MV-Serie Unternehmen im Porträt
Do., 10.12.2009
XXL-bikes: Das Radeln ganz neu erleben
Von Wolfgang Attermeyer Wettringen. Jahrelang hat er sich angepasst und ist auf die Zweiräder gestiegen, die ihm in Geschäften angeboten wurden. Doch Frank Raußen war damit nicht zufrieden. Der 1,97 Meter große Wettringer wollte sich nicht länger mit irgendwelchen Rädern abgeben. Er wollte das perfekte, das passende Rad für sich. Als er feststellte, dass es das nicht gibt...
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<1>Wettringen. Jahrelang hat er sich angepasst und ist auf die Zweiräder gestiegen, die ihm in Geschäften angeboten wurden. Doch Frank Raußen war damit nicht zufrieden. Der 1,97 Meter große Wettringer wollte sich nicht länger mit irgendwelchen Rädern abgeben. Er wollte das perfekte, das passende Rad für sich. Als er feststellte, dass es das nicht gibt, stellte er es selbst her. Und erlebte das Radfahren ganz neu. Daraus entstand im März 2006 eine neue Firma: „XXL-bikes“.
Frank Raußen und seine Frau Ruth führen gemeinsam das Unternehmen, das in Deutschland einzigartig ist. Hier gibt es neben Zweirädern für Leute mit „normaler“ Körpergröße eine große Auswahl von Trecking-, Fitness-, City-, Reise- und Hollandrädern in Übergröße. Die Rahmenhöhen fangen da an, wo „bei anderen längst Schluss ist“. Darüber hinaus hat sich die Firma auf die Herstellung und Montage von Sonderanfertigungen spezialisiert. „Das wird immer mehr“, hat Frank Raußen (36) festgestellt. Dabei wird dann das komplette Rad auf die Wünsche und Anforderungen des Kunden zugeschnitten.
Auf dem Weg zum perfekten Fahrrad beginnt man bei „XXL-bikes“ damit, den Kunden zu vermessen. Besonders wichtig ist dabei die Innenbeinlänge. Frank Raußen selbst kommt hier auf 97 Zentimeter und kennt daher die Probleme und Anforderungen. Außerdem kann man Räder mit unterschiedlichen Rahmen - das wichtigste Teil des Rades - testen. Auch das Gewicht des Fahrers wird aufgenommen. „Auch das ist bei der Herstellung des Rads wichtig“, betont Frank Raußen. Neben großen Menschen zählen auch schwere Menschen zum Kundenkreis. Bleibt noch die Frage nach der Art: Wofür wird das Rad gebraucht - Freizeit, Urlaub, Sport? Danach werden Rahmen und Rahmengeometrie festgelegt. „Nur wenn diese beiden Komponenten zum Kunden passen, wird er sich später auf dem Fahrrad auch wohlfühlen“, ergänzt Ruth Raußen (47).
Es folgen Räder, Lenker, Ausstattung - auf Wunsch alles individuell und beratungsintensiv, bis das Rad steht. „Dann lassen wir einen Rahmen fertigen. Zum Schluss montieren wir alle Einzelteile. Teilweise machen das Firmen, teilweise machen wir das in unserer Werkstatt selbst“, so Frank Raußen.
<2>Und so kommen Interessierte aus dem gesamten Bundesgebiet ins beschauliche Wettringen zu „XXL-bikes“, weil es auf dem Markt nur wenige fertige Großräder gibt. Und schon viele Leute - auch aus den Nachbarländern von der Schweiz bis nach Dänemark oder sogar China - haben hier endlich das passende Fahrrad gefunden.
Was anfangs als kleine Nebentätigkeit begann, entwickelte sich schnell zum Renner. „Wir haben gedacht, dass wir ab und zu ein Rad aus der Garage verkaufen“, erinnert sich Ruth an die Anfänge, auch wenn klar war, dass sie in eine Marktlücke stoßen. Doch die Nachfrage riss nicht ab, bis irgendwann die Kapazitäten nicht mehr reichten. So zog „XXL-bikes“ im September 2009 vom Mesterkamp an die Burgsteinfurter Straße. Hier sind Laden, Werkstatt, Büro und Lager jetzt an einem Standort vereint. Im Innenhof ist eine Probefahrt möglich.
Die notwendigen Kenntnisse über Technik und Mechanik hat Frank Raußen vielfach aus seinem Job als Maschinenbaumeister. Im Rahmen seiner Ausbildung machte er auch seinen Zweirad-Meister. In vielen Weiterbildungen bei Herstellerbetrieben eignete sich der 36-Jährige dann weiteres Wissen über Statik, Rahmenbau und Material an. Außerdem tüftelt er gerne an Sonderanfertigungen, z.B. bei der Gangschaltung.
„XXL-bikes“ hat mittlerweile viele Freunde. Die Erklärung ist einfach: Nach vielen Stunden Kontakt und Beratung entsteht eine „ganz andere Beziehung“ zum Kunden. Ein „happy end“ ist bei solchen Aufträgen mittlerweile inklusive. „Viele erleben das Radfahren ganz neu und sind einfach glücklich“, berichtet Ruth Raußen.
Frank Raußen kennt diesen Moment. Er weiß: „Viele große Menschen arrangieren sich vorher mit normalen Rädern.“ Wenn sie bei ihm waren, nicht mehr. Aus der Dankbarkeit und Freude dieser Leuten ziehen die beiden Chefs auch viel Motivation. „Ohne Leidenschaft würde das nicht laufen“, erklärt sie. Und Frank ergänzt: „Ich mache das gerne. Es ist wie ein viertes Kind.“ Die Familie Raußen zählt nämlich mit Tom (7), Eva (22) und Linda (24) bereits drei Kinder.
Kontakt: Burgsteinfurter Straße 3, 02557 - 201436.
www.XXL-bikes.de
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