Mi., 13.09.2017

Adrian Topol präsentiert „Schneeflöckchen“ Das Drehbuch des eigenen Lebens

Tan (Erkan Acar) und Javid (Reza Brojerdi) erleben die Hölle. Sie sind gefangen in einem Drehbuch mit dem Titel „Schneeflöckchen“. Der Film wird derzeit innerhalb des „Fantasy-Festivals“ in verschiedenen großen Städten aufgeführt.

Tan (Erkan Acar) und Javid (Reza Brojerdi) erleben die Hölle. Sie sind gefangen in einem Drehbuch mit dem Titel „Schneeflöckchen“. Der Film wird derzeit innerhalb des „Fantasy-Festivals“ in verschiedenen großen Städten aufgeführt. Foto: Lopta-Film

Ahlen - 

Beim Fantasy-Festival hebt sich derzeit der Vorhang für das neueste Kinowerk, an dem Adrian Topol maßgeblich beteiligt war: „Schneeflöckchen“. Der Schauspieler und Produzent aus Ahlen, der von Berlin aus mit seiner eigenen Produktionsfirma „Lopta-Film“ agiert, präsentiert damit einen Streifen mit ungewöhnlicher Entstehungsgeschichte.

Von Christian Wolff

Was am Donnerstag in Stuttgart über die Leinwand des „Metropol-Theaters“ flimmert, ist das Ergebnis von vier Jahren Arbeit. Ungewöhnlich für einen Film, aber „Schneeflöckchen“ – das Leidenschaftsprojekt einer wilden Truppe von unabhängigen Filmemachern aus Berlin – wäre sonst wahrscheinlich nie entstanden. Adrian Topol ist einer dieser Akteure, der sowohl vor als auch hinter der Kamera seine Erfahrung einfließen ließ. Der Ahlener, der sich in Berlin inzwischen mit seiner „Lopta-Film“ GmbH fest etabliert hat, war bei einem der wohl ambitioniertesten deutschen No-Budget-Spielfilme eine treibende Kraft.

Worum geht‘s in dem Action-Thriller, der durchaus auch komödiantische Züge aufweist? „Der Titel ist da schon etwas irreführend“, gibt Adrian Topol zu – und muss zugleich schmunzeln. „Deswegen haben wir das Ganze als ,Das abgefuckteste Märchen seit den Gebrüdern Grimm‘ untertitelt.“ Märchenhaft geht‘s in der Tat nicht zu in dem Streifen. Erst im Laufe der Handlung werde der Bezug klar, wenn die Protagonisten ein mysteriöses Drehbuch finden, das nicht nur ihre eigene Vergangenheit erzählt, sondern auch die Zukunft unfassbar genau vorherzusehen scheint: Der Titel dieses Drehbuchs lautet „Schneeflöckchen”. Schnell reift bei den Hauptdarstellern das Bewusstsein, dass ihr Ableben durch das Skript vorbestimmt ist und sie die Dinge nur ändern können, wenn sie den Autor Remmers zum Umschreiben zwingen. Dieser originelle Drehbuchkniff und die damit verbundene Öffnung der Meta-Ebene gibt der anfangs recht unübersichtlichen, weil nicht streng chronologisch erzählten Geschichte ihren Rahmen.

Fotostrecke: Film „Schneeflöckchen“ bei Fantasy-Festival

„Ich spiele gemeinsam mit Antonio Wannek einen polnischen Kannibalen“, verrät Topol im Gespräch mit der „AZ“. Viel mehr will er aber auch noch nicht verraten. „Die Handlung ist nicht gerade gewöhnlich“, gibt er zu. „Schon als wir die Idee für diesen außergewöhnlichen Genre-Mix hatten, war uns klar, dass wir dieses Projekt niemals auf herkömmlichen Weg finanziert bekommen würden. Die Geschichte war zu durchgeknallt and wir als Filmemacher noch zu unbekannt, als dass man uns das Budget anvertraut hätte, was dieser Film normalerweise benötigte.“ Aber die Truppe war entschieden, dieses Projekt durchzuziehen, auch wenn es letztlich viel Zeit und nerven kostete. „Wir begeisterten Kollegen und Partner für unser unkonventionelles Vorhaben, trommelten eine kleine Rebel-Crew zusammen und sammelten etwas Geld durch Freunde, private Investoren und einer Crowdfunding-Kampagne.“

Auf einer „gehackten” Canon 5D seien an Wochenenden die ersten Sequenzen entstanden, erinnert sich der Ahlener. Über die Jahre sei dann eine „große verrückte Filmemacher-Familie von über 100 Leuten“ entstanden. Allen Widrigkeiten zum Trotz schaffte sie es, eine Filmproduktion in Kinoqualität auf die Beine zu stellen. „Immer über dem Limit unserer Möglichkeiten haben wir nie aufgegeben und unnachgiebig weitergemacht. Jetzt können wir das Ergebnis des wildesten Ritts unseres Lebens präsentieren“, freut sich Topol.

Und dann lässt er sich doch noch Details entlocken. Serienhelden früherer Tage geben sich in „Schneeflöckchen“ die Klinke in die Hand: Neben Gedeon Burkhard („Kommissar Rex“ von 1995 bis 2001), Bruno Eyron („Balko“ von 1998 bis 2006) und Sven Martinek („Der Clown“ von 1998 bis 2001) ist auch der ehemalige „Tatort“-Kommissar Mehmet Kurtulus als Gaststar mit von der Partie. Adolfo Kolmerer führte Regie – mit Gastregie von William James; Arend Remmers schrieb das Drehbuch.

Derzeit ist der Film im Rahmen des „Fantasy-Filmfestivals“ in großen deutschen Städten zu sehen. Nach Stuttgart folgen Frankfurt (15. September, „Cine­star Metropolis“), Berlin (15. September, „Cinestar Sony Center“), München (16. September, „Cinemaxx Isartor“), Hamburg (17. September, „Savoy-Filmtheater“), Köln (23. September, „Residenz-Astor-Filmlounge“) und Nürnberg (30. September, „Cinecitta“). „Ich würde ,Schneeflöckchen‘ natürlich gerne auch in Ahlen zeigen“, sagt Adrian Topol. „Wir haben ja gute Kontakte.“

Am Sonntag, 1. Oktober, ist der Ahlener erst einmal in der Reihe „Herzkino“ im TV zu sehen. „Inga Lindström – Das Postboot in den Schären“ läuft um 20.15 Uhr im ZDF. „Die Dreharbeiten in Schweden waren sehr schön – nicht nur landschaftlich.“

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