So., 29.01.2012

Ein Markt für schnellen Euro Verbraucherzentrale: Anfragen zum Thema „Urheberrecht im Internet“ häufen sich

Ein Markt für schnellen Euro : Verbraucherzentrale: Anfragen zum Thema „Urheberrecht im Internet“ häufen sich

Für Marcus M. sieht Verbraucheranwältin Cordula Bodenstaff keinen Grund zur Sorge. Doch in den meisten Fällen können Internetnutzer nur schwer nachweisen, dass sie etwas nicht heruntergeladen haben. Foto: Peter Schniederjürgen

Ahlen - 

Marcus M. ist verzweifelt. Seit Wochen wird er von immer stärkeren Drohungen einer Anwaltskanzelei heimgesucht. Sein vermeintliches Vergehen: der Download von Videos aus dem Internet. „Die Forderungen steigen, ich habe aber nie was heruntergeladen, schon gar nicht zu dem angegebenen Zeitraum – da war ich im Urlaub“, beteuert der Einzelhandelskaufmann. Seine Hoffnung ruht nun auf der Verbraucherzentrale.

Von Peter Schniederjürgen

Hier schüttet der junge Mann sein Herz und die mittlerweile zum ansehnlichen Ordner geschwollenen Akten aus. Rechtsanwältin Cordula Bodenstaff sichtet zunächst den Schriftverkehr: Ein Packen von sich ständig verschärfenden Anschreiben auf der einen, das „Entlastungsmaterial“ auf der andern Seite. Die Hammenserin kann den Kaufmann beruhigen. „Sie können Ihre Abwesenheit darlegen, somit können Sie zum fraglichen Zeitpunkt gar keine Videos heruntergeladen haben“, macht die Juristin Mut.

„Bei ihm ist das eine klare Sachlage. Das ist leider nicht immer so“, weiß die Anwältin aus Erfahrung. Tatsächlich erlaubt das Urheberrecht das Herunterlanden von Dateien aus dem Internet zum eigenen, privaten Gebrauch. Das Problem liegt woanders, denn wenn so ein Lied, Film oder E-Book heruntergeladen wird, ist oft im Download ein Programm versteckt, das den Zugriff anderer Rechner auf den eigenen Computer erlaubt. „Da setzt der rote Bereich ein“, macht Bodenstaff deutlich. Das ist ein Sachverhalt, den allzu viele Internetnutzer nicht kennen oder ignorieren. In diesem Fall liegt in der Tat ein Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz vor.

Besonders ungesicherte, meist drahtlose Netzwerke öffnen hier kriminellen Downloadern im Wortsinn Tür und Tor. „Viele Nutzer belassen es bei der Werkseinstellung, die naturgemäß weitläufig bekannt ist“, hat die Anwältin erfahren. Sie hat sich in ihrer Kanzlei mit einem herkömmlich verkabelten Netzwerk gesichert. „Leider liegt die Beweislast beim Nutzer, wobei es naturgemäß sehr schwer zu beweisen ist, dass etwas nicht passiert ist“, bedauert die Anwältin. Sie fügt hinzu, dass sich fast täglich die Rechtslage ändert. „Ruhig bleiben und die Verbraucherzentrale einschalten“, rät sie und berichtet von Anwaltskanzleien, die für derartige Verstöße einen Schnellzahlerrabatt anbieten. „Allein das zeigt ja schon die Fragwürdigkeit des Vorgangs“, so die Juristin. „Es ist ein Markt, mit dem ein schneller Euro gemacht werden kann. Wenn von 10 000 Abmahnungen nur zehn bezahlt werden, hat sich das schon gelohnt.“

Marcus M. darf gelassen bleiben. Er kann seine Abwesenheit beweisen. „Kam es in Vergangenheit wirklich mal zum Gerichtsverfahren, ging‘s immer nur um die Anwaltskosten, nie um den Download direkt“, sagt die Verbraucheranwältin.

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