Im klirrend kalten Außendienst

Mi., 08.02.2012

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Bei minus 16 Grad hält nichts mehr warm

Im klirrend kalten Außendienst : Bei minus 16 Grad hält nichts mehr warm

Die Sturmhaube wärmt nur auf den ersten Blick. Drunter gefriert der Atem im Gewebe. Foto: Ulrich Gösmann

Ahlen - 

Die Eiseskälte der vergangenen Tage war schon hart genug. Die 16 Grad minus sind am Dienstagmorgen extrem. „Die Hände fühlen sich wie taub an“, ruft Jens Fricke rüber – und läuft dem Müllwagen hinterher, um irgendwie in Bewegung zu bleiben.

Von Ulrich Gösmann

Die Eiseskälte der vergangenen Tage war schon hart genug. Die 16 Grad minus sind am Dienstagmorgen extrem. „Die Hände fühlen sich wie taub an“, ruft Jens Fricke rüber – und läuft dem Müllwagen hinterher, um irgendwie in Bewegung zu bleiben. Die, die in diesen Stunden nonstop im Außendienst sind, bekommen ein neues Gefühl für Kälte. Und für eine heiße Tasse Kaffee.

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Sieben Uhr, minus 16 Grad, Beginn einer Acht-Stunden-Schicht im freien Fahrtwind. Lange hält es Jens Fricke nicht hinten auf dem Trittbrett aus. Ich dachte: „Was ist denn das?“ Schon nach den ersten Biotonnen verlässt das Feingefühl die Fingerspitzen. Augenblicke später sind die Hände wie taub. Der routinierte Griff zur nächsten Tonne wird zu einem echten Problem. Da hilft nur eines: wechseln und wechseln. Heiße Adresse für das zweite Paar Handschuhe ist die Heizung im 20 Grad warmen Führerhaus. Die andere Sachen bleiben an. Thermohemd, T-Shirt, Jacke, Winterjacke, Arbeitsjacke: Das Fünf-Schichten-Prinzip bewährt sich oben herum. Ganz unten reichen die normalen Arbeitsschuhe, denn: „Mit kalten Füßen hab‘ ich kein Problem“, lacht Fricke. Viel Laufen, viel heißen Tee trinken – und mit dem Fahrer über den Frost frotzeln. Das hält die Männer vom Müllwagen bei Laune. Dazu die tröstenden Worte so mancher Tonnenbesitzer, die schon mit dem Spaten neben ihrem Behälter warten, um nachzustochern, sollte der Eisklumpen quer sitzen.

Zu gern würde sich Jens Fricke mal für einen Straßenzug hinters Steuer setzen. Geht aber nicht. „Bin grad dabei“, lacht er. Am Klasse-C-Führerschein. Für den nächsten Winter könne sich Kollege Erdal Özbay schon mal warm anziehen.

Warm anziehen? Das ist auch das Stichwort für Postzusteller Manfred Fehler. Er trotzt der Eiseskälte unter einer doppelten Schicht aus allem, was er sonst drunter trägt. Sogar von den Handschuhen hat er sich zwei Paar übergezogen. Aber irgendwann sind auch sie durch. „Nach zwei Stunden geht‘s los“, sagt Fehler. Und dieses Gefühl bleibe bis zum bitterkalten Schichtende. Die Adressaten seiner Post lassen ihn aber nicht allein in der Kälte. Hier und da gebe es mal eine heiße Tasse Kaffee. Die tue richtig gut.

Eiseskälte hin und her: Die, sagt Manfred Fehler, sei ihm immer noch lieber als Eisesglätte. Da höre dann für ihn der Spaß auf.


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