Mi., 29.01.2014

Ralf Najorka kündigt Kandidatur an „Ich will Bürgermeister werden“

Am Küchentisch lässt Ralf Najorka die Katze aus dem Sack und kündigt seine Kandidatur fürs Bürgermeisteramt an.

Am Küchentisch lässt Ralf Najorka die Katze aus dem Sack und kündigt seine Kandidatur fürs Bürgermeisteramt an. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln - 

„Ja, ich möchte Bürgermeister werden“, sagt Ralf Najorka. Der Mann traut sich was. Am 25. Mai will er als unabhängiger Kandidat Ullrich Hockenbrink (SPD) als Westerkappelner Verwaltungschef ablösen.

Von Frank Klausmeyer

Der Mann traut sich was. „Ja, ich möchte Bürgermeister werden. Gerne!“, sagt Ralf Najorka und schlürft an einer Tasse Kaffee. Beim Pressegespräch in der schlichten Küche seines Hauses Am Dölhof tritt der 50-Jährige an die Öffentlichkeit, die bislang keine Notiz von ihm genommen hat. Wie auch ? Najorka war bislang nur ein Privatmann, der zwar in dem einen oder anderen Verein Mitglied ist, aber immer nur eines von vielen. Politisch ist er völlig unbefleckt. Gerade in dieser Unabhängigkeit sieht er seine Stärke.

Dass er die Verwaltung leiten kann, traut er sich ohne Weiteres zu. Und dass er Bürgermeister Ullrich Hockenbrink (SPD) am 25. Mai ablösen kann sowieso. „Ich nehme bei den Leuten eine gewisse Wechselstimmung wahr“, sagt der Diplom-Betriebswirt.

Der Gedanke, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, gärt in ihm nach eigenen Worten schon lange. „Ich hatte das persönlich aber erst für 2015 auf der Kette“, räumt der Westerkappelner ein. Hockenbrinks vorzeitige Kandidatur habe ihn schon überrascht. „Das ist aber nicht dramatisch“, findet er.

„Ich wünsche den Westerkappelner Bürgern den Mut zu Veränderungen und dass sie mir dazu die Möglichkeit geben, das umzusetzen“, sagt er. Was er verändern will, kann er noch gar nicht so genau sagen. „Ich habe kein Wahlprogramm, weil ich die Hintergründe gar nicht kenne“, räumt er freimütig ein.

Offensichtlich ist für ihn aber, „dass im Ortskern nicht alles gut läuft.“ Insbesondere die Leerstände in den Geschäften gelte es zu beseitigen. Der Unternehmer Thorsten Lorenz mache immerhin schon eine Menge. „Der krempelt die Arme hoch“, lobt Najorka.

Im Rathaus liege auch wohl Einiges im Argen. Da scheine es beim Personal an Menschenführung zu mangeln. Und für die Bürger will er ein offenes Rathaus schaffen. Zur Arbeit Hockenbrinks will er sich nicht äußern. „Das steht mir nicht zu.“

Verwaltungserfahrung bringt Najorka mit, wenngleich nur wenig, womit wir an dem Punkt angelangt wären, den selbst ernannten Herausforderer näher vorzustellen. Geboren wurde er am 16. Dezember 1963 in Flensburg. Gelebt hat er dort aber nie. Von 1963 bis 1969 wohnt die Familie in der Bauerschaft Düte. Sein Vater ist bei Maler Budke in Alt-Lotte beschäftigt.

Zur Person

► Alter: 50 Jahre►Familienstand: geschieden, zwei Töchter (23 und 18), ein Sohn (21)►Beruf: Diplom-Betriebswirt►Arbeitgeber: Sanitop-Wingenroth (Warendorf): dort Senior-Controller und Betriebsratsvorsitzender►►Religion: konfessionslos►Politik: parteilos►Hobbys: Sport (Walken), Doppelkopf, Motorrad fahren

Dort besucht Najorka nach einem Umzug auch die Grundschule. Nach der Mittleren Reife an der Realschule Westerkappeln beginnt er 1980 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Lotte. Ein Überflieger war Najorka wohl nicht, dauerte die Ausbildung für ihn doch ein Jahr länger. „Die Zeit war prägend für mich“, sagt der 50-Jährige.

Es folgen Bundeswehr, Fachabitur an den Kaufmännischen Schulen in Ibbenbüren und ein Betriebswirtschaftsstudium in Münster. Najorka geht in die freie Wirtschaft. Erster Arbeitgeber ist Derby Cycle in Cloppenburg, zu der Zeit zweitgrößter Fahrradhersteller in Deutschland, wo Najorka Assistent des Controllers wird. „Controlling war immer meine Leidenschaft“, sagt er.

In dieser Funktion lernt er in den folgenden Jahren einige Arbeitgeber kennen, angefangen von der Papierfabrik Schoeller in Osnabrück, über den Stahlbauer Wurst in Bersenbrück und den Fleischwarenfabrikanten Dieter Hein in Hasbergen bis hin vor neun Jahren zu Sanitop-Wingenroth in Warendorf, laut Najorka Deutschlands größter Logistiker für Baumärkte im Bereich Sanitärartikel. Dort ist er Senior-Controller und seit vier Jahren Betriebsratsvorsitzender, der die Interessen von rund 350 Mitarbeitern vertritt.

Aus seinen beruflichen Erfahrung leitet er auch die Qualifikation für die Verwaltungsleitung ab. „Ich bin Kaufmann. Der Bürgermeister muss vorrangig haushalten mit dem von Steuerzahlern zur Verfügung gestellten Geld. Das kann ich.“ Personalführung sei ihm sowohl aus seiner Aufgabe in Warendorf als auch aus seiner Tätigkeit im Betriebsrat nur zu vertraut.

Privat zieht Najorka nach einigen Jahren in Georgsmarien-Hüttemit seiner heute von ihm geschiedenen Frau und drei Kindern 1996 nach Velpe, wo die Familie ein Haus gebaut hat. Nach der Scheidung wohnt er zunächst an die Friedensstraße, vor dreieinhalb Jahren hat er das Haus Am Dölhof (gegenüber der Tankstelle Krug) aus einer Zwangsversteigerung erworben. „Mich interessiert eigentlich nur das Grundstück, weil ich hier neu bauen möchte.“

Aber Priorität hat jetzt seine Kandidatur. Vor den Karren einer Partei will sich Najorka dabei nicht spannen lassen. „Wer mich unterstützen will, kann das natürlich gerne tun.“

Erst einmal braucht Najorka genügend Unterstützer für seine Bewerbung. 130 Unterschriften muss er bis zum 7. April im Rathaus einreichen. „Das wird kein Problem“, ist er überzeugt. Vergangenen Donnerstag hat er die Unterlagen abgeholt. Bis Dienstagabend hatte er nach eigenen Angaben schon 40 Sympathisanten gefunden.

Wahlkampf wird er nur auf kleiner Flamme führen können. „Meine finanziellen Mittel sind bescheiden.“ Mit Mund-zu-Mund-Propaganda, Handzetteln und Öffentlichkeitsarbeit hofft er, genügend Bürger zu erreichen und von sich zu überzeugen. „Außer Zeit und ein bisschen Geld habe ich ja nichts zu verlieren.“

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