Fr., 11.08.2017

Totschlag in der Silvesternacht 52-Jähriger muss zehn Jahre in Haft

Auch zur Urteilsverkündung ließ sich der Angeklagte von einem Strafverteidiger begleiten. Der 52-Jährige befindet sich seit Neujahr in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl bleibt bis zur Rechtskraft des Urteils bestehen.

Auch zur Urteilsverkündung ließ sich der Angeklagte von einem Strafverteidiger begleiten. Der 52-Jährige befindet sich seit Neujahr in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl bleibt bis zur Rechtskraft des Urteils bestehen. Foto: Klaus Möllers

Ahlen / Münster - 

Zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren hat das Landgericht Münster am Freitag den 52-jährigen Ahlener verurteilt, der in der Silvesternacht seine Frau geschlagen und gewürgt hatte. Sie hatte den Angriff nicht überlebt.

Von Klaus Möllers

Zu zehn Jahren Gefängnis hat das Landgericht in Münster am Freitag den 52 Jahre alten Ahlener verurteilt, der in der Silvesternacht seine Ehefrau geschlagen und dann erwürgt haben soll. Die Vorsitzende Richterin sprach von einer „brutalen Tatausführung“. Der Mann habe es anscheinend nicht ertragen können, dass die 51-Jährige ihn mit seinem Hang, fremdzugehen, konfrontierte.

Die Altenpflegerin sei an Ersticken und Bluteinatmung gestorben und vorher „mindestens fünf Minuten lang gewürgt“ worden, schilderte die Richterin. Dabei nahm sie Bezug auf ein Gutachten jenes Arztes, der die Obduktion an der Leiche der Frau vorgenommen hatte.

Ihr Mann habe sie „mit deutlicher Kraft“ mit einem Holzbrettchen geschlagen, so dass sich sogar das Muster ihres Oberteils auf die Haut durchgedrückt habe. Das Opfer erlitt laut dem Mediziner Verletzungen und Brüche im Bereich von Gesicht, Hals und Schulter. Dass er seine Frau dann so lange gewürgt habe, „lässt keinen anderen Schluss zu, als dass er ihren Tod beabsichtigte“, so die Richterin weiter.

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Paar wollte Neuanfang

Wie sich während der Verhandlung herausgestellt hatte, wollte das Paar nach einer mehrmonatigen Trennung einen Neuanfang probieren. Obwohl schon die erste Ehe des Ahleners gescheitert war, weil er mit der Nachbarin eine Liaison hatte, ging er später auch seiner zweiten Frau – bei einem Montageeinsatz – fremd.

Am Silvesterabend war seine Neigung, sexuelle Kontakte über das Internet zu suchen, offenbar wieder Thema, weil er mit einer Frau aus Ahlen per Handy chattete. Während des Feuerwerks soll er seine Frau zwar gebeten haben, „alles Vergangene zu vergessen und gemeinsam neu anzufangen“. Doch sie habe ihm anscheinend nicht mehr geglaubt: „Sie hat angesichts seiner vorgespielten Zuverlässigkeit seiner Treue nicht mehr getraut“, formulierte es die Vorsitzende.

Als es dann zu einem Telefonat zwischen der Bekannten aus Ahlen und seiner Frau gekommen sei und die 51-Jährige ihm dann erneut vorwarf, sich nicht von dieser Bekanntschaft fernzuhalten, habe er wohl „eine Mischung aus Demütigung, Wut und Hilflosigkeit“ empfunden. Und sei aggressiv geworden. Er habe sein Handy auf den Tisch geknallt und gesagt: „Das liegt doch alles an Deiner Spioniererei“.

Zurechnungsfähig trotz "Erinnerungslücke"

In seinem Teilgeständnis hatte der Ahlener angegeben, sich an die Minuten der Tat nicht mehr erinnern zu können. Für den psychiatrischen Gutachter im Prozess war solch eine „Erinnerungslücke“, sofern sie denn bestanden habe, kein Beleg für eine „tiefgreifende Bewusstseinsstörung“, die seine Zurechnungsfähigkeit infrage stellen könnte. Zudem war der 52-Jährige – wie auch seine Frau – nüchtern.

Merkmale eines Mordes sah die Strafkammer juristisch nicht, hieß es in der Urteilsbegründung weiter. Der Strafrahmen für „Totschlag“ liegt bei fünf bis 15 Jahren Haft. Zugute hielt das Gericht dem Täter, dass er geständig gewesen, die Polizei gerufen und nicht vorbestraft gewesen sei.

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Ihm fehlt die Bereitschaft, Ursachen für Konflikte bei sich zu suchen und nicht nur bei anderen.

Richterin über den Angeklaten

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