wasser einen bedenklichen Nitratgehalt aufweisen, wären 20 bis 40 Cent zusätzlich pro Kubikmeter fällig. Es geht hier also auch um die Beitragshöhe für den Verbraucher.

Gülle-Tourismus, Wasser-Spartaste, Dünger

Auch diese drei Themen beschäftigten die Zuhörer:

► Es gibt die verbreitete Annahme, dass aus den Niederlanden zusätzliche Güllelieferungen in den Kreis Steinfurt importiert werden. Teils stünden große Güllecontainer neben den Feldern. Hierzu stellte Kreislandwirt Borchert fest, dass die Güllecontainer von den heimischen Bauern als Zwischenlager für die eigene Gülle aufgestellt werden. Dies soll Transportwege sparen.

► Die Wasser-Spartaste im Haus sieht der WTL eher kritisch: Ist der Pro-Kopf-Verbrauch zu gering, könne dies das Wasserversorgungsnetz belasten.

► Ein Landwirt unter den Zuhörern machte darauf aufmerksam, dass auch privat eingesetzter Rasen-Dünger Böden belastet.

Die Landwirtschaft hat schon längst reagiert. Darauf machte Knipper aufmerksam und Kreislandwirt Hermann Borchert erläuterte es auch aus Sicht der Landwirte. Beratungen, Fortbildungen und der Anbau von Zwischenfrüchten sollen dazu beitragen, möglichst wenige Nitrate aufzubringen oder so zu wirtschaften, dass keine Nitrate in den Grund weggespült werden. „Die Vorgaben wurden deutlich verschärft“, unterstrich auch Dorothee Gerleve-Oster, Geschäftsführerin der Kreis-Landwirtschaftskammer. Allein in ihrer Behörde seien mehr als hundert Menschen rund ums Wasser und Viehhaltung beratend tätig. Und es seien nicht allein die Landwirte – auch Kleinkläranlagen und die Kläranlagen der Kommunen leiten Unliebsames ein, etwa Phosphor.

Als Vertreter der Vertreter der Naturschutzverbände im Kreis Steinfurt unterstrich Rainer Seidl (ANTL): „Die Landwirtschaft ist ein Verschmutzer, nicht der einzige.“ Hier zog er den Bergbau und insbesondere kommunale Einleiter zur Verantwortung, namentlich Hörstel und Ibbenbüren. Noch immer würden zu viele Medikamente den Gewässern zugeführt, was zum Beispiel den Fischbestand beeinflusst. Alle Experten am Tisch konnten Seidl zustimmen, als er sagte: „Was wir heute versauen, haben wir in 30 Jahren wieder da.“

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