Fr., 17.03.2017

Lesung „Tatort Dorf“ Auch auf dem Land gibt‘s Mord und Totschlag

Der Vorstand von „Tönnis – unser Dorf“ begrüßte den Autor Gisbert Strotdrees (2.v.l.) am Mittwoch in der Alten Schule.

Der Vorstand von „Tönnis – unser Dorf“ begrüßte den Autor Gisbert Strotdrees (2.v.l.) am Mittwoch in der Alten Schule. Foto: Peter Schniederjürgen

Tönnishäuschen - 

Mit historischen Kriminalfällen beschäftigt sich Gisbert Strotdrees. Zu einer Lesung kam er in die Alte Schule.

Von Peter Schniederjürgen

„Es ist alles andere als Landlust und weit weg von ländlicher Idylle“: So stellte Gisbert Strotdrees sein Buch „ Tatort Dorf“ am Mittwochabend in der Alten Schule vor. Recherchiert hat der Redakteur des „Landwirtschaftlichen Wochenblatts“ rund 30 spektakuläre und historische Kriminalfälle aus dem ganzen norddeutschen Raum. Lebendig und sichtlich gut gelaunt ob der großen Zuhörerschar trug er einige davon vor.

Einer der aufregendsten Fälle spielt 1534 – die Zeit der Täuferkriege. Münsters Bischof Franz von Waldeck, ein durchaus lebensfroher und mit Lebensgefährtin und Kinderschar gesegneter Kleriker, belagert seine Bischofsstadt. In der wollen die Wiedertäufer ein neues Jerusalem errichten. Eine ihrer Anhängerin, die Friesin Hille Feiken, versucht, den Bischof zu verführen, um ihn dann nach dem biblischen Vorbild von Judith und Holfernes zu ermorden. Das Attentat wird verraten und die Frau nach Folter gehenkt.

Besonders befasste sich Gisbert Strotdrees mit einem nie aufgeklärten Mordfall in der nahen Umgebung. Tatort Enniger: Hier wird 1873 Anna Schütte vergewaltigt und ermordet. Der zuständige Amtmann Brünning ist offensichtlich mit der Lösung des Falles überfordert. Er schließt einen Täter aus dem Umfeld von vornherein aus. „Für ihn kamen nur Auswärtige in Betracht.“ Die Ermittlungen schleppen dilettantisch bis in den Herbst. Da fällt der Verdacht auf Herz Spiegel. Der ist ein Kleinhändler und jüdischen Glaubens. Kurz zuvor hat er mit seinen wenigen Glaubensbrüdern eine kleine Synagoge im Dorf eingeweiht. Brünning vermutet zwischen den Zeilen seiner offiziellen Schreiben an die Staatsanwaltschaft einen jüdischen Ritualmord – was die Anklagebehörde zwar für Unfug hält, sich aber im Dorf nicht ausrotten lässt. Unter den Rufen „He hat doahn“ (er hat es getan) erleidet die kleine jüdische Gemeinde den Druck ihrer Mitbewohner und löst darunter auf. Als letzter zieht Herz Spiegel nach Ahlen: „Hier wird er zum Vorfahr von Magda und Siegmund Spiegel“, schloss Strotdrees.

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