Mo., 29.11.2010

Kreis Warendorf Ruf nach Willkommenstruktur

Von Dierk Hartleb

Kreis Warendorf - Die Landesregierung wird das Komm-In-Programm zur besseren Integration von Zuwanderern 2012 neu auflegen. Das kündigte Zülfiye Kaykin, Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, am Samstag auf dem SPD-Parteitag in der Stadthalle Ahlen an. Kaykin, die selbst einen Migrationshintergrund hat und mit neun Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, wies daraufhin, dass in Nordrhein-Westfalen jeder vierte Einwohner eine Migrationsgeschichte habe. Damit liege der Kreis Warendorf, wo 50 000 Zuwanderer leben, im Landesdurchschnitt. Scharf kritisierte die 41-jährige Sozialdemokratin politische Äußerungen aus der jüngsten Zeit, in denen ein Zuzugsstopp für Menschen aus dem arabischen Raum gefordert wurde. „Ich kann es wirklich nicht mehr hören“, bekundete Kaykin ihre Sympathie mit vielen Migranten, wenn von ihnen immer nur einseitig die Integrationsbereitschaft gefordert werde. „Eine Willkommenskultur benötigt auch eine Willkommensstruktur“, so Kaykin. Ohne diese könne Integration nicht gelingen. Dazu werde die Landesregierung ein Integrationsgesetz vorlegen. Es müsse zu denken geben, wenn immer mehr gut ausgebildete junge türkische Frauen und Männer den Wunsch hätten, nach dem Studium in die Türkei zu gehen, um dort berufstätig zu werden anstatt ihre Qualifikationen dem hiesigen Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen.

In der anschließenden Po- diumsdiskussion stellte Ingrid Woeste, die in Ahlen die Kindertagesstätte Wetterweg leitet, das Rucksackprojekt vor, bei dem sich Mütter für neun Monate verpflichten, gemeinsam mit ihrenKindern bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Auf diese Weise gebe es einen direkten Zugang zu den Müttern, die mit Kindern zusätzlich die Sprache lernten. Ähnlich Positives berichtete Stephanus Stritzke von der Geschwister-Scholl-Schule in Ahlen, die kein Schüler ohne Abschluss verlasse. Viele Kinder würden zur Realschule, zur Gesamtschule oder zum Gymnasium weiter vermittelt.

Zuvor hatte der SPD-Kreisvorsitzende Bernhard Daldrup die Integrationspolitik der schwarz-gelben Bundesregierung kritisiert, die im Zuge der Haushaltsberatungen den Etat für die Projekte „Soziale Stadt“ in der Städtebauförderung auf 350 Millionen Euro zusammengestrichen habe. Gerade diese Gelder kämen der Stadtteilarbeit wie in Ahlen zugute. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer aus Münster empfahl, einmal den heimischen CDU-Abgeordneten zu fragen, wie er sich denn einen Ausgleich vorstelle.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/148539?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F702578%2F702580%2F