Sa., 12.09.2015

Front Deutscher Äpfel Polizei stoppt irritierenden Schein-Aufmarsch

Die „Front Deutscher Äpfel“ besteht zwar nicht aus Neo-Nationalisten, sorgte aber Freitagnachmittag für Irritationen. Und für einen Polizeieinsatz.

Die „Front Deutscher Äpfel“ besteht zwar nicht aus Neo-Nationalisten, sorgte aber Freitagnachmittag für Irritationen. Und für einen Polizeieinsatz. Foto: Jörg Pastoor

Ahlen - 

Autofahrer erschrecken bei dem Anblick, der sich ihnen Freitagnachmittag in Ahlen bietet: Ein Trüppchen zieht mit rot-weiß-schwarzen Armbinden und einer transportablen Guillotine durch die Innenstadt. Ist das etwa der rechte Aufmarsch, der der Zuwanderungsstadt bislang erspart geblieben ist?

Von Jörg Pastoor

Die gute Nachricht: Den Polizeieinsatz in der Oststraße am Freitagnachmittag haben keine Neonazis verursacht, sondern Dadaisten. Die Gruppe „ Front Deutscher Äpfel “ (Berlin / Leipzig) war der Einladung von Performance-Künstler Stephan Us gefolgt. Der weniger positive Aspekt: Was als rein künstlerisch-politische Provokation geplant war, sorgte für kräftige Irritationen.

Vorbeifahrende Autofahrer hatten von der Gerichtsstraße aus die Polizei angerufen, weil sie das befürchteten, was der Zuwanderungsstadt Ahlen bislang erspart geblieben war: einen rechten Aufmarsch .

Fotostrecke: Aufmarsch der Front Deutscher Äpfel

Für Stephan Us ist die Rechnung aufgegangen, die er im Rahmen des „Past-Present-Perform“-Festivals kalkuliert hatte: „Es geht um den Kampf gegen Nationalismen.“ Die seien reflexartige Reaktionen auf die Angst vor Fremdem wie den Flüchtlingen, mit denen eigener Angst Stärke entgegengesetzt werden solle.

Als die NPD mit ihrem Vorsitzenden Holger Apfel in den sächsischen Landtag eingezogen war, hatte sich die „Front Deutscher Äpfel“ gegründet; als Protest gegen den damit politisch etablierten Nationalismus. „Es geht hier um Satire“, so Stephan Us zum„AZ“-Hinweis auf die irritierten Reaktionen vieler Passanten. Etliche Zaungäste seien allerdings gelassen geblieben. Er verstehe zwar auch jeden anderen, doch: „In diesem Spannungsfeld leben wir zurzeit.“

Polizei stoppt „Aufmarsch“

Die Polizei stoppte den aus einigen wenigen Männern bestehenden „Aufmarsch“ inklusive transportabler Guillotine kurz vor der Kreuzung Gerichts-/Bahnhofstraße. Schließlich war die „Demonstration“ nicht angemeldet, was Us dann auf Weisung der Beamten nachholte. „Wir brechen aber hier auch ab“, so Us zur „AZ“. Das Ziel, über diese gewollte Irritation zur Selbstreflexion zu führen, sei ohnehin erreicht: Die Leute sollten sich mit ihrer Angst auseinandersetzen. „Damit sie verstehen, dass Angst ein verdammt schlechter Berater ist.“ Eigentlicher Schluss- und Höhepunkt wäre übrigens die kollektive Schein-Selbsthinrichtung der Apfel-Aktivisten gewesen.

Die „Apfelfront“ verwendet bewusst die übliche, verfremdete Nazi-Symbolik, um Aufsehen zu erregen – und damit die direkte Aus­ein­­andersetzung mit den Post-Dadaisten, bei der man auf den zweiten Blick feststellt, dass Erschrecken und Angewidertsein unbegründet waren, weil die „Äpfel“ für das politische Gegenteil stehen.

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In diesem Spannungsfeld leben wir zurzeit.

Stephan Us

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