Sa., 13.01.2018

Verbrecherjagd nach Überfall in Westerkappeln Schießwütige Räuber

Der Bericht über das Geschehen war ausführlich und reich bebildert.

Der Bericht über das Geschehen war ausführlich und reich bebildert. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Westerkappeln/Tecklenburger Land - 

Es war eine Räuberpistole, wie sie sich beileibe nicht alle Tage im Tecklenburger Land ereignet und die in Westerkappeln begann. Ein bewaffneter Überfall, eine rasante Verfolgungsjagd, flüchtige Täter, die auf die Polizei schießen – und schließlich das Happy End mit der Festnahme der beiden Spitzbuben.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Die Ereignisse, die am 6. März 1971 im „Tecklenburger Landbote“ geschildert wurden, hatten Zutaten, „wie sie in einem echten Krimi nicht besser sein können“. Allerdings dürfte einigen der Beteiligten dabei ein ordentlicher Schrecken in die Glieder gefahren sein.

Das dramatische Geschehen begann am Tag zuvor am Vormittag. „Im Laden des Lebensmittelgeschäfts Rieskamp-Goedeking an der Mettinger Straße in Westerkappeln bediente die Geschäftsinhaberin gerade eine Kundin, als die Tür aufflog und zwei Männer hereinstürmten, die ihre Gesichter durch Strumpfmasken unkenntlich gemacht hatten. ,Geld her, los schnell, schnell!‘, lautete die unmissverständliche Aufforderung des Gangsters.“

Doch so recht fruchtete das nicht bei Hilde Rieskamp-Goedeking. „Wenn sie Geld haben wollen, dann machen sie die Kasse doch selber auf“, lautete ihre Antwort. Genau in dem Moment, in dem die Chefin dennoch eingreifen wollte, weil sie sah, dass die Räuber ihre Kasse zerstören würden, fiel ein Schuss. „Haarscharf flog die Kugel über ihren Kopf in ein Regal, durchschlug fünf Pfanni-Puffer-Packungen und blieb schließlich in der Wand stecken.“

Die Täter hinderten schließlich noch eine Kundin an der Flucht, zerrissen ein Telefonkabel, um wohl zu verhindern, dass die Polizei unmittelbar nach ihrer Flucht benachrichtigt würde, und türmten schließlich mit nur 100 Mark.

Ihr Pech: Der Wirt des Hauses hatte kurz zuvor einem jungen Mann Zigaretten verkauft. Als der das Geschäft verließ, schaute ihm der Westerkappelner hinterher und sah, dass der Unbekannte – es war einer der Täter, wie sich später herausstellte – in ein Auto mit Herforder Kennzeichen stieg. Das erzählte der Wirt der Polizei, die so dem Duo schnell auf die Spur kam.

Doch für die Flüchtigen kam es noch dicker: „In Brochterbeck-Niederdorf nahmen die Burschen eine Kurve so scharf, dass der Wagen schleuderte und im tiefen Sand stecken blieb.“ Über eine Wiese liefen sie davon und eröffneten dabei mit ihrer Maschinenpistole das Feuer auf die Polizisten, die ihnen auf den Fersen waren. So schafften sie es zum Bauernhof Staggemeier, wo sie auf den nichts ahnenden 27-jährigen Sohn Reinhard trafen. Als sie ihm 20 Mark für eine Fahrt nach Osnabrück boten, willigte der ein.

„Inzwischen hatte Münster einen Polizeihubschrauber eingesetzt, der mit dem Lengericher Polizeichef Paschen die Gegend absuchte. Weiter waren Beamte aus Münster, Münster-Land, Burgsteinfurt, Warendorf und dem ganzen Kreis Tecklenburg im Gelände zur Suche eingesetzt.“

Die Räuber ließen sich zunächst auch nicht von einem Streifenwagen stoppen, der an der Auffahrt zur Autobahn 1 stand. Ihrem Chauffeur hielt einer der beiden den Lauf der Maschinenpistole an der Hals, als der zunächst bremsen wollte. Verbunden war das laut „Tecklenburger Landbote“ mit den Worten „Ich jage dir die ganze Ladung in den Kopf, wenn du anhältst“.

Nun ging es Richtung Lotter Kreuz, gefolgt von der Polizei, die den Fluchtwagen unter Beschuss nahm und das Auto schließlich von der Fahrbahn drängte. Als Reinhard Staggemeier seinen Wagen in dieser Situation zum Stehen brachte, verletzte er sich. „Während der Fahrt hatte der 27 Jahre alte Fahrer die Beamten auf seine Hilflosigkeit aufmerksam machen wollen. Die Polizei konnte sich aber aus den Gesten des Mannes keinen Vers machen.“

Die Räuber erkannten da bereits die Ausweglosigkeit ihrer Situation – „Jetzt hat es keinen Zweck mehr, wir müssen uns ergeben“ – und nahmen die Waffe vom Hals des Brochterbeckers. Sie wurden festgenommen und zur Wache nach Lengerich gebracht. Aussagen wollten sie gegenüber der Polizei nicht. Auf die Frage, wie er heiße, antwortete einer von ihnen laut Zeitungsbericht „Ihr könnt mich mal“.

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