Mi., 11.01.2017

KAB nimmt Abschied vom Kettelerhaus Verein lässt viele Erinnerungen zurück

Bernhard Erdmann im Schankraum, der – wie der Saal – seit zwei Jahren verwaist ist.

Bernhard Erdmann im Schankraum, der – wie der Saal – seit zwei Jahren verwaist ist. Foto: Archiv (3) / Christian Wolff

Ahlen - 

Die Entkernung läuft. In wenigen Tagen übernimmt der Abrissbagger das Regiment am Kettelerhaus. Die Mitglieder der KAB St. Michael retteten noch einige Relikte. Wir blickten noch einmal ins Innere.

Von Christian Wolff

Der Strom ist längst abgestellt. Bernhard Erdmann läuft mit einem mobilen Strahler in den Schankraum, hält kurz inne und blickt an die Decke: „Da oben über der Holzkonstruktion hab ich damals selbst gehockt und geschraubt“, sagt er. Damals, das war beim letzten großen Umbau des Kettelerhauses in den 1970er Jahren. Erdmann half damals mit, ist heute Vorsitzender der KAB St. Michael . Folglich hat er viele Erinnerungen an das, was sich hier in den vergangenen Jahrzehnten abgespielt hat.

Der Zapfhahn steht noch da wie zu Zeiten von Jupp General. Generationen von Schülern gingen damals bei ihm ein und aus. Allerdings hauptsächlich in Richtung Keller, wo in den späten 1960er Jahren das Lokal „Tenne“ ein beliebter Treffpunkt war. Und so einige Kapitel Ahlener Musikgeschichte sind hier geschrieben worden: Beat-Wettbewerbe mit lokalen Bands, aber auch Auftritte von damaligen Größen wie „The Lords“ lassen noch heute das Herz vieler Zeitzeugen höher schlagen. „Was hier damals gefeiert worden ist . . .“, fasst es Bernhard Erdmann knapp zusammen.

Auch die Kegelbahn im Keller ist längst verwaist. Auf den Tischen sammelt sich Staub, es riecht muffig, Stühle stehen kreuz und quer. „Schade drum, denn der Motor für die Anlage ist noch relativ neu gewesen“, bedauert der Vereinschef. Ein Abnehmer dafür fand sich nicht.

Schon vor zwei Jahren hat sich die KAB St. Michael von ihrem Stammdomizil zwischen Süd- und Kolpingstraße verabschieden müssen. Ein schrumpfender Verein, immer höhere Betriebskosten – es ging nicht mehr. Dennoch ein schmerzlicher Schritt, wie Bernhard Erdmann schon damals ehrlich durchblicken ließ. Immerhin war der frühere Katholische Arbeiterverein hier fast 100 Jahre ansässig, hat ein Stück Stadtgeschichte mitgeschrieben.

Das ursprüngliche Kettelerhaus, es war aus Fachwerk und zuvor ein normaler Gasthof, steht bereits seit 1954 nicht mehr. „Weitgehend per Hand mit Spitzhacke und Hammer“ sei der alte Eckbau abgebrochen worden, berichtete die „Ahlener Volkszeitung“ im April vor 63 Jahren. An seiner Stelle entstand ein neuer Kneipenbau und in den Stockwerken darüber das Arbeiterwohnheim St. Michael, das später der Caritasverband für das Dekanat Ahlen als Beratungsstelle nutzte.

Der Abschied von liebgewonnenen Räumen, den die KAB inzwischen hinter sich gebracht hat, ist ein anderer als der Abschied von den Mauern selbst. In wenigen Tagen wird der Abrissbagger sein Werk beginnen, um – wie berichtet – Platz für neuen Wohnraum in zentraler Lage zu schaffen. In den vergangenen Tagen haben sich einige Mitglieder der KAB St. Michael damit beschäftigt, zumindest die wichtigsten Relikte der Vereinsgeschichte zu sichern. „Wir haben das alte Ketteler-Relief, das viele frühere Festbesucher noch kennen werden, und unsere Ahnengalerie mit den Präsides vor der Entsorgung gerettet“, verrät Erdmann. Stapelweise Stühle – der Neupreis pro Stück betrug damals 270 Mark – sollen voraussichtlich noch von einem Interessenten abgeholt werden. Gläser und Bierkrüge sowie ein paar Tische hat Erdmann am Mittwoch dem neuen Förderverein „Kulturgut Samson“ vermacht, der das Gebäudeensemble um den früheren Landgasthof Tönnishäuschen wieder mit Leben füllen will. „Da sind die Dinge gut aufgehoben und ein Stück vom Kettelerhaus lebt weiter“, freut sich der KAB-Vertreter.

Parallel dazu hat bereits ein Bauteam mit der Entkernung begonnen. Alles, was jetzt noch im Gebäude verbleibt, wandert in den Container. Am morgigen Freitag will der Gemeinnützige Bauverein seine Neubaupläne bei einer Pressekonferenz vorstellen.

Das Kettelerhaus hatte zum 1. März 2015 nach 96 Jahren die Pforten geschlossen. Vor allem die Karnevalsvereine, die dort regelmäßig ihre Galasitzungen feierten, sowie Gesang- und Kegelvereine mussten sich umorientieren.

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Wir haben das alte Ketteler-Relief und unsere Ahnengalerie mit den Präsides vor der Entsorgung gerettet.

Bernhard Erdmann

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