Fr., 08.04.2016

Alpha-Netzwerk Ahlen gegründet Zu viele Ahlener können nicht lesen

Zahlreiche Vertreter von Schulen und Einrichtungen wie Stadtbücherei, Arbeitsagentur, Kirche und Unternehmen unterzeichnete am Donnerstag den Vertrag über das Alphabetisierungsnetzwerk Ahlen.

Zahlreiche Vertreter von Schulen und Einrichtungen wie Stadtbücherei, Arbeitsagentur, Kirche und Unternehmen unterzeichnete am Donnerstag den Vertrag über das Alphabetisierungsnetzwerk Ahlen. Foto: Dierk Hartleb

Ahlen - 

Das „Alpha-Netzwerk Ahlen“ ist gegründet. Bürgermeister Berger begründet die Notwendigkeit mit der vermuteten Zahl von 4000 bis 5000 funktionaler Analphabeten allein in Ahlen. Darin sind die Flüchtlinge noch nicht enthalten.

Von Dierk Hartleb

Der Mann traut sich. Sekundenlang verharrt er auf dem Sprungbrett und springt dann, um Zehntelsekunden später aus dem Wasser wieder aufzutauchen. Mit diesem neuen Spot wirbt der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung mit Sitz in Münster in Kürze in den Kinos. Die Kampagne soll die angestrebte Netzwerkbildung für Alphabetisierung unterstützen. Ahlen ist schon mit im Boot.

Am Donnerstagnachmittag besiegelten auf Einladung der VHS und des Bürgermeisters zahlreiche Kooperationspartner im Alten Rathaus die Gründung des „Alpha-Netzwerks Ahlen“. Zuvor hatte Bürgermeister Dr. Alexander Berger die erschreckende Zahl von 4000 bis 5000 Ahlenern genannt, die weder schreiben noch lesen können. „Damit dürfen wir uns nicht abfinden“, betonte Berger und fügte hinzu, dass nur, wer Lesen und Schreiben beherrsche, eine Chance auf soziale Teilhabe und ein eigenverantwortliches Leben habe.

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Damit dürfen wir uns nicht abfinden.

Dr. Alexander Berger

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Zwar relativierte anschließend Peter Hubertus die Zahl von mindestens 7,5 Millionen funktionaler Anal­pha­beten im erwerbstätigen Alter zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland, indem der frühere Geschäftsführer des Bundesverbandes darauf hinwies, dass diese Personengruppe durchaus über rudimentäre Schreibkenntnisse verfügen kann, aber nicht in ausreichendem Maße, um ganze Texte zu erfassen. Doch immerhin 300 000 Menschen sind trotz Schulpflicht völlige Analphabeten. Viele von ihnen „mogelten“ sich durchs Leben, wobei sie immer von dem Wohlwollen anderer abhängig blieben. Nur 20 000 besuchten derzeit bundesweit einen Alphabetisierungskurs.

„Viel zu wenig“, wie VHS- Leiter Rudolf Blauth befand. Das gilt auch für Ahlen, der derzeit laufende Kurs hat zehn Teilnehmer. Am 10. Mai startet um 19.30 Uhr der nächste Kurs, wie die zuständige Fachbereichsleiterin Bruni Rasche bekanntgab. Im Unterschied zu den Volkshochschulen in Beckum und Warendorf, mit denen die VHS ein Netzwerk bildet, sei in Ahlen der Kurs kostenfrei.

Die beiden Mitarbeiter des „Alpha-Mobils“, Tim Henning und Michael Greulich, informierten den ganzen Tag über auf dem Marktplatz Interessierte über Alphabetisierung, wobei die Erfahrung auch in Ahlen zeigte, dass sich die unmittelbar Betroffenen nicht trauen, sondern eher Familienangehörige, Freunde oder Arbeitskollegen die Beratung suchen.

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