Sa., 18.03.2017

Abwicklung in der „Westfalen-Kaserne“ Notunterkunft ohne Flüchtlinge

Die Abwicklung läuft. Daniel Höckelmann und Andreas Märker schaffen Matratzen aus den Zimmern.

Die Abwicklung läuft. Daniel Höckelmann und Andreas Märker schaffen Matratzen aus den Zimmern. Foto: Ulrich Gösmann

Ahlen - 

Das war‘s. Nach 16 Monaten haben die letzten Flüchtlinge die Notunterkunft in dre „Westfalen-Kaserne“ verlassen. Ende März werden die Wohnblocks an die Bundeswehr übergeben. Besenrein.

Von Ulrich Gösmann

Tag eins ohne Flüchtlinge. Daniel Höckelmann macht aus seiner Gemütslage am Freitagvormittag kein Geheimnis: „Eine Mischung aus Wehmut und Erleichterung.“ Und: „Es war ‘ne super Zeit hier“, schiebt der Einrichtungsleiter der Notunterkunft „Westfalen-Kaserne“ gleich hinterher. Und jetzt? „Superruhig!“ Kollege An­dreas Märker nickt – und gesteht, diesen Tag für sich noch nicht realisiert zu haben: „Man meint, gleich geht die Tür auf und die Kinder laufen über den Flur.“

Letzte Kinderstimmen schallten am Donnerstagmorgen über das abgezäunte Areal der „Westfalen-Kaserne“, die 16 Monate als Notunterkunft diente und zu Spitzenzeiten bis zu 320 Menschen beherbergte. Am letzten Morgen waren noch 22 Gäste zum Frühstück gelistet. „Um 9.45 Uhr waren dann auch die letzten raus“, sagt Höckelmann. Sechs an der Zahl – auf dem Weg ihrer kommunalen Zuweisung nach Recklinghausen.

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Es war ‘ne super Zeit hier.

Daniel Höckelmann

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130 Gäste hatten noch zum Wochenstart im großen Festzelt hinter den beiden Wohnblocks ihre Mahlzeiten eingenommen. Tag um Tag wurden es weniger. Jetzt steht das Zelt, das bei der Aktivierung der Notunterkunft so schwer zu bekommen war, abbaubereit. Aber auch 130 Betten, die in der nächsten Woche abgeholt und auf weiterhin bestehende Einrichtungen verteilt werden.

Die Wohnblocks stehen jetzt leer.

Die Wohnblocks stehen jetzt leer. Foto: Ulrich Gösmann

Seinem 20-köpfigen Team hat Daniel Höckelmann für den Freitag eine Verschnaufpause verordnet. „Die sollen erst mal übers Wochenende durchatmen.“ Mit frischer Kraft gehe es dann ab Montag an den Rückbau. Der Freitag wird für die Bestandsaufnahme genutzt. Die wenigen, die da sind, ziehen Betten ab, verstauen das, was in die Entsorgung kommt, in blaue Säcke.

Auch wenn sämtliche Zimmer menschenleer sind, sendet jedes für sich persönliche emotionale Eindrücke aus – durch das, was zurückgeblieben ist. Sei es die kleine Kuschel-Giraffe auf der Fensterbank, die gepackte und doch stehengelassene Tasche oder – einen Raum weiter – die leeren Medikamentenboxen neben der angebrochenen Flasche Mineralwasser. Auf dem Flur lassen Blumen in Bockwurstglas und Tetrapack ihre Köpfe hängen. Bunte Plakate signalisieren an Türen, wo Kinderspielstube und Kindergarten waren.

Ein Festzelt diente als Speisesaal.

Ein Festzelt diente als Speisesaal. Foto: Ulrich Gösmann

Die ersten beiden Lastwagenladungen schafften noch am Donnerstag erstes Material vom Gelände. Beladen mit Hygieneartikeln und Babynahrung aus dem Depot. Auch wenn keine Gäste mehr da sind, der ISS-Sicherheitsdienst schiebt weiter Schicht am Eingangstor, der Wegweiser an der Hammer Straße zeigt unverändert Richtung Notunterkunft. Und das wohl noch bis zum Monatsende, denn: Stichtag ist der 31. März. „Dann muss besenrein übergeben werden“, sagt Daniel Höckelmann. Er, der zum 1. Januar 2016 die Leitung der Unterkunft übernommen hat, bleibt weiter in der Flüchtlingsarbeit: „Ich wechsel nur den Arbeitgeber, nicht den Bereich.“ Sagt‘s und strahlt. Weil: „Es war ‘ne super Zeit hier.“ Sein neuer Dienstherr wird die Stadt Ahlen.

Er blieb zurück. Ein stiller Gruß...

Er blieb zurück. Ein stiller Gruß... Foto: Ulrich Gösmann

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